Autor Thema: Der Puppenspieler  (Gelesen 725 mal)

Chasue

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Der Puppenspieler
« am: 29. April 2007, 02:08:21 »
Nette Wachen.. haben mir einfach einen Laib Brot geschenkt - und der war sogar recht frisch... in Gedanken versunken schlendert Taran in Richtung des großen Brunnens im Stadtpark, wobei er das letzte Stück des Brotes verschlang.
Um ihn herum spielten Kinder fangen, kämpften mit Stöckern gegen imaginäre Monster oder spielten mit kleinen Murmeln. Ältere Leute bewunderten die Natur und redeten von alten Zeiten. Ein großgewachsener Mann mit einem langen Bastardschwert auf dem Rücken überragte eine Menschenmenge und gestikulierte hektisch und mit einer "Heldenmiene" im Gesicht.
Hier lässt es sich sicher leben.. vielleicht lasse ich mich ja hier nieder wenn ich sie gefunden habe.. dachte Taran. Er nahm einen Schluck aus einem kleinen Trinkbrunnen der direkt neben dem größeren Zierbrunnen stand und lies sich gleich darauf auf dem Boden nieder.
Leicht seufzend kramte er seine kleine Puppe aus seiner Hosentasche und legte sie auf dem Boden.
"Warum tu ich mir das nur an? Das einzigste was mir von meiner Mutter geblieben ist, ist diese Puppe... " murmelte er eintönig und befühlte dabei den weichen Stoff der leicht verdreckten Puppe.
Seit 2 Jahren bin ich schon allein auf der Suche.. seit 2 Jahren ist sie tot.. ein Mädchen in den Wolken - sie hat dafür gelebt.. sie hat von ihr geträumt, sie gespürt..., dachte er und schmunzelte.
Seit sie tot ist, habe ich die selben Träume.. und ich spüre auch etwas, etwas was mich ruft, mich drängt.. und seit ich hier bin ist dieses Gefühl stärker geworden.. - ein Schatten fiel über seine Puppe und unterbrach seine Gedanken.
Er sah leicht genervt auf.

"Hey, du da! Was machst du hier? Ist das deine Puppe? Man ist die dreckig!"
Ein kleines Mädchen stand vor Taran und zeigte auf die Puppe. Wortlos schaute der junge Mann das Mädchen an und konzentrierte sich dann auf die Puppe, die sich plötzlich aufsetzte und lebendig wurde. Das Mädchen erschrak und kniete sich staunend hin.
"Wie machst du das?" rief sie begeistert aus. Schnell bemerkten andere Kinder und umstehende Leute was vor sich ging und bildeten eine dichte Menschentraube um Taran.
Die Puppe vollbrachte viele kleine Kunststücke - sie schlug Räder, machte Saltos, Liegestütze und stolzierte ab und zu vor der Menge umher.
Vereinzelt wurden Sachen wie "Da steckt doch sicherlich ein Trick dahinter!" - "Sicherlich wird die Puppe durch unsichtbare Faden bewegt! Ja! Das muss es einfach sein!" - "So wie der Typ aussieht, kann er gar kein Magier sein!" in die Menge gerufen - aber es gab auch, zwar selten, einen schwachen Anflug von Applaus.
Eines der Kinder die weiter vorne in den Reihen standen schnappte sich die Puppe und inspizierte sie genauer - konnte jedoch nichts feststellen und lies sie fallen. Taran ließ die Puppe erschlaffen, worauf viele der Zuschauer gingen und wieder ihre eigenen Gespräche aufnahmen, oder den Stadtpark ganz verließen.. Nur sehr wenige warfen Taran eine Goldmünze zu, die meisten rümpften verächtlich die Nase und gingen wieder ihrer Wege.
Das kleine Mädchen, das von Anfang an vor dem Puppenspieler stand, krabbelte neben ihn und tätschelte ihm die Hand. "Mach dir nichts daraus, mir hat deine Vorstellung sehr gefallen! Es tut mir leid, dass ich so gemein war.. erzähl, wie hast du das gemacht?"
Der junge Mann schaute weg und schwieg. "Hmmh.. nagut.. wenn du es mir nicht verraten willst - hey ich weiß was! Mein Vater ist Wirt einer kleinen Taverne, nicht weit von hier! Vielleicht kannst du dort nach Arbeit fragen? " Taran schwieg weiterhin.
"Ich kann es nicht beschreiben.. es steckt kein Trick dahinter und wahrscheinlich auch keine Magie.. es ist eher so das ich die Puppe fühlen kann.." sagte er nach einigen Minuten - das Angebot des Mädchens hatte er komplett überhört..
Es ist so, als wäre meine Seele mit ihr verbunden... fügte er in Gedanken hinzu.

Taran lehnte sich an den Brunnen zurück und stopfte die Puppe samt den spärlichen Einnahmen wieder in seine Hosentasche.

Ein kleiner Hund lief vor Taran und dem Mädchen hin und her, sein Schwanz rotierte wie ein Hubschrauberpropeller und er bellte aufgeregt. Das kleine Mädchen krabbelte kniend zum Hund und packte ihn an den Ohren " Was bist du denn für Einer! Komm mal her! Du bist ja knuffig!"
Der junge Mann schaute das Mädchen genervt an.
Die springt anscheinend alles an was sich bewegt.. dachte er und seufzte resigniert. Er beobachtete die beiden noch eine Weile, stand dann auf und ging auf den Teich des Stadtparkes zu. Nach den ersten beiden Schritten stoppte er plötzlich und drehte sich entnervt um. Das kleine Mädchen folgte ihm kichernd, hinter ihr rotierte der Hund hechelnd weiter mit dem Schwanz.
Oh man.., er fasste sich an die Stirn, .. wenn dieser Hund noch schneller mit dem Schwanz wedelt hebt er sicherlich irgendwann ab. Naja.. ich hoffe die beiden lassen mich in Ruhe.. dachte er. Er drehte sich wieder auf dem Absatz um und ging zum Teich.

Taran ließ sich auf das saftig-grüne Gras fallen, streckte sich aus und schloß die Augen.
Der kleine Hund jagte bellend das Mädchen um den jungen Mann herum. Nach einer Weile lies sich das Mädchen neben Taran auf das Gras nieder und zupfte an den Grashalmen. Der Hund saß direkt neben ihrem Kopf und rupfte ebenfalls Gras mit seinem Maul aus dem Boden.
"Könntest du mir nochmal den Trick mit deiner Puppe zeigen?" fragte das Mädchen leise.
Der Mann schüttelte den Kopf und fuchtelte mit der Hand in die Richtung des Mädchens, als ob er eine Mücke verscheuchen wollte.
" Na gut.. ", das Mädchen schaute auf und sah eine oder mehrere Gestalten auf sie zukommen, durch die Hitze konnte sie das nicht so gut erkennen, da in der Ferne alles verschwommen war. Sie dachte sich nichts weiter dabei, drehte sich auf den Rücken und bewarf den sowieso schon genervten Taran mit kleinen Grashalmen.

« Letzte Änderung: 17. Juni 2007, 02:02:38 von Chasue »