Autor Thema: ... ein Fremder an der Pforte - namens Erik Svenson  (Gelesen 2367 mal)

ErikSvenson

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... ein Fremder an der Pforte - namens Erik Svenson
« am: 08. März 2009, 00:44:46 »
Er strich seit Tagen durch das Land, welches er sich ausgesucht hatte zu durchstreifen. Natürlich war die Wahl, keine Wahl im eigentlichen Sinne gewesen. Es gab Gründe weshalb ihn das Durchschreiten der Wüste Tarun besser erschien, als vor ihr stehen zu bleiben und seinem Schicksal vorzeitlich entgegenzutreten ... denn das wahre Schicksal ... hatte etwas anderes für ihn auserkoren ...
Die Tage schleppten sich dahin ... jeder wie der andere ... er hatte Mühe das Wirkliche von den illusorischen und visionären Erlebnissen zu trennen, welche ihn heimsuchten und irgendwie dennoch sinnvoll durch die Zeit brachten. Er glaubte kaum noch wahrhaftig an die Realität - nach zehn und mehr Tagen in einer menschenleeren Gegend, in die man aus einer Zwangsvorstellung geflohen war, um der Hoffnung am Lebenswerten des eigenen Lebens und der Unversertheitheit des selben - bis auf marginale Einschnitte - durch eine solche Flucht zu ermöglichen, interssierte ihn nunmehr keineswegs ... eigentlich hatte er auch nur die ersten fünf Stunden nach seiner entscheidenen Wendung seines Lebens damit zugebracht, solche Erwägungen in Betracht zu ziehen ... seitdem war ihm das Leben in seiner reinen Form wesentlich notwendiger erschienen und die Maßnahmen zu deren Erhaltung. Sein Verstand hatte sich gewehrt ... doch kläglich versagt, stattdessen hatte seine Intuition das Zepter übernommen und bessere Entscheidungen bislang getroffen als es seinem Verstand je möglich gewesen war ...
Seit mehr als 5 Wochen durchschritt er nun schon die Wüste - die Zeitangabe ist natürlich spekulativ, denn er selbst hatte keinerlei Maß diesbezüglich und nicht immer ist ein außenstehender Beobachter zugegen, der die Sterne und den Mond am Firmament hinreichend kennt, um eine solche Einschätzung zu geben ...
Er war ausgezerrt von der Reise ... seine Kleidung war verschlissen und verdeckte nicht, dass er wohl etwas abgenommen haben musste ... denn der Mantel, den er trug schien von ehrlichen Leuten gemacht, für jene die die Ehrlichkeit - zumindest aber die Position der Rechtschaffenkeit inne hatten, um sich ehrliche Arbeit leisten zu können, auch wenn sie ab und an zu anderen Mitteln griffeln, wenn die Gerüchte über jene Gesellschafter stimmen konnte ... sein Gesicht zeigte Spuren seines Zerwürfnisses und seiner Last, die er getragen hatte ... doch auch noch etwas anderes ... was nicht so leicht zu ergründen war ...
... vor einem Tag, als die Sonn' zur etwa gleichen Stund' fast genauso hoch stand ... meinte er etwas zu sehen ... und trabte, trottete, zog sich darauf zu ...
nach einem Tag musste er festellen ... es ist kein Hirngespinst, kein Trug ... der Fels ist echt, die Mauer hart ... der Blick der Wächter ehrlich bohrend ...er sammelte sich ... verschnaufte ein wenig ... und hub zu einer ausschweifend höflichen Anrede an, die just in Krächzen endete ... seit Wochen hatte er nicht mehr gesprochen ... er räusperte sich nochmals ... und sein Verstand kam ihm nach langer Abstinenz zu Hilfe - er sprach:


"Verehrte Wächter der Stadt, deren Toren ich zu Füßen liege - gebt mir Einlass, damit ich meiner Reise Schmerzen überwinden , meine Geschwüre sich rückbilden, ich das Menschenantlitz wieder achten kann und der Gemeinschaft - nach Tagen der Ruhe - meine Dienste anheimzustellen vermag."

Er sprach gequält und nicht immer waren die Worte wirklich zu verstehen, so heiser machte ihn die lange Rede - aus welchem Teil des Hirns oder Sphäre sie auch immer kommen gewesen mögen ... er blieb noch ein Weilchen ächtzend gerkümmt stehen und schielte zu den Wachen empor ... bis er sich einen schattigen Platz suchte, um die Antwort zu erfahren - die ihn hoffentlich bald zu Teil werden sollte .
« Letzte Änderung: 08. März 2009, 01:08:24 von ErikSvenson »