Autor Thema: Ein langer Weg  (Gelesen 1354 mal)

Psyche

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Ein langer Weg
« am: 09. Dezember 2008, 12:25:01 »
Ihr Kopf dröhnte. Wie lange war sie schon unterwegs? Es erschien ihr wie eine halbe Ewigkeit. Ihre Glieder waren schwer und von der langen Reise wie vergiftet. Sie war unglaublich müde, doch ihr starker Wille trieb sie voran, immer weiter ihrem Ziel entgegen – der Stadt Elteran.  Sie war sich sicher, sie würde es schaffen, sie musste es schaffen! Es war ihre Aufgabe, ihr Schicksal, sie hat es doch versprochen. Sie musste, denn ihre Schwester... Ihr Kopf dröhnte noch mal auf, sie konnte jetzt nicht daran denken, sie musste weiter gehen, immer nur weiter gehen. Ihr Magen grummelte, aus Reflex griff sie in ihren Proviantbeutel. Doch darin waren nur noch wenige Beeren, die sie auf ihrer Reise gefunden hatte. „Du musst dich zügeln, Psyche, du weißt nicht, wie lange du noch unterwegs bist”, ermahnte sie sich und zog schließlich schweren Herzens ihre Hand aus dem Beutel. „Nur Geduld,  du bist sicherlich bald am Ziel...“

Sie ahnte nicht, wie nah sie schon am Ziel war. Nach der nächsten Erhebung entdeckte sie in knapp 100 Schritte Entfernung die Tore Elterans. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, sie dachte an die Anstrengungen der letzten Wochen und ihre eisblauen Augen fühlten sich mit Tränen des Glücks. Wie beflügelt von dem Gedanken am Ziel zu sein, beschleunigten sich ihre Schritte.

Völlig erschöpft aber von ihren Glücksgefühlen überwältigt reihte sie sich in die Menschenschlange vor den Toren ein und wartete geduldig, bis sie an der Reihe war. Ihre  Gedanken schwirrten in ihrem Kopf, was sollte sie gleich sagen, was würden sie die Wachen fragen und was, wenn sie sie wieder zurückschicken würden? Die Rückreise würde sie nicht überleben und dann würde sie auch nicht leben wollen, mit dieser Scham des Versagens. Und ehe sie sich versah, stand sie nun vor der Wache. Sie war klein und zierlich und sah im Vergleich zu den hünenhaften Wächtern wie ein Kind aus.  Aber auch so hatte sie ein sehr jugendliches Aussehen, welches nicht von Alter gezeichnet war.  Allerdings waren Ihre Haare von der langen Reise zerzaust und ihre Kleidung schmutzig und zerrissen. Dennoch ging von ihr ein süßlicher, angenehmer Geruch aus und sie schien von einem geheimnisvollen, warmen Licht umgeben zu sein. „Möge euch Teraja beschützen, werte Wachleute. Mein Name ist Psyche, ich bin eine Priesterin der des Teraja Tempel im Norden des Landes.“ Während sie sprach, senkte sie ihren Kopf demütig. „Ich habe eine Botschaft und ein Geschenk an meine hiesigen Brüder und Schwester.“ Ihr Herz pochte, entschied sich doch ihr Schicksal in dieser Sekunde und von diesen Männern. Sie hob wieder ihren Blick wieder und schaute sie erwartungsvoll an.