Autor Thema: Das Anwesen der Namenlosen  (Gelesen 1829 mal)

Urumil

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Das Anwesen der Namenlosen
« am: 11. August 2008, 13:10:54 »
Der Dienstjunge, der eben noch auf dem Elteraner Markt gestanden hatte, sollte nun das Anwesen der Namenlosen kennen lernen.

Ein riesiges eisernes Tor öffnete sich zu einem runden Hof hin, in dessen Mitte ein kleiner Hügel voller dorniger, schwarzer Rosen aufragte.
Der runde Hof wurde von krummen, alten Eichen flankiert, die eine Allee zur Pforte des Anwesens bildeten. Was außerhalb der Eichen war, konnte der Dienstjunge nicht erkennen, und er wusste den Grund nicht.

Urumil der Namenlose schritt vor ihm unter den Eichen entlang und bat ihn, schneller zu gehen.

Dann sah er die Pforte. Eine spitze, in den modellierten Fels eingelassene Holztür mit einem gigantischen Knauf, stand beschließend am Ende einer Treppe mit flachen Stufen.
Urumil nahm den gigantischen, in Form eines Löwenkopfes an der Tür hängenden Knauf in die Hand und hämmerte ihn mit unerwarteter Kraft gegen die Tür.
Sie öffnete sich, abr niemand stand dahinter, der sie hätte aufziehen können.
Der Dienstjunge erschrak kurz, aber dann wurde er vom Prunk der Vorhalle überwältigt. An den Wänden hingen Bilder von Magiern, "Das sind Namenlose, Mitglieder unserer Gilde.", sagte Urumil dazu, an der Decke größere Kronleuchter, als der Dienstjunge sie sich jemals vorstellen könnte, und am Ende der Halle teilte sich der mamorne Boden in zwei flachstufige Treppen, die in höhere Stockwerke hinauf führten. Nirgendwo gab es Fenster.

Urumil hob den Arm und zeigte nach rechts, wo eine kleine Tür in die steinerne Wand eingelassen war.
"Dein Zimmer!", sagte Urumil, und im nächsten Moment war er wunderlicher Weise verschwunden. Der Dienstjunge hatte von dieser Technik gehört. Es war eine Art Illusion.

Trotzdem machte er sich auf, sein Zimmer zu beziehen.
« Letzte Änderung: 11. August 2008, 13:25:01 von Urumil »

Urumil

  • Gast
Re: Das Anwesen der Namenlosen
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2008, 14:30:48 »
Mit einem Klopfen wurde der Dienstjunge geweckt.

Langsam stand er aus seinem schlichten Bett auf und ging zur Tür.

Er öffnete sie und ein schlanker, bärtiger Magier mit ausgefallener Kleidung bog sich ihm förmlich entgegen.

"Mein Name ist Ephodril Anshur. Aber alle nennen mich hier den Traum des Samsas, Samsas Traum.", er lächelte und ließ seine Stimme brummen.
"Ich bin der Dienstjunge!", fiepte der Angesprochene ängstlich.
"Ach, nur keine Scheu! Urumil ist manchmal etwas grob und mekrwürdig! Gebäck?", und Samsas Traum hielt ihm eine silberne Platte mit allerlei Keksen und Kuchen hin.
Sofort nahm der Junge eines und aß gemütlich.
"Urumil hat etwas zu tun, es wäre gut, wenn du ihm etwas helfen würdest!" warf eine andere Stimme ein.
Hinter Samsas Traum erschien eine bildhübsche Frau in blauem, schlichten Gewand. Ihre blonden Haare fielen sanft und in ihren blauen Augen hätte man sich verlieren können.
"Mein Name ist Pirotess, Sohn des Piraten!", sie lächelte.

Zusammen gingen die drei die Treppe hinauf, die der Dienstjunge gestern gesehen hatte und liefen durch wirre Gänge und stiegen hinauf und hinab, bis sie eine Halle erreichten, an dessen Ende vier Stühle aufgebaut waren.
Auf dem zweiten von links saß ein dem Dienstjungen unbekannter, hochgewachsener Magier, der jung und doch intelligent schien. Neben ihm, ganz links außen, saß Urumil, der seinen Kopf auf seine behandschuhte Hand stütze.
Rechts neben dem offensichtlichen Führer der Gilde, saß ein anderer Magier, den der Dienstjunge schon öfter gesehen hatte. Er wusste, dass er unter seinen Leuten als Tod bezeichnet wurde.
Der Stuhl neben dem Tod war frei, Samsas Traum setzte sich dorthin.

"Nun!" sprach der Herr der Vier.
"Mein Name ist Deesse. Wir sind die Namenlosen!", auf dieses Stichwort tauchten siebzehn andere Magier im Raum auf und setzten sich auf Bänke und Stühle. Der Dienstjunge bekam Angst.
"Dies sind die unseren! Welche sind die deinen? Hast du Familie?"
"Nein.", sagte der Junge nur.
"Dein Name?", fragte der Tod mit sanfter Stimme.
"Ich hatte keinen! Man nannte mich bloß Blassfuß!"
"Nun, dann sei dein Name ab heute Varnhagen, nach dem Krieger aus Tenar!"
Alle anderen nickten.

"Als erstes brauche ich deine Dienste!", warf Urumil ein.
"Ich muss in der Bibliothek etwas nachlesen und du sollst vor den Toren stehen und Wache halten, dass uns niemand entdeckt!"
Zögerlich nickte der Junge.

« Letzte Änderung: 20. Dezember 2008, 18:53:38 von Urumil »