Autor Thema: Heilerin auf Um- und Abwegen  (Gelesen 1642 mal)

Pathea

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Heilerin auf Um- und Abwegen
« am: 08. Oktober 2009, 00:25:04 »
Noch nicht lange bin ich in dieser Stadt und meine Heimat ist noch an anderer Stelle, so dass ich hier eher ein gelegentlicher Besucher sein werde, so lange von meiner Heimat noch etwas übrig ist... doch dazu später, lasst mich Euch erst eine Kopie des Schriftstückes reichen, in dem steht, was die Bewohner meiner Heimat über mich wissen.
Zitat
Vertrieben. Verraten. Verbannt. Die Geschichte Patheas

Es war ein Tag des Glücks für Aelfgar den Schönen und seine Frau Eloathe als ihnen Ihr erstes Kind geboren wurde. Sie gaben dem Mädchen den Namen Pathea, was in der Sprache der Menschen so viel heißt wie 'die Feine'. Stolz zeigten die Eltern das Mädchen herum und allseits wurden das dichte schwarze Haar und die ebenen Gesichtszüge bewundert. In der steten Obhut Aelfgars und Eloathes wuchs das Mädchen heran und bald zeigte sich, dass sie ein außerordentliches Geschick für die Heilkünste besaß. Schweren Herzens also gaben Aelfgar und Eloathe ihr Kind in die Hände einer weisen, gutmütigen Menschenfrau, welche sich auf die Künste der Heilung bestens verstand. Und so lernte Pathea von Alva der Weisen, welches Kraut in welcher Dosierung heilt. Und Alva lehrte die junge Pathea ein jedes Lebewesen zu heilen, geduldig zu sein, wenn die Verwundeten vor Schmerzen nicht wussten, was sie sprachen. Doch eines Tages trat Alva an Pathea heran und verkündete „Pathea, mein Augenstern, ich werde nicht mehr lange in dieser Welt weilen. Trage mein Künste in die Welt und verbreite Wissen, Frieden und Licht.“ Hernach zog Alva sich in ihre Hütte zurück und starb.
Pathea trug den Leichnam der Alten auf einen Hügel und verbrannte ihn, die Asche streute sie, gemäß der Tradition, in den Wind.
Nach den Tagen der Trauer schnürte sie Ihr Bündel und zog in die Dörfer, den Menschen, Elfen und Orks zu helfen.

Hier endet der Teil der Geschichte, der mir selbst so fremd ist, dass ich ihn nur noch in der dritten Person zu erzählen vermag.

Ja, es mag seltsam klingen für einige, denen mein Schwert oder meine Zunge bisher begegneten, aber ich war einstmals dem Licht zugewandt.

Doch als ich im einhundertunddreizehnten Jahr meines Lebens erstmals das Land betrat, welches damals noch Illyria hieß, wurde meine Sanftmütigkeit von meinem Verstand herausgefordet. Doch lasst es mich langsam berichten.

Es waren die trüben Tage des Herbstes und Stürme tosten. In Fetzen gerissen flogen ganze Bäume herum und ich schätzte, es würde entsprechend viele Verwundete geben. Nur geschützt mit einem einfachen Holzschild und meinem Jagddolch, kämpfte ich mich gegen das Wetter zum ersten Dorf. Aber wo ich auch klopfte – wann immer ich sagte, ich sei nur eine einfache Heilerin, welche Obdach suche, schlug man mir die Tür vor der Nase zu. In meinen vom Regen durchweichten Lumpen suchte ich also Unterschlupf in einer alten Scheune. Zwischen Ratten und klammen Stroh verbrachte ich meine erste Nacht in diesem Land. Als ich am Morgen zitternd und kaum erholt erwachte, hörte ich draußen einen Ruf erschallen: „Eine Heilerin ist im Dorf!“
Rasch warf ich meinen Umhang über und trat vor das Tor. Doch es waren keine Verwundeten zu sehen, nur ein zorniger Mob, welcher mich mit Mistgabeln aus dem Dorf trieb und mir hinterherbrüllte „Verdammte Kräuterhexe! Euch hat der Teufel gesandt! Ihr seid eine Ausgeburt der Hölle!“
Ich floh, soweit meine Beine mich trugen. Ohne zu wissen wo ich war, fiel ich vor Erschöpfung einfach um. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne Bewusstsein wo lag, doch irgendwann kam ich zu mir. Ich lag auf einem Strohsack, ein warmes Feuer knisterte.
„Ah, aufgewacht.“ eine tiefe Frauenstimme erklang aus einer Ecke des Raumes. Suchend blickte ich mich nach ihr um, doch alles, was ich sehen konnte, war eine in dunkle Schleier gehüllte Gestalt. „Eigentlich hatte ich ja schon überlegt, deine Innereien an den Orkstamm in der Nähe zu verscherbeln, aber Du hast ein ganz hübsches Gesicht, daraus kann man auf Dauer mehr Gold machen.“
„We... Wer seid Ihr?“ brachte ich stammelnd hervor. „Das ist uninteressant. Ich habe Dich gefunden, Du gehörst jetzt mir. Da vorne steht eine Waschschüssel. Benutz' sie. Und dann iss' etwas, Du siehst aus wie die Reste eines Festmahls – Sehnen und Knochen.“
Vollkommen verwirrt machte ich mich daran, ihre Befehle zu befolgen, wie ich es immer getan hatte, wenn ich einen Befehl erhielt.
„Reizend, ich muss Dich nicht einmal mehr abrichten.“
Irritiert wusch ich mir den Schmutz vom Körper. Meine Kleider konnte ich nirgendwo sehen, statt dessen trug ich ein Leinenhemd, wie man es Toten überstreift, bevor man sie zur letzten Ruhe bettet.
„Hier, iss das.“ Die Frau stellte eine Schüssel Haferschleim auf den Tisch und ich stürzte mich gierig wie ein hungriger Wolf darauf. Sie setzte sich wieder in ihre Ecke.
„Brav gemacht. Und jetzt spring!“
„Wie hoch?“
„Stell keine Fragen, tu was ich Dir sage.“
Erstmals keimte Stolz und Zorn in mir auf und wie von Ferne drang die Erinnerung an das, was meine Mutter mir immer gesagt hatte zu mir 'Sei folgsam, sei sittsam, aber sei nicht dumm. Du bist eine Elfe von reinem Geblüt und keiner hat das Recht, Dir zu befehlen, wenn Du es ihm nicht erlaubst.' Doch da ich mich in der Situation noch nicht zurecht gefunden hatte, sprang ich.
„Das war ein bisschen niedrig, aber ein guter Anfang für ein Spielzeug. Da hinten auf der Truhe liegen Kleider, zieh' sie an!“
Ich ging zu der Truhe und betrachtete das Kleid. Gelb leuchtete der tiefe Ausschnitt, der Stoff war recht grob, aber gut verarbeitet.
„Das sind Hurenkleider.“ stellte ich fest.
„Sehr richtig Schätzchen. Also, zieh' Dich an.“
„Nein.“
„Was hast Du da gesagt? Du wirst mir doch nicht widersprechen?“ Die Gestalt trat hinter mich und bevor ich wusste, wie mir geschah, spürte ich eine scharfe Klinge an meinem Hals. „Du wirst tun, was ich Dir sage, wenn ich es Dir sage.“
Ich zog meinen Ellenbogen nach hinten, drehte mich und spuckte vor ihr aus. Wutentbrannt schrie ich sie an: „Lieber sterbe ich, als dass ich mir Stolz und Ehre nehmen lasse von einer, die noch nicht einmal ihr Gesicht zeigt!“
Kurz verharrte die Gestalt regungslos, dann drängte sie sich an mir vorbei zu der Truhe und warf mir ein Kurzschwert zu. „Geh'. Komm' wieder, wenn Du verstanden hast, warum.“
Von diesem plötzlichen Wandel vollends verwirrt, stolperte ich hinaus in die weiten Lande Iskarains. Ich wurde aus den Dörfen immer und immer wieder vertrieben, einige gewährten mir Obdach, nur um mich am nächsten Tag zu verraten, doch wo immer ich einen Verwundeten sah, eilte ich zur Hilfe.
Dann geschah es, dass ich ungewollt in einen Kampf verwickelt wurde, ein Ritter, der sich auf mich stürzte, als er mich erblickte. Ich weiß nicht ob es Glück war oder Geschick, dass ich ihm standhielt, aber ich tat es. Als er blutend vor mir in die Knie ging, sah er mich hasserfüllt an. „Ihr seid hier nicht erwünscht, Heilerin.“ Ich wollte mich noch um seine Wunden bemühen, doch er begann schon fortzukriechen. „Rührt mich nicht an, Miststück!“
Aus dem Unterholz hörte ich Gelächter.
„Eine Heilerin, hmm?“ Ein Mann sprang aus dem Gesträuch. „Gestatten, dass ich mich vorstelle? Talisien, Barde.“ Er trug die Maske eines Vogels und hatte eine Zither in der rechten Hand. Kühn blitzten grüne Augen aus dem Schatten der Maske hervor. „Wahrlich, Dame. Ihr habt Euch einen verdammt schlechten Zeitpunkt gesucht, um als Heilerin durch Iskarain zu wandern. Heiler wurden verbannt.“
„Aber warum?“
„Ach, wer weiß das schon? Und wen interessiert's? Betrachtet Euch als vogelfrei, spannt die Flügel auf und scheißt den Leuten auf den Kopf.“
„Aber...“
„Nicht so viele Abers, Holde. Kommt' mit, Ihr seid nicht die einzige Verbannte in diesen Landen.“ Der Mann führte mich, ein fröhliches Lied auf den Lippen, tief in den Wald. Irgendwann hörte ich Gelächter und roch den Duft von Gebratenem.
Dann standen wir in einem Lager.
„Willkommen.“ Talisien machte eine ausholende Bewegung „Diebe, Gaukler, Barden, Schausteller, Heiler, Hexen – alle frei wie die Vögel! Sucht Euch einen Platz am Feuer und einen Mann der Euch gefällt.“
In den nächsten Tagen lernte ich mit der üblichen Eile der Menschen, viele Gesichter kennen, ich lernte Lieder und Geschichten des Landes und irgendwann drückte mir irgendwer eine Gamba in die Hand, so dass ich auch lernte, dieses seltsame Instrument zu spielen. Die Wochen vergingen mit Gelächter und Musik, doch auf einmal hörte ich Hufgetrappel.
Auf einmal brach das ganze Lager in Panik aus. Doch die Häscher, die da kamen waren uns an Zahl und Kampfkraft überlegen. Die Männer töteten sie, den Frauen banden sie die Hände. Man nahm mir Waffe und Rüstung. So wurden wir in die Hauptstadt verschleppt. 'Friedtal' – ein bitteres Lachen entstieg meinem geschundenen Mund, als ich das Ortsschild sah.
Von den Männern hatten sie doch Talisien am Leben gelassen, den sie als Anführer identifiziert hatten. Zwei Tage waren wir alle im Kerker eingepfercht, dann führte man uns zum Richtplatz.
Stolz reckte Talisien den Kopf empor, als er zum Hackblock geführt wurde. Der Henker gewährte ihm eine letzte Bitte an die Götter. Doch Talisien sang nur:

„Es graut der Tag, der Jäger kommt,
um ihm den Tod zu geben.
Es stirbt der Vogel, stirbt der Mensch -
mein Lied wird ewig leben.“*

Als Talisiens Kopf auf den Boden niederging, begannen wir sein Lied fortzuführen.

„Auch nach hundert Todesgängen
schrei'n wir's Euch ins Gesicht:
es ist unnütz uns zu hängen
sterben, sterben könn' wir nicht!“**

Und dann begannen wir zu toben. Die Häscher und Henker, die Richter und Ratsmänner - wir traten und kratzen und bissen um uns. Einige entkamen, denn die Macht der Verzweiflung ist eine große. Ich war eine von Ihnen. Eilends verließ ich die Stadt über deren Toren golden die Banner wehten.

Einmal noch geschah es, dass ich auf einen Verletzten traf und mich zu ihm kniete, ihn zu versorgen. Ein Edelmann war's wohl, denn ein Wappen zierte seinen Rock.
„Rührt mich nicht an, böses Weib!“ brachte er hervor.
„Nun gut, wenn Ihr hier verbluten wollt, dann werde ich Euch nicht versorgen.“
„Dreckiges Heilerpack! Von wegen versorgen, vergiften wollt Ihr mich, der ich ein Ritter des Lichtes bin!“
Und da, denn zu oft hatte ich solcherlei Geschwätz inzwischen gehört, wurde mir etwas klar. Ich nahm beruhigende Kräuter aus meiner Tasche und braute ihm einen Tee. Ich braute ihn zu stark, als das er überleben könnte und zu schwach, als das er gleich sterben würde und zwang ihm das Gebräu in den Mund. „Hier. Sterbt mit der Ehre, die Ihr im Leben auch hattet.“ Sein Todeskampf dauerte vier Stunden an, er wandt sich und winselte wie ein kleines Kind. Irgendwann flehte er um Erbarmen. „Betet zum Tod. Vielleicht erhört er Euch.“
Als er endlich gestorben war, legte ich seine Überreste an den Waldrand und machte mich zu der Hütte auf, in welcher ich mich einst so freudlos wiedergefunden hatte.

„Ah. Du hast verstanden.“ Noch immer konnte ich das Gesicht der Frau nicht ausmachen. Sie bat mich an den Tisch und holte eine Flasche dunkelroten Weines. Zäh floss er in die Kelche. Ich griff nach dem, den sie mir hinschob. „Wenn Du diesen Wein trinkst, gibt es kein Zurück mehr, das weißt Du?“ Ich nickte. Blutwein. Die Geschichten kannte ich inzwischen zur Genüge. „Diesen Wein zu trinken ist eine böse Tat. Ich weiß, dass Du das weißt, aber ich bin verpflichtet es Dir zu sagen.“ „Selbstverständlich, Herrin.“ „Wenn Du einmal aus diesem Kelch getrunken hast, gibt es kein Zurück mehr. Deine Seele wird auf ewig der Dunkelheit angehören.“ „Ich bin mir dessen bewusst, Herrin.“
„Dann trink.“

Was hier weiter geschah werde ich nicht berichten, denn es ist ein Weg, für den sich jeder aus freien Stücken entscheiden muss. Und sich gegen das Licht zu entscheiden ist keine leichte Entscheidung. Die Wahrheit war noch nie der einfache Weg.

Den Rest meiner Geschichte kennen viele: Ich streifte durch Iskarain, tötete, wenn ich es wollte, verschonte, wenn ich Lust dazu hatte und traf eines Tages auf Siniath, einen Edelmann, dennoch, sein elfischer Name machte mich neugierig. Schnell zogen wir zusammen. Und ein Jahr nachdem wir uns kennengelernt hatten, in der bleichen Nacht, wenn die Geister umgehen um sich an den Lebenden zu rächen, wurde unsere Tochter geboren. Gwathraiel. Doch ihre Geschichte soll an anderer Stelle erzählt werden.

*aus Ken Follett: Die Säulen der Erde
**in leichter Abwandlung, letzte Strophe des Liedes 'Unterm Galgen' von Subway to Sally

So stehe ich nun also an den Toren dieser Stadt, ein erstaunlich lebhaftes Bild im Vergleich zu dem, was in den letzten Monaten in meiner Heimat geschah...
Eine schreckliche, lähmende Krankheit überfiel dort die Götter. Die Einwohner kämpften gegeneinander in Kriegen, miteinander für einen Erhalt ihres Landes, doch wie es scheint können wir dort dem Verfall keinen Einhalt gebieten. Über einhunderttausend Tote wurden dort gezählt und derzeit sind kaum noch zweitausend Bewohner des Landes am Leben.
Ich werde dort wohnen bleiben, bis das Land endgültig ausgelöscht ist, weil es keine Energie mehr erhält. Doch das soll mich nicht daran hindern hierher zu reisen, so oft ich kann, denn ich möchte erkunden ob dieses Land mir und meinen Gefährten, welche überlebt haben eine neue Heimat bieten kann, wenn wir sonst nichts mehr haben. Einer dieser Überlebenden war es auch, welcher mir den Weg in Eure Stadt wies.
So würde ich mich also über einen Passierschein freuen um mich hier umzusehen und vielleicht einzuleben.

[ooc:
Pathea ist:
- eine rachsüchtige, häufig grausame Person - nehmt verbale Anfeindungen von ihr also nicht krumm, einfach zurüsckschießen ;)
- freundlich zu denen, die ihr Vertrauen errungen haben
- eine erfahrene Heilerin, doch sie setzt ihre Heilfähigkeiten selten ein, öfter nutzt sie ihre Kenntnisse um Feinde mit Gift auszuschalten
- mit Leib und Seele eine wandernde Bardin
- in einem anderen Spiel die Anführerin einer der besten Gilden dort - und darauf auch sehr stolz ;)

Pathea kann:
- Gifte mischen und einsetzen
- leichte Verwundungen und kampfübliche Verletzungen sowie gewöhnliche Krankheiten kurieren
- singen, Harfe und Gamba spielen
- einfache Kampf&Unterstützungszauber wirken

Pathea kämpft (im RP, nicht im Spiel ;) ):
- in leichter Rüstung
- mit zwei Waffen, bevorzugt Rapier und Kukri
- bevorzugt in andauernder Bewegung

Oder für die anwesenden P&Pler / D&Dler:
Pathea ist 'ne elfische neutral (mit Tendenz zur Rechtschaffenheit) böse Bardin/Schattentänzerin, die irgendwo Heilkunde gelernt hat, mit den 'Kampf mit zwei Waffen'-Talenten und 'Anführen', Turnen und Auftreten sind gemaxt ;) /ooc]