Autor Thema: [Geschichte] Ein Leben  (Gelesen 2393 mal)

Offline Al Fifino

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[Geschichte] Ein Leben
« am: 03. Februar 2009, 21:13:10 »
Guten Abend, liebe Lesegemeinschaft und alle, die gerne dazu stoßen möchten,

Dies ist ein etwas älteres und angestaubtes Werk meinerseits. Ich nenne es "Kurzgeschichtensammlung" - es handelt sich um mehrere Kurzgeschichten, die zum größten Teil alleine stehen könnten, zusammen jedoch einen tieferen / größeren Sinn ergeben. Man könnte die Kurzgeschichten selbst auch als Kapitel übersetzen, wenn man wollte.

Diese Geschichten haben nichts mit dem Spiel Arthoria selbst zu tun und entsprangen lediglich meinem Hirn - sie sind reine Fiktion, und Ähnlichkeiten zwischen hier erwähnten Charakteren und Personen der realen Welt waren sicherlich nicht beabsichtigt. (Bis auf ein paar wenige Ausnahmen.)

Für alle, die gerne erst wissen, was sie da lesen, hier eine kurze Zusammenfassung:

Die Geschichten handeln von einem Jugendlichen, der in seinem Leben eigentlich nichts Blödes angestellt hat - und dennoch plötzlich dem Sensemann gegenüber steht. Mit viel Glück und ein wenig göttlichem Beistand gelingt es ihm sogar, sich aus dessen kalten Klauen zu befreien, doch bald schon kommt ihm der eine oder andere Gedanke, dass er vielleicht besser hätte sterben sollen. Denn so viel steht fest: das Leben kann manchmal sehr komische Wege gehen, und es ist oftmals von Wendungen gespickt, die sich nicht einmal Gott höchstpersönlich hätte ausdenken können...

Die Stories sind im Stil eines Dramas geschrieben - das heißt, es dominiert vorerst eindeutig das Gespräch. Sie verändern sich jedoch im Laufe der Zeit zu einem Prosa-Werk (was dem heutigen Roman-Stil entspricht), in dem das Gespräch zwar nach wie vor wichtig, die Handlung jedoch mehr in den Vordergrund treten wird.
Kritik, Anregungen und Lob sind gerne gesehen. Es wäre schön, wenn sich auch jemand hier rein verirrt und sich die Geschichte wenigstens mal anguckt. ;)

Nun bleibt mir nur noch, viel Spaß beim Lesen zu wünschen.

Viel Spaß beim Lesen.

_____


Tod

Ein Junge geht einer dunklen Straße entlang. Einzelne Lichter brennen noch in den Straßenlampen und werfen ein trübes Licht auf die Pflastersteine.
Der Teenager geht langsam, er hat es nicht eilig. Warum sollte er auch?
Schritte.
Er bleibt kurz stehen, dreht sich um. Niemand ist hinter ihm. Der Junge zuckt mit den Schultern und geht weiter.
Schritte.
Er bleibt erneut stehen, lächelt. "Komm raus. Wer immer du auch bist."
Ein schwarzer Schatten huscht aus der Dunkelheit hervor. Langer, wehender Umhang, eine Kapuze, welche das Gesicht bedeckt. Die Gestalt stellt sich direkt vor den Jungen.
Dieser lächelt müde. "Wer bist du?"
Die Stimme des Fremden ist hoch und tief, freundlich und bedrohlich zugleich. "Ich wurde gesandt, um dich zu holen."
"Mich zu holen? Wofür?"
"Deine Lebensspanne ist abgelaufen, mein Sohn."
"Meine Lebensspanne ist abgelaufen? Aha..." Der Junge kratzt sich kurz am Kopf, dann grinst er breit. "Das verstehe ich nicht."
Die Gestalt seufzt leise. "Gott ruft dich zu sich nach Hause in den Himmel."
"Ähm... ja... warum?"
"Er tut es."
"Warum?"
"Da es seine Pflicht ist."
"Warum?"
"Sag mal, kannst du dein Schicksal nicht einfach akzeptieren?" Die Stimme klingt leicht verärgert.
Der Junge grinst weiterhin. "Nö. Warum sollte ich?"
"Weil es Gott so beschlossen hat!"
"Och, Gott. Wenn der was beschließt, muss ich nach seiner Pfeife tanzen?"
Die Knochenhände der Gestalt fahren zum Kopf und über die Augen, dann wird die Kapuze zurückgeworfen. Ein Totenschädel, bleich und weiß, schaut den Jungen an. "Sieht so aus."
"Wirklich? Hm." Der Junge überlegt. "Aber noch lebe ich. Wie werde ich also sterben?"
"Wenn ich es dir sage, wirst du versuchen, es zu verhindern!"
"Warum sollte ich? Wenn es Gottes Willen ist..."
Der Totenkopf legt sich schräg. "Du würdest in deinen Tod gehen?"
"Gibt´s dich denn jetzt schon mehrfach? Und man kann in euch reingehen?"
Die Gestalt kratzt sich am blanken Knochen. "Sag mal, bist du so dumm oder tust du nur so?"
"Zweiteres. Also, wie werde ich sterben?"
"Und du wirst auch nicht versuchen, deinem Tod zu entrinnen?"
"Es gibt euch also tatsächlich mehrfach! Für jeden Menschen einen?"
"Sei ruhig!" Der Totenkopf schaut verärgert in die Augen des Jungen, während er ein kleines Büchlein aus dem Umhang hervorzog. Eine Nickelbrille erscheint mit einem leisen Knall auf seiner plötzlich gewachsenen, langen Hakennase. "Also, pass auf, das sieht folgendermaßen aus: dein Tod soll laut Gott besonders schmerzvoll sein. Du machst dir gerade etwas zu essen, dann wirst du dir erst die Finger verbrennen und versuchen, das entflammte Fett mit Wasser zu löschen. Die gesamte -"
"Hey, Moment mal! Ich würde niemals versuchen, Fett mit Wasser zu löschen, man lernt ja schon in der 7. Klasse in der ersten Chemie-Stunde, dass brennendes Fett und Wasser eine kleine Explosion ergeben."
"Das lernt ihr?"
"Sieht so aus. Anscheinend hat es sich sogar gelohnt."
"Ähm... gut." Ein Stift erscheint in der anderen, knöchernen Hand, dann streicht die Gestalt einen Satz durch und kritzelt etwas darüber. "Unter diesen Umständen versuchst du eben, das Zeugs irgendwie zu löschen, aber es gelingt dir nicht. Alle Türen sind wie magisch versperrt, und du wirst elendig im Haus verbrennen."
"Geht mein PC auch drauf?"
Verwundert blickt der Tod von seinem Notizbüchlein auf. "Dein Computer? Nun, ich denke, ja. Wieso?"
"Och, dann rette ich heute noch meine Bilder auf meinen MP3-Player und gebe sie meinem Freund, die machen sich bestimmt schön auf dem Grab."
"Wie du meinst..."
"Darf ich mir ein Wetter für meine Beerdigung bestellen?"
"Sag mal, dir geht´s schon noch ganz gut, ja?" Verärgert klackert der Tod mit den Zähnen. "Ich bin zwar für das Sterben verantwortlich und versuche, dass der gesamte Prozess möglichst gut und rasch über die Bühne läuft, aber ich erfülle doch keine Sonderwünsche! Außerdem könnte jeden Moment der nächste Kunde kommen, ich habe keine Zeit, lange mit dir zu reden!"
"Och komm schon! Ich sterbe immerhin nur einmal."
"Na gut." Das Büchlein geht wieder auf. "Was soll´s denn sein?"
"Weiß nicht so recht... am besten irgendein Schweinewetter."
"Das ist schlecht. Deine Beerdigung wird Anfang nächste Woche stattfinden, und da soll die Sonne scheinen. Laut Meteorologen."
"Mein Gott, die liegen doch sowieso dauernd falsch."
"Da hast du natürlich Recht... ich werde sehen, was sich machen lässt."
"Danke. War´s das dann?"
"Ja, wir sind..." Ein Düdeln unterbricht das Gespräch. Die Gestalt flucht leise. "Wer ruft mich denn mitten in der Arbeit an?!"
"Vielleicht deine Frau?"
"Scherzbold..."
"Sag mal, in der Hölle gibt´s doch sicherlich ein paar nette Girls, oder?"
"Natürlich, da landen die ganzen ungezogenen Mädchen aus den Erotikfilmen... Gott meint immer, die haben im Himmel nichts zu suchen. Der Teufel freut sich dementsprechend. Du entschuldigst mich einen Moment?" Der Tod entfernt sich ein paar Schritte und unterhält sich leise mit Demjenigen, der an der anderen Seite der Leitung sitzt. Währenddessen schaut sich der Junge gelangweilt in der Gegend um, bis die Gestalt wieder kommt.
"Und, war´s was Wichtiges?"
"Kann man wohl sagen. Gott hat angerufen."
"Cool! Kann ich mal mit ihm sprechen? Wobei, ich komme ja in den Himmel, oder? Dann habe ich ja ab morgen mehr als genug Zeit..."
"Genau darum geht es. Du wurdest begnadigt."
"Begnadigt?" Der Junge zieht eine seiner Augenbrauen hoch. "So was gibt´s?"
"Ja. Gott meinte, du hättest alles so gemacht, wie er es dir gesagt hätte, also kannst du noch ein Weilchen leben. Von wegen 'großartiger Glauben' und so was..."
"Hm. Und wie sieht´s mit dir aus?"
"Nichts Großartiges, heute Nacht wird´s wohl ruhig bleiben..."
"Lust auf ´nen Drink? Ich kenn ´ne gute Bar gleich hier in der Nähe..."
"Wie alt bist du überhaupt?"
"Das weißt du nicht?!"
"Bin mir nicht mehr sicher... merk du dir halt mal das Alter aller Menschen, wenn du jeden Tag an die 500 besuchen musst..."
"Bin 16."
"Ah, gut. Dann darfst du ja bis zwölf Uhr draußen bleiben."
"Wie alt bist denn du?"
"Weiß ich nicht mehr. Ein paar Jahrtausende werden´s schon sein."
"Klar. Also, wie sieht´s aus? Lust auf ein Bier?"
"Nun, Gott wird schon nichts dagegen haben."

*

Der Junge setzt sich noch halb schlafend auf seinen Stuhl. Seine Mutter schaut ihn missbilligend an. "Sag mal, wo warst du denn wieder die ganze Nacht? Du weißt doch, dass heute Schule ist!"
"Hm?" Der Junge schaut kurz auf, dann lächelt er. "Ich habe dem Tod ins Angesicht geschaut."
"Oh, na klar. Und was hat er gesagt?"
"Na ja, ich sollte eigentlich heute sterben, aber ich wurde begnadigt."
"Ich habe dir schon tausendmal gesagt, du sollst nicht lügen!"
"Ja, ja, schon gut..." Der Junge erhebt sich langsam. "Ich komme heute Nachmittag wieder nicht heim."
"Wieso?!"
"Ein... Freund will mir ein gutes Sushi-Restaurant zeigen, in dem er letztens Kunde war."
Der Junge verlässt die Küche.

Offline Al Fifino

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #1 am: 16. Februar 2009, 19:32:23 »
Ein Gespräch

Der Junge geht der Einkaufsstraße entlang. In der einen Hand hat er eine Einkaufstasche, in der anderen ein Handy, welches er sich an das Ohr drückt. Jemand hebt ab.
»Ja?«
»Hi, Schatz. Ich bin´s.«
»Oh, hallo... du kommst gerade ein wenig, na ja, wie soll ich sagen...«
»Ungelegen?«
»Ja, so ähnlich...«
»Freust du dich denn gar nicht, was von mir zu hören?«
»Doch, natürlich! Es ist nur so...«
»Wenn du wüsstest...«

Der Junge bleibt erschrocken stehen. Vor ihm steht ein alter Bekannter. Der Junge grinst breit, bedeutet der schwarzen Gestalt, kurz still zu sein.

»Hey, Schatz, hier ist gerade ein Freund. Und wenn ich dich gerade störe, dann leg ich auf, gut?«
»Ja... ja. Bis später.«
»Hab dich lieb.«
»Ich dich auch.«

Ein Tuten signalisiert, dass die Person am anderen Ende der Leitung aufgelegt hat. Der Junge steckt hastig das Handy ein und reicht seinem Gegenüber die Hand. Bleiche Knochen packen sie.

»Hallo, Tod. Wie geht´s?«
»Kann nicht klagen.«
»Gerade wieder etwas ruhig?«
»Kann man so sagen.« Der Tod geht neben dem Jungen her.
»Sag mal, wo hast du denn deine Sense gelassen?«
»Ach, hör mir doch auf...«
»Was denn?«
»Na, dieses dumme Sensengerücht! Ich hatte in den Tausenden von Jahren, die ich inzwischen existiere, noch nie eine Sense in der Hand!«
»Hm. Dann hat sich wohl Hollywood ein wenig getäuscht.«
»Oh ja, das haben sie...«
»Also, was machst du hier?«
»Gott hat meinen Vorschlag, eine Aushilfe einzustellen, akzeptiert. Das bedeutet, ich habe jetzt etwas mehr Zeit für mich und meine Freunde.«
Der Junge lächelt. »Deine Freunde? Wie viele gibt es denn?«
»Nur dich.« Der knöcherne Schädel grinst breit. »Aber das reicht voll aus, immerhin habe ich mal jemanden, mit dem ich mich austauschen kann.«
»Geht mir genauso. Wenigstens weiß ich meine Geheimnisse bei dir in Sicherheit.«
»Tja, ich habe ja nicht oft lange genug Kontakt mit den Leuten.«
»Hey, wann ist denn mein neues Todesdatum?«
»Ach, Gott hat mich das auch gefragt. Ich habe mich ein wenig für dich eingesetzt. So, wie es aussieht, wirst du noch recht lange Freude an deinen Enkelkindern haben und von Krankheiten bis ins hohe Alter verschont bleiben.«
»Schöne Aussichten. Danke.«
»Nichts zu danken, unsere Gespräche sind immer schön zum Entspannen.«
»Sag mal, was sollte das eigentlich letztes Mal, warum hast du auf unserem Telefon angerufen? Meine Mutter hat ´ne ganz schön lange Zeit nachgebohrt, bis ich sie endlich davon überzeugen konnte, dass du nur erkältet warst und nicht gekifft hattest...«
»Klingt meine Stimme denn wirklich so schlimm?«
»Nein, eigentlich nicht, aber du kennst ja Mütter.«
»Nein, kenne ich nicht. Aber ich glaube, ich kann dich in irgendeiner Weise verstehen.«
»Schön, schön. Aber«, der Junge kratzt sich am Kopf, »was hast du vorhin gemeint, von wegen, 'wenn du wüsstest'?«
»Nun... ich weiß eben Dinge, von denen du noch keine Ahnung hast.«
»Und die wären?«
»Ach nichts, vergiss es.«
»Wenn es mich etwas angeht, dann sag es mir gefälligst!«
»Na ja...« Der Tod legt ein wenig beschämt seine Hände ineinander. »Ich glaube nicht, dass du das so gut aufnehmen würdest...«
»Solange du mir nicht erzählst, dass mein Opa demnächst sterben wird, kannst du es ruhig erzählen.«
»Nein, dein Opa wird noch ein wenig länger leben. Ein lustiger Kerl, übrigens. War vor kurzem bei ihm, sozusagen ein Antrittsbesuch. Wir haben zusammen Karten gespielt und Schnaps getrunken.«
»Also hat er letztens die Wahrheit gesagt. Aber was ist jetzt los?«
»Warum, glaubst du, hatte deine Freundin gerade keine Zeit?«
»Warum?« Der Junge runzelt die Stirn. »Na ja, sie hat halt irgendwas vor...«
»Sie hat tatsächlich etwas vor, aber etwas, was dir eigentlich verborgen bleiben sollte...«
»Mir verborgen bleiben?« Der Junge bleibt abrupt stehen, schaut den Tod lange an. »Was soll das heißen?«
»Kannst du dir das nicht selbst denken?«
»Kannst du es mir nicht einfach sagen?«
»Sie ist so wunderschön, da bist du nicht der einzige Verehrer. Kapiert?«
»Moment.« Eine Hand des Jungen fährt über seine Augen. »Du willst jetzt nicht sagen, dass sie... gerade... in diesem Augenblick...«
»Nein, das nicht. Sie knutscht nur.«
»So ein Miststück...«
»Oh ja, das ist sie. Sagt sogar Gott. Der mag dich sowieso ziemlich. Bist sein Liebling.«
»Na danke... warum lässt er sie dann nicht bei mir bleiben?« Die Stimme des Jungen klingt ein wenig verzweifelt. »Ich liebe sie doch...«
»Tja, Gott hatte damals, als er Adam und Eva erschuf, die beiden ein wenig unterschätzt. Inzwischen laufen die Dinge nicht mehr so, wie sie eigentlich sollten. Er kann praktisch nicht mehr die Menschen lenken. Wer nicht an ihn glaubt, ist vor seinem Übergriff sozusagen geschützt. Wobei das meistens schlechte Folgen hat. Weißt du noch, das Flugzeug, das letzte Woche abgestürzt ist? Waren alles Atheisten.«
»Sie betrügt mich also schon die ganze Zeit?«
»Die ganze Zeit und ohne Reue.«
»Diese Schlampe...«
»Sie treibt´s wirklich wild.«
»Es reicht!« Der Junge wirkt gereizt. Sein Haar hängt ihm wirr ins Gesicht, er beginnt wieder loszugehen, diesmal deutlich schneller. Der Tod schwebt einfach neben ihm her. »Wo willst du jetzt hin?«
»Wohin wohl? Zu ihr natürlich!«
»Willst du das wirklich sehen? Mach doch lieber mit ihr Schluss...«
»Ich liebe sie. Und ich will ihr eine Chance geben.«
»So gut wie aussichtslos.«
»Ich versuche es trotzdem.«
»Von mir aus. Tu, was du nicht lassen kannst. Soll ich mitkommen?«
»Nein, danke. Ich komme schon klar.«
»Bleib stehen.«
»Wie bitte?«
Der Tod packt den Jungen am Kragen. Ein Backstein kracht auf das Pflaster und zerberstet in kleinste Stückchen. Geschockt blickt der Junge in die Höhe. Ein Bauarbeiter, der auf dem Gerüst steht, schaut nicht minder erschrocken nach unten und schreit wild herum. Der Junge versteht nicht viel.
»Der versucht sich gerade zu entschuldigen.« Der Tod grinst. »Tja, wenn du mich nicht hättest...«
»Ja, wenn ich dich nicht hätte. Dann wäre ich jetzt im Himmel.«
»Ach, was willst du denn da. Da ist es total langweilig. Glaub mir. Bin da ab und an mal zu Besuch, Gott lädt mich manchmal zum Golfen ein. Aber diese elendigen weißen Bälle findet man zwischen den Wolken immer so schlecht. Und wenn wir mal einen danebenpfeffern, dann landet er auf der Erde und erschlägt zu 50% irgendeinen Menschen. Dann muss ich immer mein Spiel unterbrechen. Arbeit geht eben vor.«
»So was passiert?«
»Ja, aber Gott achtet immer schön darauf, dass der Ball nicht als solcher zu erkennen ist. Die Leute brechen einfach wie von einem unsichtbaren Schlag getroffen zusammen, aber es erwischt komischerweise immer die Richtigen. Man könnte sagen, wir verbinden Spiel und Arbeit miteinander.«
»Höchstinteressant.«
»Nicht wahr? Aber ansonsten gibt es da oben nichts zu tun, also bleib mal lieber schön auf deiner Erde.«

Ein Piepen. Der Tod seufzt leise. »Das ist mein Zeichen. Werde irgendwo in China gebraucht. Komisch, dafür ist eigentlich eine andere Abteilung zuständig...«
»Sag mal, kann ich irgendwann einfach mal so Gott treffen?«
»Oh... das wird schwer, der Gute ist in letzter Zeit immer ausgebucht. Und die vielen Gebete, die ihm jeden Tag geschickt werden, machen es nicht eben besser. Aber sollte es klappen, besuche ich dich mal in einem deiner Träume.«
»Meine... Träume? Du kannst... meine Träume sehen?«
»Ja, ab und zu.«
»Ab und zu?«
»Immer.«
»Ähm... dann hast du also auch...«
»Ich sagte ja, sie treibt es wild.«
Der Junge wird purpurrot. Sein Gegenüber hingegen lacht laut auf. »Hey, ich verschwinde jetzt lieber mal.«
»Warum das denn jetzt so plötzlich?«
»Schau dich doch mal um.«
Der Junge blickt um sich. Überall stehen Leute und starren ihn an. Unter ihren Blicken wird ihm etwas mulmig. »Was glotzen die denn alle so?«
»Na ja, was würdest du denn von jemanden halten, der dauernd mit sich selbst spricht?«
»Stimmt ja, die sehen dich ja nicht...«
»Na ja, ich bin mal weg.«
»Auf bald.«
»Worauf du einen lassen kannst.« Der Tod schüttelt dem Jungen noch ein letztes Mal die Hand, dann verschwindet er, so schnell und unscheinbar, wie er erschienen ist.

Marcipan

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #2 am: 25. Februar 2009, 09:03:54 »
ist ne interessante geschichte! fand ich ziemlich gut!
das einzige was mir nciht gefällt ist der schluss...so plötzlich und sinnlos...hätte ruhig noch was passieren können *grins*
aber sonst echt lesenswert.
lg

Offline Ileana

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #3 am: 25. Februar 2009, 16:26:33 »
passiert noch was..jedenfalls da wo die geschichte in voller länge steht..aber da steig ich erst recht nicht durch xD
"Nieemals werde ich..."
"Keks?"
"Ich machs!"

Offline thechinese

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #4 am: 27. Februar 2009, 20:48:11 »
die Geschichte ist noch lang ;)
ich hab den link zur gesamtgeschichte gelöscht ;) Spannung muss sein
Lob an den Autor^^
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http://thechinese.mybrute.com

Offline Al Fifino

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #5 am: 01. März 2009, 12:30:06 »
Einige Worte an die eifrigen Leser:
Tja, thechinese, hätte ich das ein Stück früher bemerkt, dann wären auch schon weit früher Posts hinterher gekommen... jetzt muss ich erst mal wieder die Stellen heraussuchen, die ich hier jetzt einfügen muss.

Und wie unser Foren-Chinese schon gesagt hat, lieber Alatriste, geht die Geschichte noch ein ganzes Stück lang weiter, wird noch bei weitem verrückter, als sie ohnehin schon ist, und enthält zum Schluss noch einige schöne Stellen an Gotteslästerung, bei denen mich der Vatikan wahrscheinlich exkommunizieren würde. Nicht, dass ich noch großartig an Gott oder dem christlichen Glauben festhalte, aber Du verstehst schon, was ich sagen will.

Und was, liebe(r) Pantha, verstehst Du denn bei der Story nicht? Ich gebe gerne Auskunft über etwaige schwierige Stellen. ;-)

Und nun geht's weiter.  *grins*
_____

Himmel

»Na, wie geht´s denn so?«
Der Junge wacht auf. Noch völlig übermüdet blinzelt er den bleichen Schädel an, der ein wenig über seinem Gesicht schwebt. »Ich habe geschlafen...«
»Das stört mich doch nicht.« Der Totenkopf verzieht sich zu einem breiten, schelmischen Grinsen. Dem Jungen hingegen ist gar nicht nach Lachen zumute. Er blickt kurz auf seinen Wecker. »Es ist zwei Uhr früh. Was soll der Mist? Hast du nichts besseres zu tun?«
»Nö. Meine Aushilfe ist wieder dran.«
»Wie schön für dich.« Der Angesprochene gähnt ausgiebig, dann steigt er nur in einer kurzen Hose begleitet aus dem Bett. »Und wieso kommst du dann ausgerechnet zu mir?«
»Wolltest du nicht mal Gott sehen?«
Der Junge bleibt abrupt stehen, wendet sich jedoch nicht der schwarzen Gestalt zu. »Schon möglich.«
»Nun, er wäre bereit, dich zu empfangen.«
Der Junge wirbelt herum. »Echt jetzt?«
»Na, glaubst du, ich lüge?«
»Woher soll ich das denn wissen? Wer kennt den Tod schon persönlich?«
»Du.«
»Aber nicht gerade lange.«
»Zwei Monate sind lange genug, findest du nicht?«
»Ja, schon gut... also, ich kann jetzt mit Gott reden? Und wie komme ich zu ihm?«
»Och, das geht schnell...« Die knöcherne Hand schnippt einmal mit den Fingern, dann verschwimmt alles um den Jungen herum in einem gewaltigen Strudel von Farben. Im nächsten Moment steht er plötzlich vor einem riesigen, goldenen Tor. Als er nach unten schaut, stellt er mit Erschrecken fest, dass er die Welt erblickt, die grüne und blaue Kugel, die sich langsam dreht. Mit einem leisen Knall erscheint der Tod neben ihm. »Na, ist das nicht mal ein Ausblick?«
»Ja, toll... ich hätte fast einen Herzschlag bekommen.«
»Sorry, vielleicht hätte ich dich warnen sollen, aber dann hätte ich mir selbst den Spaß genommen.«
»Na, vielen Dank.« Der Junge blickt säuerlich auf. Vor dem Tor steht eine weiße Gestalt. »Wer ist das?«
»Petrus. Säuft sich wahrscheinlich wieder zu.«
»Petrus säuft?!«
»Wie ein Fass. Der Gute hat mit Alkoholproblemen zu kämpfen. Ich kann es ihm nicht verübeln, er muss ja die ganzen Jahrtausende nur hier herumstehen und darf sich nicht mal einen Fernseher anschaffen...«
»PC?«
»Nope.«
»MP3-Player?«
»Ich habe doch gesagt, dass er nix haben darf! Deswegen lässt er sich immer ´nen Krug Wein runterschicken, sobald der letzte leer ist. Und immer so weiter.«
»Bemerkt Gott das denn nicht?«
»Komm einfach mit, dann wirst du schon sehen, warum er nichts unternimmt...«
Die Beiden gehen auf das Tor zu, es öffnet sich quietschend und Petrus winkt ihnen überschwänglich zu. »Ssssssssssalute! N... n... nnnna, wie jeht´s´n soooo?«
»Hallo, Petrus. Hast du mal ´nen Schluck für mich übrig?«
»Aaaaber imme´ doch!« Das schwankende, dicke Kerlchen mit winzig kleinen Flügeln am Rücken reicht dem Tod den Krug. Die schwarze Gestalt nimmt einige Schlücke, dann gibt sie das tönerne Gefäß wieder zurück. »Danke, wir gehen dann mal zu Gott.«
»Jawollja! Ein... n... n Hoooch auf´n Gott!« Petrus fängt an zu Kichern und hört nicht mehr auf. Der Junge hört das Gelächter auch dann noch, als sie schon ein ganzes Stückchen gegangen sind.
»Meine Fresse, den hat es aber ganz schön erwischt...«
»Er lebt ja schon seit fast 3000 Jahren mit dem Alk-Problem...«
»Habt ihr denn noch gar nicht versucht, ihm das Saufen auszutreiben?«
»Das ist nicht mein Bier. Dafür ist Gott zuständig. Ich passe auf, dass in der Hölle nichts los ist.«
»Was soll da denn schon Großartiges los sein?«
»Hähä... du kennst die Hölle schlecht.« Ein breites Grinsen ziert den Schädel, dann wendet er sich wieder nach vorne. »Bald sind wir da.«
Die beiden stapfen über die Wolken hinweg. Der Junge erblickt hier und dort einige Gebäude, die nur aus Watte zu bestehen scheinen. Dann zupft ihn sein Kumpane am Ärmel.
»Schau mal da drüben.«
Der Junge folgt dem Arm, der sich nach rechts ausstreckt. Ein riesiges Golfgebiet erstreckt sich dort.
»Da ist ja keiner...«
»Liegt nur daran, dass das halbe Himmelreich ein Golfplatz ist. Die ganzen wohltätigen Millionäre haben hier mehr als genug zu tun...«
»Schon klar. Was ist denn jetzt mit Gott? Kann ich ihn endlich mal sehen oder was?«
»Ja, ja, nur keine Hektik.«
Mit einem Mal steht ein imposanter Palast vor dem Jungen. Staunend blickt er zur Spitze, die er jedoch nicht einmal sehen kann.
»Meine Fresse...«
Mit einem leisen Knall erscheint ein winzig kleiner Engel neben dem Jungen.
»Keine Ausdrücke! Erste Verwarnung!«
So schnell, wie das kleine Ding erschienen war, ist es wieder verschwunden. Der Junge schaut noch einen Moment verdutzt, dann lacht er lauthals.
»LOL, das ist ja wie auf meiner Gildenhomepage!«
»Auf bitte was?«
»Ach, nichts. Wie viele Verwarnungen darf ich kassieren?«
Der Tod grinst. »Da du ja Gottes Liebling bist, bezweifle ich, dass man dich überhaupt raus schmeißen wird.«
»Ach so... na gut. Können wir jetzt eintreten?«
»Bist du blind? Das Tor ist doch zu!«
Der Junge schaut noch einmal zu dem Gebäude. Tatsächlich ist das riesige Tor geschlossen.
»Hm...«
»Was 'hm'?«
»Das Zeugs ist doch nur Wolke, oder?«
»Ja, schon!«
Der Junge grinst breit, dann geht er einfach los und rennt durch das Tor hindurch. Zuerst sieht er nichts als weiß um sich herum, dann tritt er in eine gewaltige Halle. Überall lagern Engel, die sich angeregt unterhalten. Doch all die Gespräche verstummen abrupt, als sie ihn sehen.
Der Tod folgt dem Jungen und klopft ihm anerkennend auf die Schulter. »Wirklich schlau. Wäre selbst wohl nicht so schnell darauf gekommen.«
»Sag mal, sind das alles Frauen?« Ein wenig zweifelnd blickt der Junge herum. Die ersten der Engel fangen bereits an, leise zu kichern und ihm zuzuwinken. Der Junge lächelt unsicher.
»Ja. Ja, ich denke schon. Warum?«
»Gegenfrage: warum starren die mich alle so an???«
Der Tod schaut sich ebenfalls um, dann verschwindet das Grinsen langsam von seinem Gesicht. »Oh scheisse...«
Plopp. »Erste Verwarnung!«
»Schnauze da!«
»Verdammt, wieso schauen die mich alle so an???«
»Zweite Verwarnung!«
»Schnauze!
»Red nicht, lauf!!!« Der Tod packt den Jungen am Kragen und rennt auf das Tor zu. Mit schreckgeweiteten Augen beobachtet der Junge, wie alle Engel auf einmal aufspringen und auf ihn zugeflogen kommen. Ein entsetzter Schrei entringt sich seiner Kehle. Die ersten Hände strecken sich nach ihm aus...
Eine weiße Schicht umgibt den Jungen, dann fällt er auf die Wolke und bleibt starr darauf liegen. Der Tod liegt gleich neben ihm und atmet schwer.
Schließlich findet der Junge seine Stimme wieder. »Verdammte Kacke, was war das denn??«
Plopp. »Dritte -«
Ein Schlag auf den Schädel des kleinen Engels hindert ihn daran, den Satz zu beenden, sondern lässt ihn bewusstlos auf die Wolkendecke klatschen. Der Tod grinst wieder breit, so wie er es praktisch immer tut.
»Du willst wissen, was da drin los war?«
»Was hast du erwartet?? Ich würde schon gerne den Grund wissen, warum mich ein Haufen weiblicher Engel umbringen will!«
»1.: Es gibt nur weibliche Engel. Mit einiger weniger Ausnahmen, wie zum Beispiel Petrus und die engsten Vertrauten von Gott. Er verlässt sich nicht so gerne auf Frauen, die reden ihm zu viel.«
»Kenn ich...«
»2.: Gott hat ein Flirt-Verbot verabschiedet.«
»Was??« Der Junge lacht noch lauter als vorher. »Flirt-Verbot? Meine Güte, die armen...« Das Lachen bleibt ihm im Halse stecken. »Moment mal... Flirt-Verbot? Für die Frauen, die hier leben?«
»Exakt.«
»Du meinst...«
»Na, arbeitet es in deinem Oberstübchen?«
»Du meinst nicht wirklich...«
»Doch, genau das meine ich.«
»Die wollen allesamt was von mir?!«
»Sieht ganz danach aus.«
»Ähm...« Der Junge kratzt sich ein wenig verlegen am Kopf. »Frage: wie soll ich an denen alle vorbeikommen?«
»Och, das ist nicht mein Problem.« Der Tod lacht finster und dunkel, aber eindeutig schadenfroh auf.
»Vielen Dank.« Beleidigt schaut der Junge um sich. »Gott ist da drinnen?«
»Ja.«
»Die Treppe rauf, die natürlich genau hinter diesen ganzen Engeln war?«
»Ja.«
»Scheisse...«
Ein leises Röcheln ertönt. »Dritte Verwarnung...«
»Schnauze.«
»Willst du denn gar nicht?«
»Was will ich nicht?«
»Na, du weißt schon.«
»NEIN!«
»Ja, ja, schon gut!« Der Tod grinst so breit, wie es der Junge noch nie gesehen hat. »Jedenfalls wird es jetzt ganz schön schwer für dich, zu Gott zu kommen.«
»Hätte ich nicht gedacht...« Der Junge lächelt leicht. »Aber ein paar von denen waren echt süß.«
»Und deine Freundin hat dich verlassen! Einen geeigneteren Zeitpunkt gibt es doch gar nicht!«
»Ich will Liebe, keinen One-Night-Stand oder so ´nen Mist.«
»Wirklich?« Der Tod schaut ihn ein wenig zweifelnd an. »Bist so ziemlich der Erste, den ich das sagen höre...«
»Mir egal. Ich bin nicht auf Sex aus.«
»Vielleicht findest du hier ja deine wahre Liebe.«
»Ja, klar. Soll ich etwa draufgehen, damit ich hier meine 'wahre Liebe' finde?«
»Das ist nicht nötig. Du könntest ja Gott fragen, ob er dir besagten Engel als persönlichen Schutzengel einstellt.«
Der Junge schaut auf. »So was gibt´s auch?«
»Klar. Das interessiert dich, was?«
»Hm...« Die Miene des Jungen hellt sich auf. »Klar, warum nicht?«
»Dann geh rein und hol dir eine.«
Die Freude des Jungen war wie weg geflogen. »Da rein? Zu diesen Verrückten? Wer bin ich denn?!«
»Ein Mensch, und ein verdammt anständiger dazu.«
»Vierte Verwarnung. Beehren Sie uns bald wieder.«
Die linke Augenhöhle des Todes scheint sich zu verkleinern. Hätte er eine Augenbraue gehabt, so wäre diese wohl nun auf den Kopf gewandert. »Hm... wir sehen uns.«
Eine riesige Hand erscheint direkt hinter der Kapuzengestalt und schnipst diese einfach weg. Der Tod heult auf. Zwischen dem Gejaule kann man noch leise einige Wortfetzen verstehen, wie etwa: »Fliegen! Was´n Spaß!« Dann hat er bereits das goldene Tor überwunden und verschwindet in der Wolkendecke.
Der kleine Engel richtet sich ächzend auf. »Mir tut noch alles weh...«
»Sag mal, wieso bist du ein Mann?«
»Verzeihung?«

Offline Al Fifino

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #6 am: 01. März 2009, 12:30:17 »
»Wieso bist du ein Mann? Der Tod hat mir gerade gesagt, fast alle Engel seien Frauen, es existieren nur einige wenige Ausnahmen. Warum also bist du ein Mann?«
Das kleine Kerlchen grinste breit. »Frauen sind nicht für diesen Job geschaffen. Wir hatten hier mal einen, der war ein Bösewicht, wie er im Buche steht. Dummerweise auch noch mit überirdischer Schönheit gesegnet. Der Engel, der ihn eigentlich hätte herauswerfen sollen, unterhielt sich lieber mit ihm und brachte ihn sogar in den Garten von Eden, wo der Kerl sofort einen Apfel vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse mopste und abhaute. Seitdem mache ich den Job. Aber ziemlich aufreibende Arbeit, jedenfalls, wenn man dem Tod begegnet...«
»Glaub ich gerne. Hast du eine Idee, wie ich durch den Raum da kommen soll?« Der Junge deutet auf das Tor. »Da drinnen lagern lauter Engel und stürzen sich auf mich, sobald sie mich nur sehen...«
»Ach?« Das kleine Kerlchen flattert zögerlich mit den Flügeln, dann fasst es Mut und erhebt sich in die Luft, um auf gleicher Höhe mit dem Jungen zu schweben. Misstrauisch schaut es ihn an. »Was machst du eigentlich hier? Ein Mensch! Kein Wunder, dass die ganzen Weiber wieder durchdrehen...«
»Seit wann sind Frauen überhaupt so auf Flirts aus?! Sind doch sonst immer die Männer!«
»Wenn du als Frau den ganzen Tag hier sitzen und irgendeinen Chorus singen musst, wird dir das alles irgendwann auch mal langweilig und du sehnst dich nach einer Abwechslung. Klar soweit?«
»Ähm... okay. Also, kannst du mir sagen, wie ich da durchkommen soll?«
Der Engel grinst breit und streckt dem Jungen sein Händchen entgegen. »Ich heiße Rufus.«
Ein wenig verwirrt packt der Junge die Hand. Kaum dass er sie berührt, verschwimmt die gesamte Welt um ihn herum, ihm wird schwindlig, übel. Der Junge glaubt, sich gleich übergeben zu müssen, versucht, seine Hand auf den Mund zu pressen, doch es geht nicht, der Sog vom Wirbel ist zu stark, er kann sich nicht rühren, keine Sehne bewegen.
Genauso schnell, wie der Spuk kam, war er wieder gegangen. Der Junge liegt auf den Wolken und schaut sich nun komplett verwirrt um. Das kleine Engelchen flattert noch immer vor ihm herum. Aufgebracht steht der Junge auf. »Was sollte denn das?!«
»Reg dich nicht auf. Ich habe dich getarnt.«
»Getarnt?« Der Junge schaut an sich hinab. Sein Schlafanzug ist schwer zu übersehen, zumal er schwarz und aus einer kurzen Hose besteht, oben ohne. Die Beine sind noch genauso lang wie vorher. »Willst du mich verarschen oder so?«
»Mann! Du kannst das nicht erkennen, aber die Engel werden dich als mich sehen.«
»Wirklich?« Lächelnd schaut der Junge auf. »Danke!«
»Nichts zu danken. Man sieht sich!« Rufus klatscht einmal mit den Händen ineinander. Ein lauter Knall ertönt, dann ist er verschwunden. Noch immer grinsend geht der Junge auf das Tor zu und durchschreitet es.
Kaum schauen seine Hände aus den Wolken hindurch, als auch schon jemand nach ihnen greift und ihn vollends hereinzieht. Erschrocken purzelt der Junge in den riesigen Saal. Die vielen Engel sitzen alle um ihn herum und lächelten ihn breit an. Verwirrt blickte der Junge um sich. »Hey, was soll das?«
Eine von ihnen, mit tiefen, blauen Augen und braunem, lockigen Haar rutscht ein Stückchen zu ihm hin. Sie sieht nicht älter als 16 oder 17 Jahren aus. »Es kommt nicht oft vor, dass ein Mensch uns besucht! Dürfen wir uns denn nicht freuen?«
Der Junge schaut sich verlegen um. »Ihr könnt mich also als Mensch erkennen?«
»Natürlich!«
»Kennt zufällig einer von euch Rufus?«
Die Engel schauen sich an, dann brechen sie allesamt in schallendes Gelächter aus. Nur jene, die ihn bereits angesprochen hat, grinst schadenfroh. Der Junge fährt sich ein wenig verzweifelt über das Gesicht. »Wieso lacht ihr denn jetzt?!«
Sie kommt noch ein wenig näher. »Och, ich hatte meine Gestalt gewechselt. Du sprachst mit mir.«
»Mit dir?« Der Junge rutscht vorsorglich ein Stück von ihr weg, doch dadurch kommt er nur einem anderen Engel näher. Sie haben ihn bereits umkreist, jede lächelt ihn wohlwollend an. »Das ist gar nicht fair. Was, wenn Gott das erfährt?«
»Gott hat zuviel zu tun. Ich bin seine Assistentin.«
»Was macht er gerade?«
»Golf spielen. Er hat den Tod, gleich nachdem er hinausgeworfen worden war, wieder hergeholt und zu einer Versöhnungsrunde eingeladen.«
»Aha...«
Sie streckt ihre Hand nach ihm aus und berührt sanft seine Brust. Der Junge stößt sie augenblicklich fort. »Finger weg!«
Sie kichert leise. »Oh, da will wohl einer nicht angefasst werden?«
»Exakt! Und ich will nichts mit euch zu tun haben, kapiert?!«
Das vermeintliche Engelchen lächelte leicht. »Wirklich nicht?« Der Kreis zieht sich enger zusammen, der Junge sieht verzweifelt zu, wie ihm absolut jede Fluchtmöglichkeit vereitelt wird. »Lasst mich in Ruhe!« Panik schwingt in seiner Stimme mit, seine Augen sind weit aufgerissen.
Das Mädchen grinst breit. »Mädels, ich glaube, er hat genug.«
Die restlichen Engel lachen noch einmal laut, dann flattern sie einfach fort. Verwirrt schaut der Junge ihnen nach, bevor er sich wieder dem zurückbleibenden Engel zuwendet. »Was soll das jetzt wieder heißen?«
»Dass das alles nur Spaß war.« Sie zwinkerte ihm verschmitzt zu. »Ein kleiner Scherz.«
Der Junge schaut wütend zurück. »Scherz? Ein richtig beschiss... ein richtig dummer Scherz!«
Sie lacht nur hell. »Es tut mir Leid, aber ich konnte es mir nicht verkneifen. Wir werden wirklich nicht oft besucht, und wenn schon mal jemand da ist, dürfen wir uns doch einen Spaß erlauben, oder?«
»Ja... ja, schon gut.« Die Wut, die sich gerade angestaut hatte, baut sich im Jungen langsam wieder ab. »Kann ich jetzt zu Gott?«
»Der ist nach wie vor bei seinem Golfspiel. Ich kann dich hinbringen, wenn du willst.«
»Nein... nein, ich mag kein Golf.«
Sie grinst ihn breit an. »Ich auch nicht.«
Sie lächeln sich gegenseitig zu, dann fängt sie wieder leise an zu kichern. Er schaut sie verwundert an. »Was ist denn jetzt schon wieder?«
»Du hättest dein Gesicht sehen sollen, als ich dich berührt habe!«
»Ähm...« Ein wenig beschämt blickt der Junge zu Boden. »Ich hätte dich nicht so anfahren dürfen. Tut mir Leid.«
Sie rutscht wieder ein Stückchen zu ihm hin. Diesmal bleibt er sitzen. »Braucht dir nicht Leid zu tun. Wäre mir wahrscheinlich genauso gegangen.«
»Wirklich?« Er lächelt traurig. »Es ist nur... es ist alles so neu. Ich war noch nie im Himmel, ich kenne den Tod, ein Mädchen berührt mich...«
»Was ist denn am letzteren so besonders?«
»Nur, dass es noch nie ein Mädchen getan hat.«
»Noch nie?« Sie kippt ihren Kopf ein wenig zur Seite und schaut ihn schräg an. »Verstehe ich nicht...«
»Was gibt es da nicht zu verstehen?«
»Na ja, du bist doch ganz hübsch.«
Der Junge lacht leise. »Da bist du wohl die Einzige, die so denkt...«
Sie grinst breit. »Mein Name ist Eluvîn. Und deiner?«
»Was viel einfacheres. Sandji.«
»Sandji? Noch nie gehört...«
Jetzt grinst der Junge breit. »Ist auch nur mein Künstlername. Heiße eigentlich anders.«
»Und wie heißt du anders?«
»Philip Winfried Weisel.«
Sie lacht laut auf. »Ich glaube, ich nenne dich lieber Sandji.«
Er lächelt schief. »Ist mir auch lieber.«
Das Mädchen rutscht noch ein wenig näher an seine Seite heran. Sie berührt ihn jetzt schon fast. »Hast du denn da unten schon eine Freundin?«
»Nein. Habe noch nicht die Richtige gefunden.«
»Wirklich nicht?«
»Nein. Wobei... vielleicht doch.«
»Ah ja?« Der Engel lässt ein wenig trübselig den Kopf hängen. Der Junge hebt lächelnd ihr Kinn an und blickt ihr tief in die Augen. »Ich glaube, ich habe gefunden, wonach ich so lange gesucht habe. An einem Ort, an dem ich es schon immer vermutete.«
Sie lächelt breit, ihre Augen drücken grenzenlose Freude aus. Sie beugt sich ein wenig zu ihm hin, ihr Mund nähert sich dem seinen, sie schließen beide gleichzeitig die Augen...
Ein lauter Knall ertönt. »Wir müssen los!«
Der Junge und das Mädchen schrecken auf. Hinter ihnen steht der Tod, welcher den Jungen anschaut. »Schnell!«
Der Junge sieht perplex zurück. »Was ist los?«
»Keine Zeit für Erklärungen!« Der Kapuzenmann packt den Jungen an der Hand und reißt ihn förmlich in die Höhe. »Halt dich fest!«
Wieder erscheint der Wirbel, saugt alles in sich auf. Der Junge sieht, wie der Engel langsam verschwimmt, wie sie lächelt und ihm hinterher winkt. Doch ihre Augen können nicht über die Trauer, die sie verspürt, hinwegtäuschen. Ihr Gesicht brennt sich in das Gedächtnis des Jungen.
Mit einem Mal steht er in seinem Zimmer. Der Tod ist verschwunden, ebenso wie der Himmel.
Ein leises Piepen ertönt. Der Wecker neben dem Bett klingelt immer lauter. Der Junge rührt sich nicht.
Die Tür geht auf. Sein älterer Bruder steckt den Kopf herein. »Hey, du Backe! Wie hast´n gepennt?«
Der Junge dreht sich um. Ein trauriges Lächeln ziert sein Antlitz. »Ich hatte einen wunderschönen Traum.«

Offline Al Fifino

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #7 am: 08. März 2009, 18:50:02 »
Streit und Versöhnung

Ein leises Schnüffeln ertönt.
Der Junge wacht auf und kratzt sich am Ohr. Seine Hand streift etwas Weiches, Flauschiges. Ein wenig verärgert dreht er seinen Kopf nach links.
Neben ihm sitzt ein Hamster und schaut ihn aus schwarzen Knopfaugen an, nachdem er aufgehört hat, das Ohr anzuknabbern.
Seufzend packt der Junge das kleine Tierchen und setzt es wieder auf den Boden. »Sag mal, Moe, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht auf das Bett krabbeln darfst? Da oben ist es vielleicht ein wenig wärmer, aber ich habe keine Lust, eine angefressene Matratze auswechseln zu dürfen.«
»Macht er wieder Ärger?«
Der Junge grinst breit und wendet sich der Gestalt zu. Sein Lächeln verwandelt sich jedoch schnell in unverhohlenes Staunen. »Meine Fresse!«
»Was denn?!« Ein Unbekannter steht vor ihm, bekleidet mit einer kurzen, schwarzen Hose. Der Junge blickt in das Gesicht eines älteren Mannes von vielleicht 50 Jahren. Lange, gräuliche Haare fallen bis zu den Schultern und auf das T-Shirt, auf dem breit 'Urlaub 4tw' steht. Ein grau-weißer Vollbart ziert den Mund.
Der Junge kratzt sich am Kopf. »Ähm... ist nur so, dass ich dich... wer bist du überhaupt?«
»Sag mal, erkennst du mich nicht?!«
»Tod??«
»Nein, Jesus, weißt du?! Natürlich bin ich´s!«
»Äh...« Der Junge schaut ihn skeptisch an. »Wen will ich gerne als Freundin?«
»Einen kleinen, süßen Engel. Nebenbei Sekretärin von Gott. Und genau die richtige Figur.«
»Mein Gott, du bist es wirklich!«
»Sprich nicht von Gott, der ist gerade sauer auf mich.«
»Echt?« Der Junge lacht laut. »Wieso das denn?«
»Deswegen!« Der Tod zeigt auf den Schriftzug seines Hemdes. »Ich habe Urlaub verlangt. Da ist er halb ausgerastet. Hat gemeint, ich könnte mir doch auch gleich noch ´nen neuen Look zulegen.«
»Das hast du natürlich auch sofort getan.«
»Na, hör mal! So eine Gelegenheit kommt nie wieder!«
»Ja, schon gut. Was willst du denn jetzt hier?«
»Schutz suchen und dich mitnehmen, damit du ihn wieder beruhigen kannst.«
»Ich soll Gott beruhigen?« Der Junge schaut den Mann an, als sei dieser übergeschnappt. »Wozu gibt´s denn Jesus?!«
»Der hat keine Zeit. Wandert gerade als Bettler durch London und versucht, ´n paar Kröten einzusammeln. Vor allem von den dicken Fabrikbossen, damit die hinterher noch in den Himmel kommen können, von wegen guter Tat und so weiter...«
»Aber ausgerechnet ich?!«
»Du hast die beste "Connection" zu ihm!«
»Oh, na klar.«
»Du warst bereit, in den Tod zu gehen.«
»Und da bin ich wohl der Einzige oder was?!«
»Ja.«
Der Junge schaut ihn noch skeptischer als vorher an. »Wirklich?«
Der Tod seufzt laut. »Wenn´s ich dir doch sage...«
»Gib mir erst mal ´n Bier. Und dann mach die Shisha an. Ich muss überlegen.«
»Es ist ein Uhr nachts. Alkohol um diese Zeit?«
»Stört´s dich etwa?«
»Ja, ja, schon gut.« Der Mann bewegt sich auf die Wasserpfeife zu, als plötzlich ein gequältes Quietschen ertönt. Hastig hebt der Tod seinen Fuß hoch und entlässt den Hamster. »Sorry, Kumpel. Musst selbst ein wenig mehr aufpassen.« Lächelnd schnappt er sich das Gerät und eine Flasche Bier, die gleich daneben steht, um zum Jungen zurückzukehren. Dieser hat sich bereits eine Jeans angezogen und sein weißes T-Shirt übergeworfen. Während der Tod die Shisha herrichtet, öffnet der Junge die Flasche mit den Zähnen und nimmt einen kräftigen Schluck. »Verdammt, wieso gibt´s eigentlich kein Cola-Weizen in Flaschen? Schmeckt um einiges besser...«
Der Tod schnippt einmal mit dem Finger. Die Kohle entflammt wie von Zauberhand. »Bitte sehr, der Herr.«
Nach dem nächsten Schluck lächelt der Junge breit. »Vielen Dank, der Herr.«
»Die Shisha ist auch fertig.«
»Her mit dem Schlauch!« Der Junge krallt sich das begehrte Objekt und nimmt einen tiefen Zug. Die Kohle leuchtet auf und erhellt den Raum ein wenig. Rauch steigt aus seinem Mund und der Nase, dann seufzt er leise. »Ich soll Gott also beschwichtigen?«
»Es reicht schon, wenn du ihn nur von der Palme bringst.«
»Na klar, nichts leichter als das... Wie oft hatte er denn schon solche Wutausbrüche?«
»Ein einziges Mal. Damals hat Zeus vorbeigeschaut. Du weißt schon, der Kerl aus Griechenland. Jedenfalls hat der ihm als Scherz mit seinem Dreizack in den Allerwertesten gepiekst. Das Dinge hatte dummerweise ´ne Macke und hat sofort ´nen Blitz entlassen, welcher wiederum den Allerwertesten von Gott in Flammen setzte. Seitdem haben sie kein Wort mehr miteinander gesprochen.«
»Perfekte Aussichten also.«
»Sieht so aus.«
Der Junge nimmt noch einen tiefen Zug, dann lacht er leise. Der Tod schaut ihn verwundert an. »Sag mal, worüber kicherst du eigentlich so blöd?«
»Darüber, wie man nur so blöd sein kann und sich mit Gott anlegt.«
»Pah, du hast doch keine Ahnung. Ich habe das schon ein paar Mal gemacht und fast immer gewonnen. So wie jetzt.«
»Du bist höchstens bald einen Job los.«
»Nee! Den habe ich vom Teufel gestellt bekommen, da hat Gott gar nichts zu sagen.«
»Auch gut. Irgendeine Idee, wie wir ihn wieder besänftigen können?«
»Keine.«
»Keine?«
»Keine.«
»Überhaupt nichts?«
»Wie oft soll ich dir denn noch sagen, dass ich keine Ahnung habe, was ich machen soll?!«
»Wie wäre es mit was Süßem?«
»Wie bitte?«
»Du sollst ihm was Süßes schenken. Irgendwas zum Knabbern. Gott bekommt doch garantiert auch ab und an mal Hunger da oben.«
»Na klar! Das ist es! Er futtert Pralinen für sein Leben gern! Dass ich nicht selbst darauf gekommen bin...«
»Tja, ich halt wieder.« Der Junge schaut die Gestalt neugierig an. »Was für Zeugs futtert er denn gern?«
»Ach, der frisst alles, solange es sich nur um Schokolade handelt.«
»Ganz genau.«
Das Gesicht des Todes drückt tiefstes Entsetzen aus, im Gegensatz zum Jungen, der breit grinst. »Hey, Gott! Wie geht´s denn so?«
»Kann nicht klagen. Die Sterberate geht gerade ein wenig zurück. Liegt wohl daran, dass es im Irak ein wenig ruhiger zugeht.«
»Die Iraker kommen zu dir in den Himmel? Haben die denn keinen Eigenen?«
»Hatten sie mal. Aber irgend so ein Bekloppter hatte noch eine Dynamitstange dabei, und von Kontrollen halten die da drüben nichts. Wir haben ein Auffanglager eingerichtet.«
»Sag mal, von wo sprichst du eigentlich?«
»Bist du blind?«
Der Hamster kommt angewatschelt und schaut den Jungen erwartungsvoll an, welcher nur laut lacht. Der Tod wird noch bleicher, als er ohnehin schon ist. »Bin ich auf dich getreten, Gott?«
»Ja. Hat meinem Rücken nicht eben gut getan.«
»Du weißt ja, dass es ein Versehen war, oder?«
»Nein, es war volle Absicht.«
»Gott!«
»Natürlich weiß ich, dass es keine Absicht war! Beweg dich lieber und bring mir ein paar Tafeln Schokolade. Ich habe Hunger.«
»Moment.« Der Junge steht auf und geht zu seinem Schreibtisch herüber, öffnet eine Schublade und zieht eine kleine Schachtel voll Pralinés hervor. Der Hamster quiekt aufgeregt. »Her damit!«
»Wohl bekomm´s.« Der Junge stellt das Süße vor den Hamster, welcher sofort in die Schachtel abtaucht. Währenddessen spricht Gott weiter, wenn nun auch um einiges unverständlicher. »Tod, if glaube, if ferfei dir. Will mal nif fo fein.«
»Danke, Gott.«
»Kriegft auf Urlaub.«
»Darf ich überall hin, wo ich will?«
»Folange du nift in deinem Mantel herumrennft, ja.«
»Vielen Dank.«
Der Hamster schaut über den Rand der Schachtel. »Ah, das war gut. Ich gehe dann mal wieder. Habe noch ein wenig zu erledigen. Für die Formalitäten werde ich jemanden schicken.«
»Muss das sein?« Der Junge gähnt ausgiebig. »Ich meine, ich muss morgen noch in die Schule...«
Der Tod stößt ihn leicht an. Leise wispert er: »Er schickt seine Stellvertreterin!«
»Oh! Oh... äh... macht nichts! Gar nichts! Formalitäten müssen schließlich erledigt werden!«
»Allerdings...« Gottes Stimme klingt ein wenig zweifelnd. »Egal. Ich muss los. Man sieht sich.«
»In diesem oder im nächsten Leben.« Der Junge winkt dem Hamster einmal zu, dann zischt es leise und weißer Nebel steigt aus den kleinen Ohren des Tierchens, um gleich darauf zu verschwinden. Sofort krabbelt der Hamster wieder herum wie eh und je, wobei er sich nach wie vor an der Schokolade gütlich tut.
Der Tod reicht dem Jungen die Hand. »Du hast was gut bei mir!«
»Yeah, whatever, Dick.«
»Gleichfalls.«
»Wann wohl Eluvîn kommt?«
»Oha! Du kennst schon ihren Namen? Nein, wie putzig!« Der Tod grinst dreckig, während der Junge ihn säuerlich anschaut. »Halt doch dein Maul...«
»Warum sollte ich? Vielleicht kuschelt sie ja ein wenig mit dir...« Lachend weicht der Mann der Faust aus, die auf ihn zugeflogen kommt. Der Junge schaut ihn wütend an. »Halt´s Maul!«
»Was denn! Man braucht sich doch seiner Gefühle nicht schämen...«
Der Junge dreht sich blitzschnell um, schnappt sich die Pistole, die auf dem Tisch liegt, wirbelt erneut herum und drückt ab. Eine erbsengroße Plastikkugel knallt dem Tod gegen den Kopf.
»Aua! Was soll das denn?!«
Der Junge grinste nur hämisch. »Treffer, versenkt.«
»Na warte!« Mit einem leisen 'Plopp' erscheint ein kleines Maschinengewehr in den Händen der Gestalt. Der Junge schaut erst völlig überrumpelt, dann wirft er sich zu Boden. Die erste Salve zischt über ihm hinweg und prasselt gegen die Wand. Während der Tod noch mit dem Nachladen beschäftigt ist, schmeißt sich der Junge nach vorne und reißt den Mann zu Boden. Dieser jedoch ist um einiges stärker als der Jugendliche, was sich daran zeigt, dass er nach einem kurzen Gerangel auf dem Rücken des Jungen thront. Er tätschelt kurz den Kopf des Verlierers. »Endlich gibst du mal Ruhe...«
Der Teenager packt die Hand, zieht sie nach vorne und beisst kräftig in einen der Finger. Der Tod schreit erschrocken und voller Schmerzen auf. Der Junge nimmt die Chance sofort wahr und schafft es tatsächlich, den Mann von sich abzuwerfen. Wütend springt er auf und tut einen drohenden Schritt auf die Gestalt zu.
»Ähem.«
Er bleibt wie angewurzelt stehen, dreht sich langsam um.
Der Engel steht hinter ihm, ein schiefes Lächeln im Gesicht. »Hallo.«
Dem Jungen sieht man nur allzu gut an, dass er keinen blassen Schimmer hat, was er jetzt tun soll. Seine Augen sind freudig geweitet, doch sein Mund ist fest verschlossen.
Der Tod nimmt ihm eine Entscheidung ab, indem er den Jungen kräftig auf den Kopf haut.
»Au!«
»Den hatte ich noch gut.«
Der Gepeinigte reibt sich die schmerzende und pochende Stelle. »Du kannst mich mal gern haben... das ist das letzte Mal, dass ich dir helfe.«
»Von mir aus.« Der Tod geht grinsend auf den Engel zu, der ihn erwartungsvoll anschaut. »Gott hat mich hierher beordert, ich soll den ganzen Papierkram erledi-«

Offline Al Fifino

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Re: [Geschichte] Ein Leben
« Antwort #8 am: 08. März 2009, 18:50:15 »
»Er steht ganz schön auf dich, weißt du das?«
Das Mädchen schweigt abrupt und schaut erst den Tod, dann den Jungen an, der ebenso verblüfft zurück sieht. Sie wendet sich schließlich an die hagere, nach wie vor grinsende Gestalt. »Pardon?«
»Na ja, so sehr, dass er gerne... du weißt schon was.«
Der Engel holt aus, dann verpasst sie ihm eine kräftige Ohrfeige. Der Tod weicht zurück und hält sich die Wange, auf der sich einige Striemen abzeichnen. »Verdammt! Was soll das denn?!«
Der Junge hingegen lacht nur laut. »Selbst schuld, du Trottel... Kennst dich wohl nicht mit Mädchen aus, was?«
»Sei ruhig.« Die Stimme des Engels klingt gebieterisch und duldet keine Widerrede. Der Junge verstummt sofort und geht rückwärts zu seinem Bett, um sich darauf zu setzen und die Szene weiter zu verfolgen. Währenddessen tritt das Mädchen noch einen Schritt näher an den Tod heran. »Du weißt, was du zu tun hast. Was machst du noch hier?! Was soll überhaupt dieses hässliche Outfit?! Willst du ´ne Vogelscheuche spielen oder was!«
»Jetzt bleib mal locker, du Göre! Du hast mir gar nichts zu sagen!«
»Geh und mach deinen Papierkram! Mir ist die Lust vergangen, deinen Dreck zu erledigen!«
»Aber du musst -«
Das Mädchen holt erneut aus. Mit einem ängstlichen Fiepen duckt sich der Tod weg, dann verschwindet er unter Bildung einer Rauchsäule, die hinterher von einem plötzlich im geschlossenen Raum entstehenden Windböe weggetrieben wird.
Der Engel kommt schwer atmend auf den Jungen zu, der sicherheitshalber kein Wort sagt. Sie lässt sich neben ihm nieder, starrt nur nach vorne.
Der Junge lugt sie vorsichtig von der Seite an. Als hätte sie darauf gewartet, schaut sie ihm direkt in die Augen und faucht ihn an: »Ist was?!«
»Nein, nichts.« Sofort wendet sich der Junge von ihr ab, doch sie schaut ihn noch immer an. »Stimmt das, was er gesagt hat?«
»Nein, natürlich nicht!« Man kann der Stimme die Entrüstung anhören.
»Du willst also nicht?«
»Nein!«
»Und mich mögen tust du also auch nicht?«
»Nein! Äh, doch!«
»Was jetzt?« 
Der Junge sieht sie verständnislos an. »Was wird das jetzt überhaupt?«
»Es ist egal. Ich muss ohnehin wieder gehen.« Mit einem kühlen Gesichtsausdruck steht sie auf und geht in die Mitte des Raumes. Der Junge schaut ihr hinterher.
»Eluvîn...«
Sie bleibt stehen, dreht sich jedoch nicht um. »Ja?«
Hätte ihre Stimme die Umgebung beeinflusst, so wäre mit einem Schlag das Zimmer komplett mit Schnee gefüllt gewesen.
»Willst du nicht noch ein wenig bleiben?« Diesmal klingt seine Stimme hoffnungsvoll.
Er blinzelt kurz.
Sie ist verschwunden.
Seine Augen huschen hin und her, finden sie jedoch nirgends. Enttäuscht lässt er sich nach hinten auf die Matratze fallen. Seine Gedanken kreisen um den Engel, der so wunderschön ist wie nichts, das er jemals gesehen hat.
Wind pfeift leise durch die Ritzen. Sofort springt der Junge auf, schaut sich um.
Eine hagere Gestalt erscheint mitten im Raum, unter dem Arm einen ganzen Pack Papier und nun nicht mehr in lässiger Klamotte, sondern in einem Anwaltsanzug.
»Wo ist dieses Kampfweib hin?!«
Der Junge schaut den Tod hasserfüllt an. Dann erinnert er sich an das MG. Sofort schnappt er es sich, es liegt ja gleich neben ihm, und richtet es auf den Mann. »Verzieh dich, oder ich knall dich gleich ab.«
»Holla, da ist wohl jemand geladen!« Die Klamotten verschwinden mitsamt dem Papier, und der Tod steht wieder als bleiches Skelett mit Umhang vor ihm. »Versuch doch jetzt mal, mich zu treffen.«
Der Junge zögert keinen Moment und drückt ab. Ein Hagel von Kugeln rast dem Schädel entgegen, einige verschwinden in den Augenhöhlen.
»Aaah! Aua! Verdammte ******!!«
»Treffer, versenkt.«
»Ach, halt doch dein Maul...«
»Hau du lieber ab!«
»Was ist denn los?«
»Was los ist?!« Der Junge schaut ihn an, als sei das Gerippe verrückt geworden. »Du hast gerade meine Liebe verkrault!«
»Wirklich?« Der Tod kratzt sich kurz am Kinn, dann grinst er breit. »Habe ja ganze Arbeit geleistet.«
»Ja, hast du wirklich... Sie will sicherlich nie wieder was mit mir zu tun haben. Danke.«
»Bitte, bitte. Gern geschehen. Immer wieder.«
»Halt´s Maul.«
Der Tod lacht leise. »Meine Güte, sie ist ein Engel. Sie wird dich verstehen.«
»Sie ist nur ein Mädchen.«
»Ein Mädchen, das zuhau´n kann.«
»Ein Mädchen, das Gefühle hat. Weißt du überhaupt, was das ist?«
»Hey, das ist unter der Gürtellinie.« Der Tod schaut den Jungen gekränkt an. »Ich wollte das nicht, aber ich war noch ein wenig geladen von der Auseinandersetzung mit Gott. Tut mir Leid.«
»Dein Mitleid bringt mir einen feuchten Dreck.«
»Ich könnte ja zu ihr gehen und -«
»Halt dich bloß von ihr fern. Du hast schon genug Mist gebaut.«
»Na gut, dann eben nicht...«
Eine Träne kullert über die Wange des Jungen. Dem Tod ist inzwischen das Grinsen vergangen. »Sie mag dich. Mindestens genauso viel wie du sie.«
»Ja, klar. Und jetzt hält sie mich für einen Volltrottel. Dank dir.«
»Glaube ich nicht.«
»Und warum nicht?« Der Junge schaut die Gestalt wütend an. Eine weitere Träne rennt zu seinem Kinn und fällt von dort aus in seinen Schoß.
»Ich habe da so eine Ahnung...«
»Ich verzichte auf deine Ahnungen.«
»Aber -«
»Geh einfach.«
»Aber -«
»Geh!«
Das Skelett zuckt mit den Überresten seiner Schultern. »Bitte, wie du meinst.« Mit einem weiteren, leisen 'Plopp' ist er verschwunden.
Mit tränenverschmierten Augen schaut der Junge auf seinen Wecker. Halb zwei. Er wischt sich schnell mit dem Armrücken über das Gesicht, dann steht er auf und tritt kräftig gegen den Stuhl, der neben seinem Bett steht.
»Was wird das denn, wenn´s fertig ist?«
»Schnauze, Gott.«
Der Hamster schaut ihn beleidigt an. »Jetzt werd´ mal ruhig hier! Was ist los?«
»Eluvîn ist wütend auf mich.«
»Nicht nur auf dich. Sie hat mir einen Shishatopf an den Kopf geschmissen, als ich sie fragte, was ihr fehlt.«
»Shishatopf?« Ein Blick zu seiner Wasserpfeife genügt dem Jungen, um zu wissen, dass etwas nicht an dem Platz ist, wo es eigentlich sein sollte. Er seufzt leise. »Ja, sie glaubt, ich wollte mit ihr schlafen...«
»Wolltest du doch auch.«
»Halt die Schnauze, oder ich mache auch vor meinem Hamster nicht Halt!«
»Kann man denn hier nicht mal mehr einen Scherz machen?«
»Nein.«
»Hm.«
»Hm.«
»Hmm.«
»Hmmm.«
»Hmmmm.«
»Halt´s Maul.«
Der Hamster quiekt belustigt. »Du bist ganz schön doof, weißt du das?«
»Und das aus dem Mund Gottes?«
»Du hast angefangen.«
»Ich hab angefangen?«
»Hast du.«
»Ich?«
»Ja, du hast angefangen.«
»Ganz sicher ich?«
»Ja! Du!«
»Hm. Kein Zweifel möglich?«
»Sandji, halt´s Maul.«
»Du auch, Eluvîn.«
Der Hamster sagt kein Wort mehr. Stattdessen steht er starr da. Nur einen Augenblick später steht das Mädchen vor dem Jungen. Ihre Flügel spreizen sich weit aus. Sie schaut ihn erstaunt an. »Woher wusstest du, dass ich es bin?«
»Weil du meinen Künstlernamen kennst. Nur du. Jedenfalls, was die Leute da oben betrifft.«
»Aha.«
»Warum bist du zurückgekommen?« Diesmal klingt seine Stimme kalt und abweisend.
Sie lächelt ihn unsicher an. »Wolltest du es nicht so?«
»Ja. Vor drei Minuten.«
»Und jetzt?«
»Weiß nicht.«
»Hm.« Sie schaut ihn lange an, er weicht ihrem Blick aus. Schließlich meint sie: »Ich weiß, dass du das vorhin nicht Ernst meintest.«
»Hm.«
»Ja.«
»Schön für dich.«
»Äh...« Sie blickt ihn ein wenig verzweifelt an. »Hey, das vorhin war nicht böse gemeint.«
»Hm.«
»Jaa...«
»Es hat weh getan.«
»Was?«
»Deine Worte.«
Ihr Lächeln, dass sie nur mit Mühe hatte aufrecht halten können, verschwindet vollkommen. Sie streckt ihre Hand nach ihm aus, doch er weicht zurück. Ihr Arm sinkt wieder. »Es war nicht so gemeint...«
Sie kann seine Stimme fast nicht verstehen, so leise spricht er. »Es hat mich trotzdem verletzt. Unbedachte Worte können unbedachte Folgen nach sich ziehen.«
»Dann lass es mich wieder gut machen.«
»Du willst es wieder gut machen? Dann geh.«
Sie schaut ihn erschüttert an, dann festigt sich ihre Miene wieder. »Nein.«
»Nein?«
»Nein. Ich komme doch nicht den Weg hierher, verwandle mich in deinen Hamster und kaue dir auch noch dein Ohr an, nur damit ich hier eine Abfuhr von dir kassiere!«
»Mir erging es doch nicht anders.« Er dreht sich vollends um und geht langsam zurück zu seinem Bett. Dort setzt er sich auf die Kante und lässt sein Gesicht in den Händen versinken.
Der Engel bleibt stehen. Die Flügel sind zusammengefaltet, und sie blickt ihn traurig an. »Es war doch nicht so gemeint...«
Seine Stimme dringt nur gedämpft hervor. »Geh. Bitte.«
Einen Moment überlegt sie, dann kommt sie auf ihn zu und setzt sich neben ihm hin. Als sie jedoch ihre Hand auf seine Schulter legen will, rutscht er ein Stück von ihr weg. Seufzend sieht sie ihn an. »Du bist beleidigt, wahrscheinlich auch gedemütigt. Was kann ich machen?«
»Mich nicht anfassen und verschwinden.«
»Ich gehe nicht.«
»Warum nicht?«
»Einmal, um dich zu necken. Und dann noch, weil ich dich mag.«
»Wenn du mich wirklich magst, dann geh.«
»Willst du hier einen auf Schmierenkomödie abziehen oder was?«
»Ja. Nein. Vielleicht...«
»Kannst du dich mal entscheiden?«
»Kannst du nicht einfach gehen?«
»Nein.«
»Warum nicht?«
»Habe ich schon gesagt.«
»Hm.«
Sie streckt erneut seine Hand nach ihm aus. »Sandji...«
»Nein.«
Ihr Arm senkt sich wieder. Sie schaut ihn kurz an, dann lächelt sie wieder. Ihr Flügel spreizt sich und umhüllt den Jungen. Dieser hält noch immer sein Gesicht bedeckt, doch er tut nichts dagegen.
So sitzen sie eine Weile nebeneinander. Irgendwann unternimmt sie einen neuen Anlauf. »Es tut mir wirklich Leid.«
Der Junge erwidert nichts.
»Hätte ich geahnt, dass es so endet, dann hätte ich mich niemals so aufgeführt. Es war... nur ein Spaß.«
»Hm.«
»Ja. Genauso wie damals im Himmel. Weißt du noch?«
»Mhm.«
»Schau mich an.«
»Nope.«
»Bitte.«
Keine Reaktion.
Sie rutscht ein Stückchen an ihn heran. »Gib dir ´nen Ruck.«
Tatsächlich senken sich seine Hände. Sie blickt in seine rot geränderten Augen, lächelt über seine Locken, die überall auf dem Kopf herum hängen. Nimmt seine Hände, die nass sind.
Auch er lächelt jetzt. »Deine Flügel sind echt warm.«
Sie lacht leise. »Danke. Und du bist leicht beleidigt und ein totaler Dickkopf.«
»Bitte, keine Komplimente.«
Sie kichert erneut, sieht ihn erfreut an. »Schön, dass wir wieder miteinander reden.«
»Mir bleibt doch nicht viel anderes übrig, oder?«
»Stimmt.« Sie rutscht noch näher an ihn heran, kuschelt sich an ihn. Er legt seinen Arm um ihre Schulter, lehnt seinen Kopf an ihren. Sie schnurrt leise und zufrieden wie eine Katze. »So könnte ich eine halbe Ewigkeit sitzen.«
»Ich sogar eine ganze.«
Sie kichert wieder. Kuschelt sich noch mehr an ihn. Ihr Flügel ummantelt sie beide.
Der Junge drückt ihr einen feuchten Kuss auf die Stirn, lächelt sie an. Streicht ihr sanft durch das lange Haar.
Wind kommt auf. Eine hagere Gestalt steht im Raum und schaut sich verblüfft um. »Das ist nicht London...«
»Nein, Tod, du bist hier falsch.«
Er schaut die ineinander Verschlungenen überrascht an. »Oh. Entschuldigung. Mein GPS spinnt wohl ein wenig...«
»Du brauchst nicht lügen. Schwirr einfach wieder ab.«
»Aber immer doch, Chef.« Er grinst den Jungen breit an, dann verschmilzt er mit dem Schatten und ist verschwunden.