Autor Thema: Früh am Morgen, auf einem Hügel vor den Toren  (Gelesen 2866 mal)

Parakai

  • Gast
Früh am Morgen, auf einem Hügel vor den Toren
« am: 19. Mai 2008, 01:40:16 »
Bis auf den Nebel wäre es bestimmt ein grandioser Ausblick.
Die Gestalt sitzt etwas gedankenverloren an einem der äußersten Stämme gelehnt, neben sich die kalte Asche eines Lagerfeuers. Der Mantel in den sie sich gehüllt hat weist die Spuren einer längeren Reise quer durch unerschlossene Gebiete auf und könnte eine gute Reinigung vertragen. Die zurückgeschlagene Kapuze lässt ein eher verdrießlich dreinschauendes Gesicht umrahmt von schulterlangem braunen Haar und einem dunkelbraunen Vollbart frei.
Nun wenigstens regnet es nicht.
Die dunkelgrünen Augen wenden ihren kritischen Blick von den wabernden Nebelmassen in der Ebene unter ihm zu dem wolkenlosen Himmel.
Immerhin etwas.
Quer vor den Knien hält sie einen Stab, der irgendwie zu lang für den Knüppel wirkt dem er sonst gleicht. Mit seinen gut sechs Fuß mag er seinen Träger um eine gute Handbreit überragen, auch scheint dieser eher drahtig als muskulös zu sein. Ächzend rappelt er sich nun auf, mustert noch einmal missmutig die Schwaden die ihm den Blick auf das so gerühmte Elteran verwehren und wandert zum nächsten Bach um sich dort ein wenig präsentabel zu machen.
Ein grimmiges Lächeln umspielt die Lippen.
Nicht dass ich wie ein mittelloser Waldläufer aussehe, das kann ja nicht angehen.
Den Kopf einmal ins Wasser getunkt, Gesicht und Haar von Schmutz befreit geht er zurück, greift einen Riemen seines Rucksacks, tritt Erde über die Asche und macht sich langsam daran querfeldein den Hügel zu verlassen.
Wenn dieses Elteran wirklich so wunderschön und groß ist, dann sollte ich es ja auch in diesem Eintopf nicht verfehlen können. Ich hoffe nur sie haben einen ordentlichen Schneider.
Eine der Hände streicht über den abgewetzten Ledermantel.

Im Laufe seiner Wanderung brennt die Morgensonne langsam den Nebel hinweg und legt den Blick auf Elteran frei. Eine kleine Änderung der Marschrichtung bringt ihn von einem Weizenfeld auf eine nahe gelegene Straße, auf der das Ausschreiten gleich leichter fällt. Der Morgenverkehr ist für einen einzelnen Wanderer kein Hindernis. Fast schnurgerade führt die Straße für manche Meile auf das nordöstliche Stadttor zu. Der Fußgänger vertreibt sich die Zeit des Marsches mit der Betrachtung seiner, hoffentlich, zukünftigen Heimat.
Man erzählt sich, dass die Stadt geteilt sei, geboren aus einer Stadt des Lichtes und einer der Dunkelheit, zumindest aus der Ferne kann man nicht viel davon sehen. Mir soll es recht sein, auch wenn ich diese rechthaberischen Moralapostel nicht besonders mag, so lange sie mich in Frieden forschen und arbeiten lassen so lange werde ich sie auch in Ruhe lassen.
Die Augen suchen die Umrisse der Gebäude hinter der Stadtmauer ab.
Ob es wohl ein ruhiges Viertel gibt in dem ich mir ein kleines, ruhiges Haus suchen kann?
Als er der Stadt immer näher kommt bemerkt er, dass die Wachen anscheinend alle Besucher aufmerksam mustern und die die sie nicht kennen einer längeren Frageprozedur unterziehen. Mit einem zynischen Lächeln wandert eine Hand unauffällig in die Geldkatze am Gürtel.
Mal sehen ob wir diesen Prozess nicht ein wenig abkürzen können...
Inzwischen auf Rufweite trägt der Wind die Wortfetzen eines Ausrufers, der neben einigen Prangern etwas abseits der Straße steht zu ihm. Etwa die Hälfte scheint gefüllt.
"Die... Eier gestoh... Beorn... elei im Hafen..."
Anscheinend die üblichen Kleinigkeiten des Stadtlebens.
"...arabas sich.... ig ge.... Beste... er Sta...ache... Gunhi... ucht als..."
Seufzend nimmt er die Hand wieder aus dem Beutel und strafft die Schultern.
...oder auch nicht.

Ein Blick auf die Sonne zeigt, dass es fast die elfte Stunde ist als er endlich zu den Wachen vorgedrungen ist. Einer der Gerüsteten winkt ihn in die Wachstube, um ihn dort zu befragen. Während der Soldat noch einen abschätzenden Blick über die abgenutzte Ausrüstung wandern lässt hebt der Besucher an zu sprechen.
"Ich denke es ist in Eurem Sinne ebenso wie in meinem, wenn wir dieses Prozedere so kurz wie möglich halten. Ich nenne mich Parakai, komme von weither, hinter den Bergen im Osten, ursprünglich geboren in einem Dorf dessen Namen Ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt. Ich habe nicht die Absicht in dieser Eurer Stadt für Unruhe zu sorgen oder Diebstähle zu begehen. Für Unterkunft und Verpflegung kann ich ebenfalls für einige Zeit aufkommen."
Bei diesen Worten lässt er seine Hand gegen die Geldkatze klingen, aus der als Antwort das Klirren von Münzen dringt.
"Meinen Lebensunterhalt bestreite ich durch das Wirken von Magie und das Brauen alchemischer Tränke. Wenn Ihr mir eine gute Herberge oder Pension für die nächsten Tage empfehlen könntet wäre ich Euch verbunden. Eine Zusammenfassung Eurer Waffengesetze und sonstiger Formalitäten die mit dem längerfristigen Aufenthalt in dieser Eurer Stadt verbunden sind wäre ebenfalls willkommen."
Abwartend blickt Parakai zu dem, von der Redeflut etwas überrascht wirkenden, Stadtwächter.

Offline Kiriru

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Re: Früh am Morgen, auf einem Hügel vor den Toren
« Antwort #1 am: 21. Mai 2008, 22:39:59 »
Zunächst von der Wortflut erschlagen brachte die Wache nur mehrere gestammelte "Ähm" von sich, bis sie sich schließlich wieder ein wenig fassen konnte und antwortete: "Name, Herkunft, Anliegen, alles in Ordnung... die Taverne zum giftgrünen Drachen... dort werdet ihr sicherlich Herberge finden... willkommen in der Stadt..." Etwas Hilflos schaute die Wache nun den Fremden an.

Parakai

  • Gast
Re: Früh am Morgen, auf einem Hügel vor den Toren
« Antwort #2 am: 22. Mai 2008, 14:55:57 »
"Nun, ich danke Euch für Euer Willkommen und auch für die Information. Zum giftgrünen Drachen sagtet Ihr?"
Nachdem Parakai sich den Weg hat beschreiben lassen nickt er dem Wächter noch einmal dankend zu, nimmt seinen Ranzen und verlässt die Wachstube. Unter dem Torbogen wirft er noch einen Blick zurück auf die Schlange der Wartenden, die immer noch in Vormittagssonne anstehen.
Das ging doch erstaunlich schnell, so lasse ich mir Befragungen gerne gefallen. Nett der Junge, wenn auch ein wenig simpel. Wie diese Taverne aussieht bin ich gespannt, wenn die Wachen dort verkehren. Aber besser als nichts.
Hinter dem Stadttor beginnt direkt das bunte Treiben Elterans, Menschen und andere Wesen aus allen Teilen der bekannten, in manchen Fällen auch aus den eher unbekannteren, Welt. Während er kräftig ausschreitet um möglichst bald die Taverne zu erreichen lässt er das Bild auf sich wirken. Jede neue Straße bietet ein neues, anderes Gewimmel.
Hmm, hier scheint es sich leben zu lassen. Ein wenig zu viel Trubel, aber in jeder Stadt gibt es auch ruhigere Ecken, wenigstens heißt es, dass man recht ungestört seinen eigenen Dingen nachgehen kann.
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« Letzte Änderung: 23. Mai 2008, 02:50:05 von Parakai »