Autor Thema: Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)  (Gelesen 8083 mal)

Offline Mila

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Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
« am: 12. September 2014, 17:09:32 »
Zitat
Aufgepasst Schreibkünstler Elterans!

Die Stadt hat beschlossen, dass die Bibliothek nach und nach um einen eigenen Abschnitt für Biographien erweitert werden soll.
Zu diesem Zweck werden Werke über einige stadtbekannte Persönlichkeiten gesucht. Wer entsprechende Texte hat, möge sich bitte damit bei Telan melden.

gez. Galveen
Bürgermeister von Elteran


Es gibt eine Vielzahl an Charakteren im Spiel über die sehr wenig bekannt ist. Damit sich das ändert, sollen innerhalb der nächsten Wochen mehrere Wettbewerbe stattfinden, wo jeweils Texte zu einigen Personen eingereicht werden können.

Die Personen der ersten Runde sind:
    • Rimund
    • Orlin
    • Jukal, der Alchemistenlehrling
    • Hentaria, die Antiquitätenhändlerin
    • Markus, der Trunkenbold

    In den Texten muss nicht jeder Lebensabschnitt der Person bis ins kleinste Detail beschrieben werden, ihr könnt euch auch auf bestimmte, wichtige Abschnitte und Ereignisse konzentrieren, die im Leben der Person eine entscheidende Rolle gespielt haben.
    Ob ihr in der 1. oder in der 3. Person schreibt, ist euch freigestellt.
    Achtet nur darauf, dass die Geschichten spannend und - auch im gesamtarthorianischen Sinne - stimmig sind!
    Der Text sollte mindestens ca. 400 Wörter lang sein, nach oben gibt es keine Begrenzung.

    Postet eure Geschichten bis zum 3.10. 23:59:59 hier in diesem Thread. Änderung: Letzte mögliche Abgabe hier am 5.10. um 23:59:59!
    Ihr dürft auch bereits veröffentlichte Beiträge bis zum endgültigen Abgabetermin noch verändern.
    Bitte gebt euren Spielernamen an, wenn er von eurem Forennick abweicht.
    Mehrfachteilnahmen sind möglich und erwünscht.

    Preise:
    Jeder Beitrag, der ein gewisses Mindestmaß erfüllt, wird mit einem Goldbarren belohnt. (Es sollte mindestens erkennbar sein, dass der Autor sich bemüht hat, einen guten Beitrag abzuliefern ;) )
    Die Autoren der besten 5 Beiträge von allen eingereichten erhalten ein großes Spruchrollenbündel und ein edles Notizbuch (oder statt des Notizbuches eine kleine Ehrenmedaille).
    Die Autoren, die die besten Beiträge in einer der Personenkategorie geschrieben haben, erhalten eine Statuette des jeweiligen NPCs, z. B. Rimund. Die Gewinner dürfen sich das Material, aus dem die Statuette gefertigt ist, selber aussuchen!
    Die Siegerbeiträge in den jeweiligen Kategorien werden in Büchern in der Bibliothek veröffentlicht. Wir behalten uns vor, je nach Qualität der Texte auch mehrere zu einer Person (sofern sie nicht widersprüchlich sind) oder auch zu einer Person keinen zu veröffentlichen.

    Siegerwahl:
    Nach Abgabeschluss wird zuerst eine Jury die Geschichten im Hinblick auf Originalität, Stimmigkeit und Ausdrucksfähigkeit für sich bis zum 10.10. bewerten. Die Jury wird aus Elandion, Hakuna, kaefer, Philon, Mila und Valdar bestehen.
    Danach bekommen die Communitymitglieder die Gelegenheit innerhalb von 3 Tagen abzustimmen, welcher Beitrag ihnen bei den einzelnen Berühmtheiten am besten gefällt.
    Bei der Siegerkür werden die Stimmen eines jeden Jurymitglieds als ein Punkt und das Abstimmungsergebnis der Community ebenfalls als ein Punkt gewertet.

    Fragen und Kommentare bitte der Übersichtlichkeit wegen in den Diskussionsthread.

    PS: Bitte achtet den Lesern zuliebe auf Grammatik und Rechtschreibung.
    « Letzte Änderung: 30. September 2014, 21:08:48 von Mila »

    Offline Fussl

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten
    « Antwort #1 am: 13. September 2014, 03:37:44 »
    (Hentaria)

    "Sei mir gegrüßt, Reisender. Setz dich, erzähl mir deine Geschichte, trinke einen Becher mit mir und lass uns gegenseitig von unseren Taten berichten.
    Verzeih mir meine Unhöflichkeit, ich sehe das du fremd in Elteran bist und mich nicht kennen kannst, dafür ist dein Gesichtsflaum zu dünn und rar.
    Mein Name ist Hentaria, meines Zeichens bin ich die hiesige Antiquitätenhändlerin. So zumindest nennen mich die Magier dieser Stadt. Wenn sie wüssten...
    Nein, ich handle nicht mit Antiquitäten, eigentlich bin ich mehr an den spezifischen Schätzen gewisser feindlich gesinnter ..., lass sie mich Umgebungsbewohner nennen...., interessiert.
    Magier, so gelehrt und doch so verallgemeinernd. Sei's wie es sei, die Bezeichnung meiner Selbst beschreibt im Ungefähren meine Funktion.
    Sollten dir auf deinen Reisen oder Diensten an der Stadt ungewöhnliche Schätze in die Hände fallen, dürfte ich die erste Person sein mit der du darüber sprechen solltest.
    Du fragst dich, warum ich diese Sachen gegen andere, wertvolle eintausche?
    Dazu muss ich etwas ausholen.

    Geboren wurde ich lange vor deiner Geburt, als Tochter einfacher Bauern. So verbrachte ich die erste Zeit meines Lebens im Dienste an den Bürgern Elterans, und war als eine von vielen mit dafür verantwortlich, Saatgut und Nahrung zur Stadt zu liefern.
    Es war eine schöne Zeit, sorgenfrei und bar aller Gedanken an eine feindliche, lebensbedrohende Umgebung.
    Bis zu diesem einen, unglückseligen Tag als ein gelehrter Magus aus Elteran auf einen seiner üblichen Streifzüge das Haus meiner Eltern betrat und um Unterkunft und Verpflegung bat.
    An diesem Tag verlor ich meine kindliche Unschuld.
    Er saß abends an unserem Feuer, erzählte Geschichten von Heldentaten, Mut und Reichtum und großer Taten.
    Dies war der Moment als mir mein bisheriges Leben sinnlos erschien.
    Im Vergleich zu ihm? Wer war ich? Eine Bauerstochter die ihr Leben damit verbringen würde im Dreck zu wühlen wo doch jeder Mensch großes vollbringen könnte, wenn er den Mut dazu aufbringen würde!?

    Dies war der Abend, an dem ich beschloss alles zu ändern.
    Ich wusste das meine Eltern mich notfalls an die Tränke binden würden um mir - ich höre die Stimme meines Vaters - die Flausen aus dem Kopf zu treiben "bis das Vieh was zu fressen hatte."
    Also erzählte ich meinen Eltern nichts von meinem Entschluss.
    In der Nacht packte ich meine Sachen und wartete bis zum nächsten Morgen, als der Magus unser Haus verließ und weiterzog.
    Ich folgte ihm, ohne das er mich sehen konnte.
    Im magischen Bereich mag durchaus seine Stärke gelegen haben, aber was die profanen Dinge anging, die mir als Kind wichtig waren, wie in diesem Fall verstecken spielen, war ich im Haushoch überlegen.

    Wie auch immer..., tagelang reisten wir durch die Wildnis, immer blieb ich aus seinem Blickfeld um ihn zu beobachten, zu lernen und mich gegebenenfalls zu beweisen und einen Platz an der Akademie Elterans zu verdienen.
    Nach einigen Sonnenumläufen erreichten wir, oder besser er, das Ziel der Reise.
    Es war eine Siedlung, größer als unser Dorf, kleiner als Elteran.
    Schon aus einiger Entfernung hörte ich Stimmen und Geräusche, welche sicher nicht von lebenden Wesen hervorgebracht werden können.
    Mich auf die Stärke des Magus verlassend folgte ich ihm weiter.
    Ich sah kurze, aber heftige Kämpfe in einer ausgestorbenen Stadt gegen Kreaturen und Wesen deren Namen ich nicht kannte, und deren Anblick mich schaudern ließ.
    Auch der Magus schien gelegentliche Probleme zu haben, aber er bewältigte diese, indem er aus seiner schier unerschöpflichen Tasche immer wieder neue Elixiere hervorzog und schlussendlich die Obhand behielt.
    So kämpfte er sich den Weg frei, zu einem Einstieg unter die Erde, welche niemals den Anblick der gütigen Teraja oder des gerechten Curulums erblickt hatten.
    Stell dir ein Loch in einem Berghang vor, welches von vielen Fackeln erleuchtet wird. Entfene die Fackeln und stell dir vor was übrigbleibt. Nun nehme von der vorhandenen Dunkelheit nochmals das Licht der vorher brennenden Fackeln weg, und du hast einen ungefähren Eindruck dessen, wohin unser Weg ging.
    Der Magus beschwor einen kleinen Geist, ein leuchtendes Licht welches voran flog und den Weg erhellte.
    Viele Stunden ging es unter die Erde, und ich hatte schon Angst, daß mein Magenknurren mich verraten würde, als plötzlich eine Stimme, kälter als alles was du dir vorstellen kannst, ertönte und den Magus ansprach:
    "Wurm, du wagst dich in mein Reich? Du schätzt deine Fähigkeiten hoch ein, nur weil du einen kleinen Teil meiner Diener besiegt hast?
    Nun...., deine Entscheidung! Spüre nun, was wahre Macht bedeutet und ergib dich in dein Versagen!"

    Die Stimme verhallte, der Magus torkelte, benommen von der Präsenz dieser Nemesis durch die Gegend, und einen Wimpernschlag später war alles vorbei.

    Stille.
    Eine, tiefe, bedrückende Stille.
    Ein Kratzen und schaben.
    Das Gefühl einer Präsenz die sich näherte.
    Geräusche die ich nicht näher beschreiben kann oder will.

    Es verging einige Zeit, ich kauerte hinter meinem Felsen und betete zu allem wovon ich jemals gehört hatte das ich unentdeckt bleiben , und hier jemals wieder lebend hinauskommen würde.
    Wie töricht war ich damals....
    Als die Stimme mit ihrem Werk fertig war, hörte ich sie direkt in meinem Kopf:
    "Ein Kind..., ich spüre Unschuld...! Mögest du dich verstecken, deinen Geist werde ich immer schmecken...!
    Weil mein Tagwerk erledigt ist, lasse ich dir die Wahl:
    stirb sofort, oder erfülle mir einen Auftrag!"

    Ich hätte niemals über die Entscheidung nachdenken dürfen, aber - Reisender, sich bewusst für den Tod zu entscheiden wenn er vor einem steht..., ich hoffe, du kommst niemals in diese Lage.
    Meine Schwäche gab mir die Entscheidung vor, und ich entschied mich für die Stimme und das Leben.
    Und nun sitze ich hier, sammle laut den Magiern Antiquitäten welche sie mir bereitwillig bringen und gegen anderes eintauschen um meine Rache zu vollenden.
    Wisse, ich habe eine Schwäche der Stimme gefunden, aber dafür benötige ich viele Ingredienzien um das nötige Ritual zu vollführen.
    Ich werde den Tag der Rache erleben, die Stimme beging den Fehler und gab mir das Geschenk langwährenden Lebens um den Auftrag zu erfüllen. Somit habe ich Zeit. Mehr Zeit als der Stimme lieb sein dürfte.
    Ich gehe sowieso davon aus, daß ich inzwischen in Vergessenheit geraten bin, nachdem ich für einen kurzen Moment für Abwechslung und Erheiterung gesorgt habe, und danach als alter Putzlappen betrachtet wurde, welchem man in ein Regalfach legt und vergisst.
    Dies ist meine Stärke,sowie das Wissen um verborgene Orte die nur mir allein bekannt sind, an welchen ich die Materialien für den Tausch mit Elterans Magiern finde.
    Welchen Auftrag ich erfüllte fragst du?
    Einen einfachen, wie ihn jedes Kind vollbringen kann:
    ich vergiftete den Brunnen meines Dorfes und sah allen beim Sterben zu.
    ....
    Du willst schon gehen? Nun Reisender, ich werde dich nicht aufhalten.
    Achte auf deine Schritte und sei dir des Augenblicks deines Todes gewiss. Und wenn du ihn siehst, ergreife ihn und koste ihn aus!

    Du weißt wo du mich findest, wir werden uns wiedersehen...."
    « Letzte Änderung: 13. September 2014, 03:46:13 von Fussl »
    Danke für die Aufmerksamkeit.

    Offline Penthesilea

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #2 am: 15. September 2014, 11:38:58 »
    Hentarias Heimkehr

    „Schau dir die an“, raunte der Wächter am Osttor der Stadt Elteran seinem Kameraden zu und wies hinaus in die Ebene. „Wenn du mich fragst, das riecht nach Ärger.“
    „Wieso denn? Was meinst du?“ Der jüngere Soldat kniff die Augen zusammen und spähte angestrengt in die angegebene Richtung. Er war ein wenig kurzsichtig, doch das durften seine Vorgesetzten und die Kameraden nicht wissen. „Die sieht doch ganz harmlos aus.“
    Der andere lachte. „Wie du meinst. Nimm du sie im Empfang. Ich gehe mir die Hände waschen. Dann habe ich nichts mit der Sache zu tun.“ Und fort war er.
    Der junge Soldat schüttelte verständnislos den Kopf. Was hatte sein älterer Kamerad gemeint? Nervös geworden, wartete er, bis sich die Reisende, über die sie gesprochen hatten, dem Stadttor genähert hatte. Ein wenig sonderbar schien sie ihm in der Tat. Zumindest war sie ungewöhnlich gekleidet, und sie führte eine kleine Menagerie mit sich. Die hochgewachsene, hagere Frau mit den kurz geschnittenen, schlohweißen Haaren und der wettergegerbten, runzeligen Haut, die zeigten, dass sie nicht mehr die jüngste war, trug ein buntes, wallendes Gewand aus mehreren Stoffschichten übereinander in knalligen, kein bisschen zueinander passenden Farben. Ihr Kopf war unbedeckt, und sie trug keine Schuhe. War sie etwa den ganzen Weg durch die Ebene von Tarun barfuß gewandert? An ihrer Seite lief ein zottiger, grauer Hund, der auch für einen Wolf durchgehen würde, auf ihrer Schulter saß eine Eule, sie führte einen großen, schwarzen Esel mit sich, der ihr Gepäck trug, und aus einer der Taschen lugte ein kleines, braunes Äffchen neugierig hervor.
    Der junge Wächter baute sich in der Mitte des Torweges auf, um die Reisende aufzuhalten. Sie kam gemächlich heran, wurde langsamer und kam schließlich vor ihm zum Stehen.
    „Heraios zum Gruße, Reisende“, grüßte der Wachsoldat. „Darf ich fragen, wer Ihr seid und was Euch nach Elteran führt?“
    „Ihr dürft, junger Mann, Ihr dürft“, erwiderte sie gut gelaunt und lächelte ihn freundlich an, wobei ihre fast schwarzen Augen mutwillig blitzten. „Mein Name ist Hentaria, ich komme von Tuley her, und ich möchte in Eurer schönen Stadt den weithin bekannten Markt bereichern.“
    „Also sind dies Eure Waren, auf dem Wagen dort?“
    „Richtig. Schönes, Altes, Seltenes und Kostbares. Teileweise Dinge, die Ihr bislang auf Eurem Markt noch nie gesehen haben dürftet.“
    „Willkommen in Elteran, Frau Hentaria“, sagte der junge Soldat höflich. „Doch erlaubt mir zu bemerken, dass es ein wenig problematisch werden könnte, mit diesen vielen Tieren eine Unterkunft zu finden.“
    „Das lasst ruhig meine Sorge sein“, erwiderte Hentaria gelassen. „Darf ich eintreten?“
    Die Frau schien dem Wachmann ein wenig schrullig, jedoch harmlos zu sein. „Bitte sehr“, sagte er daher und trat zur Seite. „Ich wünsche Euch gute Geschäfte.“
    „Ich danke, junger Mann.“ Mit einem aufmunternden Zungenschnalzen brachte sie den Esel wieder zum Laufen und betrat mit einem beifälligen Nicken die Hauptstadt Arthorias.
    Der Soldat blickte ihr noch lange nach, bis sie und ihre Tiere sich im Gedränge verloren.
    „Du hast sie eingelassen?“ Sein Kamerad war unbemerkt herangekommen.
    „Natürlich. Warum denn nicht?“
    „Aus Tuley kommt sie, hat sie gesagt?“
    „Du hast uns belauscht? Dann weißt du es ja.“
    „Hast du jemals einen Reisenden aus Tuley in einer solchen Tracht gesehen?“
    „Ich habe überhaupt noch nie einen Reisenden aus Tuley gesehen“, rechtfertigte sich der junge Mann.
    „Also, wenn du mich fragst, die wird Ärger machen“, beharrte der Ältere.
    Ärgerlich runzelte der jüngere die Stirn. „Warum hast du dann nicht verhindert, dass ich sie einlasse? Du hast dich ja feige gedrückt.“
    „Na ja, ich kann’s nicht begründen“, gab der Misstrauische zu.
    „Dann wird auch nichts sein“, entgegnete der jüngere.
    „Lass uns wetten. Um zehn Alte Silbermünzen. Keine drei Wochen, und sie sorgt für Aufregung in Elteran. Einverstanden?“
    „Ich halte dagegen. Einverstanden. Wir werden nie wieder etwas von ihr hören.“
    Die beiden Männer reichten einander die Hand und klopften sich gegenseitig mit der anderen auf die Schulter. „Die Wette gilt“, sagte der Ältere zufrieden.

    Langsam, aber zielstrebig wanderte Hentaria durch die belebten Straßen und Gassen der Hauptstadt Arthorias. ‚Hier hat sich nicht viel verändert‘, dachte sie bei sich, während sie neugierig um sich blickte. ‚Ob wohl Galveen noch immer Bürgermeister ist?‘
    Sie wartete einen unbeobachteten Augenblick ab. Als sie sich allein wähnte, hob sie das Äffchen aus einem weich gepolsterten Versteck und setzte es auf dem Kopfsteinpflaster ab. Desgleichen bedeutete sie der Eule, ihre Schulter zu verlassen. Der Vogel flog lautlos auf und landete auf einem Mäuerchen. „Geht, meine kleinen Freunde, und erkundet unsere neue Heimat, bis ich euch wieder rufe.“ Die Tiere gehorchten, und die alte Frau setzte ihren Weg fort.
    Das Gedränge nahm zu, je näher sie dem zentral gelegenen Marktplatz kam. ‚Sieh an, es gibt sie also noch, die gemütliche Taverne.‘ Sie überquerte den großen Platz, umrundete das Reiterstandbild vor dem Rathaus und blieb vor dem gepflegten Fachwerkhaus stehen, welches die größte und wichtigste Taverne Elterans beherbergte, den Umschlagplatz für Informationen und Geschäfte aller Art. Während sie suchend durch die offene Tür spähte, um herauszufinden, wer sie inzwischen bewirtschaftete, kam ein junger Bursche heraus und fuhr sie an. „Mit dem Wagen könnt Ihr hier aber nicht stehenbleiben! Würdet Ihr bitte Platz machen?“
    Mit einem liebenswürdigen Lächeln zog Hentaria eine Goldmünze aus einem Lederbeutel, den sie zwischen den Falten ihres Gewandes hervorzog und drückte sie dem überraschten Jungen in die Hand. „Sei so gut und bringe ihn für mich in eurem Stall unter. Gib dem Esel Heu und Wasser. Um den Rest kümmere ich mich später persönlich.“
    Noch nie hatte der Junge von einem Gast ein so reichliches Trinkgeld bekommen. Er dienerte beflissen vor der Dame und versicherte, dass sie keinen Grund zur Klage finden würde.
    Zufrieden klopfte sie dem Esel zum Abschied auf den Hals, schnalzte mit der Zunge, woraufhin der Hund - oder war es doch ein Wolf? - an ihre Seite eilte und betrat das erste Wirtshaus am Platz.

    Noch war nicht viel Betrieb. Ein paar vereinzelte Gäste saßen im Schankraum und unterhielten sich bei Bier oder Guljakwein, und im Hinterzimmer wurde an einigen Tischen Tamoa gespielt. Hentaria suchte sich eine ruhige Ecke, von der aus sie alles im Blick hatte und wartete.
    Diensteifrig eilte der Wirt auf sie zu, aber kurz bevor er sie erreichte, blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen. „Henni? Hentaria, bist du das wirklich?“
    Sie lächelte und nickte.
    „Du meine Güte! Das ist ja eine halbe Ewigkeit her, seit du weggegangen bist. Willkommen zurück!“
    „Danke, alter Freund. Wenn du als nächstes behauptest, ich hätte mich seither kein bisschen verändert, lasse ich den Wein in deinen Fässern sauer werden.“
    „Ich werde mich hüten“, versprach der Wirt lachend. Er setzte sich wieder in Bewegung und schloss Hentaria in die Arme. „Lass uns unser Wiedersehen feiern. Was darf ich dir bringen? Geht natürlich aufs Haus.“
    „In diesem Fall fände ich eine Flasche Elteraner Schaumwein angebracht. Und setz dich ein wenig zu mir. Es gibt viel zu erzählen.“

    Stunden und mehrere Gläser Schaumwein später, nachdem Hentaria und der Wirt die guten alten Zeiten hatten aufleben lassen, hob der Wirt sein Glas und ermutigte seinen Gast, nun seinerseits zu erzählen. „Was hast du all die Jahre über getrieben, Henni? Wo hast du eigentlich gesteckt?“
    Hentaria hatte einst wie so viele andere Bürger Arthorias eine Ausbildung zur Magierin absolviert. Die ehrgeizige junge Frau hatte schnell gelernt und absolvierte alle Kämpfe und Aufgaben stets mühelos. Sie hätte es weit bringen können in einem der Bündnisse, doch zum Erstaunen aller hatte sie sich ebenso geweigert, sich dem Licht anzuschließen, wie sie sich gegen eine Mitgliedschaft im Bündnis der Dunkelheit verwahrt hatte. Was umso unverständlicher war, da sie sich schon frühzeitig aufs Feilschen und den Handel spezialisiert hatte. Beide Bündnisse hätten sie gerne in ihren Reihen gewusst, auf dass sie von Hentarias günstigem Warenangebot hätten profitieren können. Doch sie weigerte sich standhaft, und so fand man ihre Handelsgüter lediglich in der allgemeinen Markthalle, wo sie jedoch gute Geschäfte zu machen verstand. Stets verfügte Hentaria über die seltensten Gegenstände, und was sie nicht anbieten konnte, wusste sie innerhalb kurzer Zeit zu besorgen. So waren alle Magier maßlos enttäuscht gewesen, als Hentaria einst von einem Tag auf den anderen ihre Zelte in Elteran abbrach, ihr Anwesen verschloss, ihre Lagerhallen räumte und mit unbekanntem Ziel aus der Stadt verschwand.
    „Wo ich gesteckt habe? Ich war auf Reisen.“ Mit leuchtenden Augen berichtete die heimgekehrte Hentaria dem Wirt von den wundersamen Ländern, die sie bereist hatte. Sie war im hohen Norden gewesen, wo ewiges Eis und Schnee die Erde bedeckten und klirrende Kälte herrschte, sie hatte Regenwälder besucht, in denen nie gekannte Pflanzen wuchsen und Tiere lebten, die sich selbst Arthorianer, welche wahrhaftig eine artenreiche Fauna gewohnt waren, nicht vorstellen konnten. Sie hatte Wüsten durchquert, gegen die die Wüste von Tarun geradezu winzig schien und Sumpfländer, wohinein der Sumpf von Gelan ein paar tausend Mal gepasst hätte. Sie hatte Ozeane befahren und Berge bestiegen, Höhlen erkundet und fremde Städte besucht. Und überall hatte sie es verstanden, sich mit den Einheimischen anzufreunden und mit ihnen gehandelt, Waren getauscht, gekauft und verkauft. Sie hatte sich zeigen lassen, wie man Schlangenleder und Echsenrüstungen herstellt und geheimnisvolle Rezepte gelernt.
    „Es war eine wunderbare Zeit.“ Seufzend lehnte sie sich zurück und nippte an ihrem Glas. „Doch nun bin ich alt geworden, und das Unterwegssein fällt mir schwer. Das Reiten oder Fahren ist nichts mehr für meine morschen Knochen.“
    „Nun übertreibst du aber“, widersprach der Wirt.
    „Wie auch immer, nun bin ich wieder hier. Es wird Zeit, dass ich mich zur Ruhe setze. Vermietest du mir ein Kämmerchen, bis ich mein Anwesen wieder bewohnbar gemacht habe?“
    „Nichts lieber als das“, versprach der Wirt. „Wirst du dich nun wieder der Magie zuwenden?“
    Hentaria schüttelte den Kopf. „Nein, das habe ich nicht vor. Das Kämpfen strengt mich zu sehr an, und das Kräutersammeln ist mir zu mühsam. Mein Lieber, ich bin nicht mehr die Jüngste.“
    „Aber wovon willst du leben, liebe Freundin?“
    „Hier, mein Bester, kommst du ins Spiel. Ich hoffe, du bist bereit, mir ein wenig Unterstützung angedeihen zu lassen?“
    „Wie meinst du das?“ Misstrauisch und neugierig zugleich beugte der Wirt sich vor.
    „Wie ich bereits sagte, habe ich von meinen Reisen viele interessante und kostbare Dinge mitgebracht. Ich wäre bereit, diese gelegentlich zum Tauschhandel anzubieten. Da ich nicht mehr gewillt bin, regelmäßig zu arbeiten, hatte ich gehofft, dass du mir hin und wieder eine Ecke in deiner Taverne dafür zur Verfügung stellst. Es soll auch dein Schaden nicht sein.“
    Die Augen des Wirts begannen zu leuchten, während er sich bereits lebhaft vorstellte, wie die Magier herbeiströmten, um Hentarias seltene Waren einzutauschen und dabei natürlich auch seine Angebote konsumieren würden. „Aber selbstverständlich, meine Liebe“, versprach er.
    „Wunderbar“, lobte Hentaria und hob ihr Glas. „So lass uns auf unsere alte Freundschaft und unsere neue Geschäftsbeziehung trinken.“
    „Auf uns!“ Der Wirt winkte dem Schankburschen, der eine frische, eisgekühlte Flasche Schaumwein brachte, geschickt entkorkte und die Gläser nachfüllte, bevor er sich diskret zurückzog und seinen Chef mit dem offensichtlich wichtigen Gast allein ließ.
    „Auf eine gute Zusammenarbeit.“ Hentaria stellte ihr Glas ab, ohne zu trinken. „Und nun, mein Lieber, bist du an der Reihe mit Erzählen. Was hat sich in den Jahren meiner Abwesenheit in Elteran zugetragen?“ Sie lehnte sich zurück und lauschte interessiert den Worten des Wirts, der, wie sie wusste, über alles in Elteran im Bilde war. Endlich war sie heimgekehrt.

    „Ich habe meine Wette gewonnen. Her mit dem Geld!“ Der Wachsoldat der Stadtwache hielt seinem Kameraden herausfordernd die Hand entgegen.
    „Wieso?“
    „Erinnerst du dich etwas nicht an die Reisende vor drei Wochen? Die alte Frau mit dem Eselskarren und den seltsamen Tieren?“
    „Doch, natürlich. Aber wir hatten gewettet, ob es ihretwegen in der Stadt Ärger oder Aufregung gibt. Ich habe nichts von Unruhen gehört. Sie hat sich in der Oberstadt niedergelassen und führt ein friedliches Leben, fällt niemandem zur Last, hält sich aus den ewigen Bündnisquerelen heraus und…“
    „Nun ja, das mag sein“, unterbrach ihn der andere ungeduldig. „Aber hast du nicht von ihren merkwürdigen Geschäften gehört? Sie trifft sich in der Taverne mit Magiern zu obskuren Tauschgeschäften. Viele fühlen sich von ihr übervorteilt, und doch rennen alle zu ihr, weil sie einzigartige Waren anbietet. Sie bringen sich in Gefahr, um ihr im Gegenzug Dinge anzubieten, die sie angeblich für irgendwelche Kunden, die man aber niemals zu Gesicht bekommt, benötigt. Wenn das kein Ärgernis ist?“
    „Das sehe ich nicht so. Sie zwingt ja niemanden, mit ihr zu handeln und zu tauschen. Vergiss deinen Wettgewinn. Ich behalte meine Silbermünzen.“
    „Sapperlot! Du bist ein Betrüger, Kamerad!“
    „Das nimmst du sofort zurück!“
    „Ich denke nicht daran!“
    „Meine Herren? Wenn ich Euch kurz unterbrechen dürfte?“
    Die beiden Soldaten verstummten ertappt und fuhren herum. Vor ihnen stand niemand anders als – Hentaria! Heute trug sie Schuhe aus Schlangenleder, aber ihr buntes Gewand war auffallend wie eh und je. An ihrer Seite hielt sich der wolfsartige Hund. Von den übrigen Tieren war jedoch keines zu sehen.
    „Gnädige Frau? Was können wir für Euch tun?“ Der jüngere hatte sich zuerst gefasst.
    „Ich kam nicht umhin, einen Teil Eurer Unterhaltung mit anzuhören“, sagte sie lächelnd. „Ihr gabt Euch nicht gerade Mühe, besonders leise zu sprechen.“
    Beschämt senkten beide den Kopf.
    „Nun, was Eure Wette angeht, fühle ich mich geschmeichelt, in deren Mittelpunkt zu stehen.“
    Die beiden erröteten.
    „Nun bin ich allerdings nicht der Meinung, dass meine Person oder meine Tätigkeit in Elteran ‚Ärger‘ hervorgerufen hat. Gebt Ihr mir darin Recht?“
    „Vollkommen!“, rief der jüngere, während sein älterer Kollege, der dagegen gewettet hatte, herumdruckste und ein verlegenes „Hmm“ hervorbrachte.
    „Danke, meine Herren.“ Hentaria schenkte ihnen ein strahlendes Lächeln. „Allerdings wäre ich wirklich enttäuscht, wenn sich von mir nicht sagen ließe, dass ich, nun, nennen wir es einmal, einiges Aufsehen erregt habe. Wie seht Ihr das, werte Krieger?“
    Während der jüngere noch überlegte, was sie mit ihrer blumigen Formulierung wohl gemeint haben könnte, nickte der ältere zustimmend. „Das würde gewiss niemand behaupten, gnädige Frau. Ihr und Euer Antiquitätenhandel seid in aller Munde.“
    Sie zwinkerte ihm zu. „Das zu vernehmen freut mich außerordentlich. Somit habt Ihr Eure Wette gewissermaßen gewonnen.“
    „Ha! Sag‘ ich doch!“, triumphierte er.
    „Gemach, gemach“, mahnte Hentaria. „Auch Euer Kollege behielt Recht, denn ich habe wie gesagt niemanden jemals verärgert und auch nicht vor, es dazu kommen zu lassen.“
    „Bitte, da hast du’s“, trumpfte jetzt der jüngere Soldat auf.
    Hentaria lachte und brachte einen abgewetzten Lederbeutel aus den Tiefen ihrer Robe zum Vorschein. „Vergesst Euren Hader. Nehmt diese zehn Alten Silbermünzen von mir und teilt sie Euch redlich. Trinkt auf mein Wohl und empfehlt meine Dienste allen Magiern und Reisenden.“
    Verblüfft nahm der ältere der beiden Stadtwachen die unerwartete Gabe entgegen. Noch ehe einer von beiden ein Wort des Dankes hervorgebracht hatte, war Hentaria verschwunden.

    Penthesilea, 15. September 2014






    Wo ein Wille ist, da ist auch ein Problem.

    Offline Snowwhitepink

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #3 am: 16. September 2014, 17:06:35 »
    Jukal


    Ich heiße Jukal, meines Zeichens Alchimistenlehrling und ehemaliger Schafhirte. Mein Meister ist niemand anderes als der große Milenius. Wie kann das sein , werdet ihr euch fragen ,denn Milenius ist schon lange fort und sein Labor ein eher ungemütlicher Ort, so hört denn meine Geschichte:

    Der Sommer war sehr heiß, die Felder und Wiesen von der sengenden Sonne ausgedörrt.Selbst der Mindori floss nur noch als ein trübes kleines Rinnsal durch Elteran.Meine Herde bestand nur noch aus 23 Tieren und so beschloss ich sie in die Hochtäler der Berge von Tuley zu treiben. Ich hoffte dort noch Futter zu finden und auch die ein oder andere Quelle. Es waren mir zwar Gerüchte über Monster, Orks und andere Gefahren zu Ohren gekommen,aber erstens hielt ich das meiste für Schauergeschichten und zweitens hatte ich keine Wahl denn der Verbleib in Elteran wäre zumindest für meine Herde das sichere Ende.
    Der Weg dahin war lang und beschwerlich,aber ohne besondere Vorkommnisse denn das Land war auf Grund der brütenden Hitze verlassen.Wir schafften es indem wir die Kühle des anbrechenden Morgens und die Abenddämmerung ausnutzend abseits der üblichen Reiserouten wanderten. Meine Schafe schienen zu spüren das am Ende der Reise saftige Weiden warten würden, denn sie legten ein gehöriges Tempo vor. Eins noch: ich glaub ich hab noch nie in meinem Leben soviel Staub geschluckt.
    Terraia hielt beide Arme über uns,wir fanden tatsächlich ein kleines Tal mit einer Quelle und saftigen Kräutern. Das diese eine ganz besondere Wirkung hatten sollte ich allerdings später noch erfahren. Von der langen Reise erschöpft schlug ich schließlich ein kleines Lager auf,sah noch mal nach den friedlich grasenden Schafen und fiel schließlich in einen tiefen traumlosen Schlaf.
    Fröstelnd vom Morgentau erwachte ich am nächsten Morge und dachte das ein kleines Feuerchen mir nicht nur etwas Wärme spenden sondrn auch zu einer Tasse Tee und einem warmen Frühstück verhelfen würde. Einige vertrocknete Büsche  sollten mir das dazu nötige Feuerholz spenden. Ich nahm  also meine kleine Handaxt und machte mich ans Werk. Merkwürdigerweise stieß ich beim ersten Schlag auf überhapt keinen Widerstand, der Busch flog nur so beiseite. Verdutzt bemerkte ich nun das die Büsche wohl von jemandem aufgestellt worden sein mussten um...ja um was denn?
    Eine im Felsen versteckte Tür mit eingemeißelten Zeichen war wohl des Rätsels Lösung.
    Runen! Solche hatte ich schon mal gesehen. Der Dorfmagier unseres Ortes hatte in den Winternächten den Kindern Unterricht gegeben.Hm...mühsam kramte ich in meinem Gedächtniss.
    Tod-Leben-Heilung- Schmerz....GLEICHGEWICHT...Heraios sei Dank....
    Die Tür offnette sich mit einem sandigen Knirschen. Ein dunkler Gang dessen behauende Wände grünlich floureszierend schimmerten tat sich dahinter auf. Warnungern von Generationen schossen durch meinen Kopf, schließlich siegte aber meine Neugier. Vorsichtig erkundete ich den sich in den Berg windenden Gang, der sich am Ende zu einen großen Raum erweiterte. Auch hier spendete das grünliche Leuchten ein fahles unheimliches Licht. Innerlich schimpfte ich mich einen Dummkopf,eine Fackel hätte bestimmt gute Dienste geleistet. Aber auch so konnte ich erkennen das der Raum vollgestopft mit Apparaturen und Regalen ,in denen seltsame Gefäße mit rätselhaftem Inhalt standen, einen sonst verlassenen und schon lange nicht benutzten Eindruck machte. Über einem großem , mit Schriftrollen überladenem, Tisch sah ich die Zeichen der drei Gottheiten : Terraia, der schreckliche Currulum und in der Mitte Heraios, Göttin des Gleichgewichts und Beschützerin der Schwachen. Darunter lagen auf einem Absatz drei große Steine.
    Ich trat näher und bemerkte ein in einer dunlen Ecke verborgenes Lesepult mit einem aufgeschlagenen Folianten.
    Was jetzt kommt ist klar liebe Zuhörer: Ich schnappte mir das Buch und trat erst mal den Rückzug an.....Dachte ich.
    Ich drehte mich um und wollte auf demselben Weg zurück auf dem ich gekommen war...aber.....
    eine nebelhaft verschwommene Gestalt, deren Umrisse an einen alten Mann erinnerten versperrte mir den Weg. Die Stimme, mehr ein verzerrtes Flüstern, fragte mich: " Wer bist du ?...Was machst du hier in meinem Labor?..... Wo sind die Anderen?"
    "Jujujujukal...heiße ich...u..u...und...ich bin allein!"
    "Sssooo.....Jujujujukal...allein also.....aaah....."

    Leute! Ich schwör euch, in diesem Augeblick rutschte mein Herz Richtung Fußboden und das Klappern was ich hörte kam von meinen aufeinanderschlagenden Zähnen. Allerdings schien von der
    wabernden Gestallt keine unmittelbare Gefahr auszugehen. Bei genauem Betrachten stand vor mir nur ein alter Mann mit zwar verschwommenen, aber durchaus angenehmen Gesichtszügen, dessen Augen ein gewisses wohlwollendes Interesse verhießen.
    Ich nahm also meinen ganzen Mut, jedenfalls das was ich noch aufbringen konnte , zusammen und sagte:" nur Jukal...mit Verlaub...darf ich fragen wer ihr seid?"
    Die Getalt schien sich etwas zu verfestigen.
    "Ich bin Milenius....Meister der Alchemie....Lehrer der hohen Schule von Elteran ."
    "Wie du vielleicht bemerkt hast..bin ich nicht so ganz....hm...bei mir. Es gab einen klitzekleinen ....sagen wir...Zwischenfall. Ach ...öhm..leg doch bitte das Buch aus der Hand, es könnte in den Händen von Narren großen Schaden anrichten."

    Milenius, der Meister der Tränke und Kräuter, der große Beherrscher magischer Künste...wenn ich...aber nein...oder doch? Der alte Mann schien sich in Schwierigkeiten zu befinden.
    "Meister, kann ich euch irgendwie helfen?" Ich hatte zwar keinen blassen Schimmer wie, aber irgendeine Lösung sollte doch zu finden sein.
    "Helfen?...du?...du bist ein Kind....grad des Lesens und Schreibens mächtig...und der Weg ist lang ...sehr lang!"
    Trotzig hob ich mein Kinn. "Aber ich kann lernen. Und ...ich kenn mich ein bischen mit Kräutern aus."
    Durch das Labor schallte Gelächter. "Er kennt sich mit Kräutern aus.....hihihihi...weißt du Tor auf was du dich da einläßt?....aber hm wenn ich drüber nachdenke...ein Versuch ist es immerhin wert.
    Betrachte dich von nun an als meinen Lehrling. Nimm als erstes diese Spruchrollen, aber sei vorsichtig, vergewissere dich das niemand in der Nähe ist wenn du sie anwendest.Komm dann zu mir zurück."
    Mit den Spruchrollen unterm Arm und einem unbeschreiblichen Gefühl der Freude verließ ich das Labor. Draußen schien die Sonne , die Schafe , die ich schon fast vergessen hatte grasten friedlich in der Nähe. Ich setzte mich auf eine Stein und begann die Schriftrollen zu studieren. Der Worte meines Meisters eingedenk schaute ich mich nochmal um. Niemand da. Langsam sprach ich die Beschwörungsformel.
    Nichts......aber auch gar nichts passierte. Hm. Mal die Nächste ausprobieren. Wieder nichts.
    "Du musst die Formel rückwärts lesen" sagte EIN SCHAF zu mir.
    Ich fiel vom Stein. Als ich wieder zu mir kam schaute ich in die besorgten Gesichter meiner......Schafherde!!!
    "Das wird schon wieder ...mäh. Guckt mal sein Gesicht bekommt Farbe...mähähähä."
    Die Spruchrolle! Mir fielen die Worte des Meisters ein. Niemand sollte in der Nähe sein. An meine Schafe hatte ich dabei wohl nicht gedacht. Ziemlich kleinlaut und zerknirscht schlich ich zu Milenius zurück und beichtete mein Mißgeschick.
    Der Meister sah mich ernst an. "jetzt siehst du was dabei herauskommt wenn man mit Magie experimentiert......leider ist der Zauber nicht mehr rückgängig zu machen. Ein richtiges Dilemma.
    Ich denke du solltest erst mal deine Kunst auf Kräuter und Tränke beschränken. Es gibt in Elteran eine Zauberin die sich auf so etwas spezialisiert hat. Geh zu Selaya .Hier, nimm dieses Empfehlungsschreiben und komm erst zurück wenn du diese Kunst beherrschst."
    "Aber meine Schafe! was wird aus meinen Schafen?"
    "Mach dir um diese keine Sorgen......das sind magische Schafe....hihi.....mit Sicherheit eine Bereicherung der Elteraner Öffentlichkeit."

    Jaa, liebe Zuhörer , so bin ich also an meine Alchemistenlehre gekommen. Selaya hat mich dann schließlich aufgenommen. Im Laufe der Zeit hab ich dann herausgefunden das die Spruchrolle in Verbindung mit den Kräutern die Ursache meines mißglückten Zaubers war. Was aus Milenius geworden ist weiß ich allerdings nicht, ich werde aber nach Beenden meiner Studien noch mal in sein Labor gehen.
    Und meine Schafe.....hihi...guckt doch mal im Stall bei einer ganz bestimmten Gilde vorbei.....




    "ich muss das schließlich wissen......mäh  ;) ;-)."..Kiera Schaf.....*alles notiert hat und zustimmend nickt*




    « Letzte Änderung: 05. Oktober 2014, 09:33:55 von Snowwhitepink »
    Mich muss man sich nervlich erst mal leisten können
    Kiera

    Offline MajinPiccolo

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #4 am: 18. September 2014, 19:03:11 »
    Orlin, der Forscher

    geschrieben von einem Chronisten im Auftrag Telans


    Vorwort

    Gegrüsst seid ihr, werter Leser und werte Leserin, bei diesem Werke über einen unserer bekanntesten Bürger Elterans, dessen Expeditionen und Entdeckungen ihm nicht nur Ruhm und Ehre in seiner Heimatstadt einbrachten, sondern seine Bekanntheit weit hinaus über die Grenzen Arthorias trugen. Viele Bewohner haben von seinen Entdeckungen gehört oder sich die Geschichten über seine Taten in seinen eigens für die Öffentlichkeit verfassten Büchern in der Bibliothek zu Gemüte geführt. Doch wer ist die Person hinter den Geschichten? Was ist Wahrheit und was wurde schon zur Legende?

    Um ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen, wurde ich persönlich von Telan, dem Bibliothekar als Chronist für dieses Werk auserkoren. Aufgrund von Telans Erzählungen, persönlich gesammelten Erfahrungen als Begleiter von Orlin auf seinen Forschungsreisen und den Lobpreisungen einer Vielzahl von Elterans Einwohnern versuche ich seinem Namen und seinem Leben mit diesem schriftlichen Beitrag an die Gesellschaft gerecht zu werden.


    Kindheit und Jugend

    Orlin wuchs in einem kleinen Anwesen, nicht weit außerhalb der Hauptstadt von Arthoria, auf. Seine Eltern gehörten dem Mittelstand an; nicht zu ärmlich, jedoch auch nicht als wohlhabend oder gar reich angesehen. Die Darverhons kümmerten sich während seiner gesamten Kindheit streng, aber fürsorglich um ihren einzigen Sohn und sorgten dafür, dass er eine unbeschwerte Kindheit erleben konnte.
    Schon früh begannen sie ihm das Lesen beizubringen, denn sie wollten, dass er eines Tages einmal ein grosser Gelehrter wird und den in Elteran hochdekorierten Beruf des Bibliothekars übernimmt. Abseits dieses privaten Unterrichts tollte er gerne einmal fröhlich durch den Garten, hinaus in den naheliegenden Wald. Er erkundete Bäche und nahegelegene Höhlen, doch war er sich in diesem Alter der lauernden Gefahren dort draussen in der Wildnis rund um Elteran nicht bewusst. Mehr als einmal hallte es „Wie oft hab ich dir schon gesagt...“ oder „Weisst du denn nicht wie gefährlich es da draussen ist?“ durch das Anwesen, wenn Orlin einmal mehr mit einer kleinen blutigen Verletzung oder einem verstauchten Handgelenk nach Hause kam. Doch das kleine Kind liess sich nicht entmutigen. Wie sollte es auch? Die Neugierde auf die Dinge dort draussen war viel zu gross!

    Es sollte noch einige Jahre dauern, bis auch seine jüngere Schwester Oriana das Licht dieser Welt erblickte, doch zuvor geschah etwas, was seine weiteren Lebensjahre für immer prägen würde:
    Im Alter von 10 Jahren erkundete er einmal mehr die naheliegenden Wälder und Höhlen, als er in der Dunkelheit einer Felsgrotte ein leises Wimmern vernahm. Neugierig, um was es sich dabei handeln könnte, kletterte er bis auf den Grund der Grotte hinab um im fahlen Tageslicht, das durch eine Spalte in der Höhlendecke Einlass ins Dunkel fand, ein kleines, am Bein verletztes Goblinkind zu finden. Jeder normale Bewohner Elterans hätte in diesem Moment wohl mit Furcht oder Aggression reagiert, doch in Orlins Augen zeichneten sich Mitleid und Güte für dieses hilflose Wesen ab. Das Goblinkind gab verängstigte Laute von sich und knurrte, während es versuchte ein Stück vom jungen Orlin wegzukriechen, was jedoch mit heftigem Schmerz verbunden schien. Orlin näherte sich ihm langsam und mit einer beruhigenden Geste seiner Hand. Als der kleine Goblin dies wahrgenommen hatte und sich ein wenig beruhigte, suchte sich Orlin einen graden und stabilen Ast, nahm ein Stück seines Hemdes und riss es mit Hilfe eines scharfkantigen Steines in mehrere Streifen. Provisorisch stabilisierte er damit das verletze Bein des Goblinkindes und nahm dieses auf den Rücken, um mit ihm den Aufstieg aus der Felsgrotte anzugehen. Oben angekommen schien ihm das Glück jedoch nicht mehr hold zu sein. Er sah sich umzingelt von Goblinhorden und die Tatsache, dass er ein wimmerndes und verletztes Mitglied ihrer Art auf dem Rücken trug tat ihr Übriges. Dieses Mal war es Orlin, der zum ersten Mal in seinem Leben Angst verspürte und merkte wie unüberlegt es war alleine loszuziehen.
    Die Goblins begannen auf ihn loszustürmen und als er sein Ende schon nahezu vor sich sah, erstarrten sie einfach alle. Orlin blickte sich um und erspähte einen Mann hinter sich. Einzig der Stab verriet ihn als Magier, seine Aufmachung jedoch bestand eher aus alter staubiger Lederkleidung, einem komischen Hut und einer Dschungelliane, aufgerollt und am Gürtel befestigt. Er half Orlin dabei, das kleine Goblinkind vorsichtig zwischen den erstarrten Goblinkriegern abzusetzen und staunte nicht schlecht über die hervorragend improvisierte Beinstütze, die er an dem verletzen Wesen erblickte. Anschliessend nahm er Orlin an der Hand und brachte ihn von dort weg. Als der Magier den Starre-Zauber auflöste, konnte Orlin von Weitem grade noch so erkennen, dass sich die Goblins beruhigten, sich um seinen kleinen Freund kümmerten und ihn versorgten.
    Zuhause angekommen erfuhren die Darverhons alles was passiert war und rügten Orlin einmal mehr doch nicht immer so neugierig und wesentlich vorsichtiger zu sein, wenn er in die Wälder um Elteran ging. Die Sorge war nicht vollkommen unbegründet, denn zu dieser Zeit begannen die ersten vermehrten Sichtungen gefährlicher Kreaturen in und um Elterans Umland. Aber Orlins Eltern wussten auch, dass ihre warnenden Worte nicht lange Gehör bei ihrem Sohn finden würden.

    Wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, ein Glücksfall, denn auch der unbekannte Magier erkannte das Potenzial in dem Jungen, den er vor sich hatte. Er stellte sich der Familie als Hendrik Ionius Jr. vor, von Beruf Abenteurer und Forscher. Sein Vater Hendrik Ionius Sr. war gemäss seiner Erzählung ein Studienfreund des bekannten Milenius, selbst vorrangig Forscher und Abenteurer. Orlins Eltern luden den Mann zum Essen ein und so erzählte dieser am Esstisch von Abenteuern und Geschichten, welche er auf seinen Reisen durch Arthoria erlebt hatte. Orlin vernahm gespannt jedes von Ionius‘ Worten und saugte die Erzählungen über Drachen, Wölfe in Menschengestalt, Frauen mit Schlangenköpfen als Haar und andere mythische Wesen aus verschiedenen Kulturen Arthorias förmlich auf. Noch bevor er die Familie wieder verliess, gab Henrik Ionius Jr. dem jungen Orlin ein Versprechen: Sobald er wieder einmal in der Gegend um Elteran sein sollte, würde er ihn auf einen kleinen Ausflug ins Umland von Elteran mitnehmen. Bis dahin sollte Orlin weiterhin Bücher lesen und sich Wissen aneignen, was dieser voller Tatendrang auch sofort und zur Freude seiner Eltern anging.
    Im Verlauf der folgenden Jahre wurde Orlin oft von dem Forscher mit dem Abenteurerhut besucht. Er lehrte ihn Techniken für das Überleben in der Wildnis und wie sich nach und nach herausstellen sollte, hatte auch der junge Orlin eine Begabung für die Magie...


    Die Studienzeit und seine Errungenschaften als Forscher

    Als junger Erwachsener begann für Orlin ein besonderer Lebensabschnitt mit dem Beitritt an der Akademie für arkane Künste in Elteran. Besondere Erwähnung sollte hierbei die gemeinsame Studienzeit mit zwei anderen berühmten Elteraner Persönlichkeiten finden: Selaya, der Alchemistin und Telan, dem heutigen Bibliothekar.
    Es war erstaunlich, wie diese drei jungen Leute während ihrer Studien in Elteran eine so enge Bindung zueinander knüpften und auf der Akademie wahrlich Grossartiges leisteten, dass sie sogar noch heute in aller Munde sind. Orlin war zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem stattlichen jungen Mann gereift, welcher nichts von seiner kindlichen Neugierde verloren zu haben schien. Weltoffen und wortgewandt hatten auch die jungen Damen ein Auge auf ihn geworfen. Selaya war der Spassvogel der Gruppe. Sie hatte stets ein Lachen auf den Lippen und verstand es ihre Weiblichkeit hinter ihrer Selbstsicherheit und dem kameradschaftlichen Auftreten zu verstecken. Telan dagegen war das komplette Gegenteil von Orlin. Schüchtern, zurückgezogen und obwohl sie im gleichen Alter waren, wirkte Telan doch wesentlich älter, ja sogar reifer und erwachsener als Orlin.

    Die Drei absolvierten ihr Studium des Arkanen mit Auszeichnung. Während Selaya sich nebenher zur Alchemistin ausbilden liess, da sie auf diesem Gebiet gegenüber den beiden Männern einen klaren Wissensvorsprung hatte, beendeten Telan und Orlin ihre Ausbildung zum Schriftsteller. Was das theoretische Wissen anging hatte der zurückgezogene Telan einige leichte Vorteile gegenüber Orlin. Insbesondere in der Symbolik und der Mythologie war Telan dem jungen Orlin überlegen. Das störte diesen jedoch nicht besonders. Vielmehr hatte er einen tief empfundenen Respekt für seinen schüchternen Studienfreund übrig, der sich am Ende auch in der weiteren Wahl ihrer Berufswege verdeutlichte. Für Orlin war schon früh erkennbar geworden, dass er dem Wunsch seiner Eltern nicht entsprechen könnte der Bibliothekar der Stadt Elteran zu werden. Die Freundschaft zu Telan bekräftigte ihn letzten Endes in seinem darauffolgenden Entschluss. Als es für die beiden Schriftsteller an der Zeit war sich auf eine Berufsrichtung zu spezialisieren und Telan sich dafür entschieden hatte den Weg des Bibliothekars einzuschlagen, verzichtete Orlin darauf sich in dieselbe Richtung weiterzuentwickeln. Vielmehr stand seinem sehnlichsten Wunsch jetzt nichts mehr im Wege: Wie sein grosses Vorbild Hendrik Ionius Jr. würde er den Weg des Forschers beschreiten und die Welt auf eine praktische Art und Weise erleben, anstatt in verstaubten Büchern herumzuwälzen. Durch seine Studien und die Ausbildung hatte er sich auch die Eigenschaft angewöhnt alles akribisch auf einen Notizblock aufzuschreiben, den er immer bei sich trug. Wie wir heute wissen, waren diese beiden Entscheidungen ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung zu jenem Forscher, den wir heute kennen und lieben...

    Von nun an dürfte der gewillte Leser wieder ein wenig besser informiert sein, denn ab diesem Zeitpunkt begann Orlin durch seine Reisen, Entdeckungen und Errungenschaften an dem Ruf zu arbeiten, den er heute besitzt.
    Früh brachte er uns die Kultur der Goblins in seinem Werk „Das Sozialverhalten der Goblins“ nahe, er erweiterte unseren Horizont durch seine Reisen zum Galja Archipel damit, dass es auf dieser Welt tatsächlich noch lebende Drachen gibt (sein Reisebericht hierzu ist nachzulesen unter dem Werk „Das Reich der Drachen“) und er warnte uns vor gefährlichen Kreaturen, welche allein durch ihre Grausamkeit unser Weltbild erschüttern können (nachzulesen als Forschungsbericht unter dem Titel „Die verfluchte Insel“).
    Auf seinen Forschungsreisen, zu deren Unterstützung er auch gerne immer wieder einige abenteuerlustige Magiekundige als Begleitung anheuert, entdeckt er ein ums andere Mal neue, von der modernen Zivilisation bisher verschont gebliebene Gebiete mit fremdartigen Kulturen oder gar Kreaturen. Seine spannenden Forschungsberichte und selbstverfassten Werke werden in Elterans Bibliothek besonders gern von jungen Studenten gelesen, welche sich diesen Mann als Vorbild ausgesucht haben und ihm nachstreben.
    Doch Orlin selbst ist in all den Jahren bescheiden geblieben. Er hat seine kindliche Neugier beibehalten, die ihn mal um mal zu neuen Leistungen anspornt und seine Triebfeder für all diese wichtigen Expeditionen und Entdeckungen ist. Seine Güte und Rücksicht gegenüber jeder fremden Kultur, welcher er begegnet, öffnet ihm immer wieder neue Türen zur Sammlung von Erkenntnis.

    Ein paar Erzählungen kursieren in der Taverne Elterans, die viele unserer Bürger noch nicht über ihn gehört haben mögen. Trotz der tief empfundenen Freundschaft zwischen Orlin und Telan, soll es doch auch öfter Streitigkeiten und Uneinigkeit zwischen den beiden geben. Gerüchten zufolge soll der Auslöser der Streitigkeiten dabei Selaya sein. Dem ein oder anderen ist vielleicht bekannt, dass Orlin Selaya nach seinen Reisen öfter einmal einen Besuch abstattet und ihr exklusiv über seine Abenteuer berichtet. Andere behaupten der Grund wäre Oriana, Orlins jüngere Schwester, mit welcher Telan bereits mehrmals gesehen worden sein soll.
    Ein weiteres Gerücht besagt er wäre schon vermehrt auf seinen Reisen auf Symbole, Gerätschaften oder andere Dinge gestossen, die ein Hinweis auf eine bislang unbekannte Gruppierung von mysteriösen Magiern sein sollen.
    Wir können uns glücklich schätzen, dass wir Leser uns dabei lieber an die wirklichen Fakten halten. Ein treffendes Beispiel hierfür wäre Orlins abenteuerlicher Erfindergeist und seine magische Begabung. Bis zum heutigen Tage wissen viele nicht, dass er der Erfinder der Spruchrolle: Medusas Erbe ist. Zwar mehr durch einen Zufall, als beabsichtigt, doch selbst seine nicht ganz ausgeprägten Kenntnisse im Bereich der Symbolik retteten ihm damals wohl sein Leben (nachzulesen als Forschungsbericht unter dem Titel „Die verfluchte Insel“).

    Wo Orlin sich zur Zeit aufhält, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Jedoch reist er mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder durch die entlegensten Winkel Arthorias, immer auf der Suche nach Abenteuern und Entdeckungen, welche ihn bei seinen Forschungen weiter voranbringen.


    Schlusswort

    Zum Abschluss dieser kleinen Exkursion über Orlins bisheriges Leben, möchte ich meinem Auftraggeber Telan danken, dass er mir die Möglichkeit gab nicht nur über einen der bekanntesten Bürger Elterans zu schreiben, sondern ihn auch ein Stück weit auf einigen seiner Reisen zu begleiten. Diese Erlebnisse halfen mir sehr dabei eine Einschätzung des Mannes hinter dem grossen Namen zu erhalten und auch persönlich von seiner Kindheit und Jugend zu hören.
    Desweiteren sollte noch erwähnt werden, dass Telan selbst einen Grossteil dieser Biographie mit Erzählungen aus seiner eigenen Sicht und jenem, was ihm Orlin persönlich erzählt hatte, ergänzte. Entgegen den vielen kursierenden Gerüchten über Streitigkeiten, war es ihm wichtig, dass die Geschichte seinen Freund Orlin, den Forscher richtig in Erinnerung behält und ihn noch mehr schätzen lernt, in der Hoffnung, dass dieser nicht grade zu seiner letzten Forschungsreise aufgebrochen ist und uns noch eine Fülle neuer Erkenntnisse, Entdeckungen und Abenteuer aus seinem Leben näher bringen wird.



    geschrieben von MajinPiccolo
    « Letzte Änderung: 03. Oktober 2014, 21:11:52 von MajinPiccolo »




    Offline Voltan

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #5 am: 24. September 2014, 23:24:00 »
    Jukal's Erwachen
    aus: Briefe an meinen Sohn

    Nun, mein Kind, ich weiß nicht, wie oft ich in Zukunft dazu kommen werde, dir von meinen Eltern zu erzählen – geschweige denn, wie ich begonnen habe, mich für Alchemie zu interessieren. Ich bin entweder zu oft auf Reisen,verkrieche mich bei meinen Experimenten in meinem Labor oder aber sitze tagelang in der Bibliothek und lasse mich von Telan und seinen  Gehilfen mit Büchern und Pergamenten regelrecht einmauern. Nein, ich möchte dir nun etwas schreiben, dass das Leben deines Vaters näher beleuchtet. Wer weiß? Vielleicht sterbe ich bald, ohne dir etwas erzählen zu können? Vielleicht sterbe ich eines Tages in meinem Labor oder auf einer Reise und komme nicht dazu, dir so viel zu erzählen, wie ich es jetzt möchte? Vielleicht erschlägt mich deine geliebte Mutter eines Nachts, wenn ich wieder einmal zu lange über meinen Experimenten brüte und sie durch das laute Knallen von Suden und Destillaten um den Schlaf gebracht wird?

    Aber nun zur Alchemie – oder besser gesagt: der unkonventionellen Alchemie meines Lebens.
    Meine Mutter Alara war die Tochter eines Bauern, die regelmäßig für den Elteraner Viehmarkt einige Kräuter sammelte, um sie dort gegen ein paar Goldmünzen verkaufen zu können. Sie traf meinen Vater auf einem jener Märkte und sie verliebten sich, so sagte meine Mutter mir vor ihrem Tode, dort ineinander. Mein Vater, der in seinem Umfeld als stummer, mürrischer Einsiedler bekannt war, soll wohl maßlos übertrieben um sie geworben haben - doch mehr hat mir meine Mutter nie erzählt.
    Jarn, mein Vater, war entgegen dessen, was einige Leute in Elteran behaupteten, keinesfalls mürrisch oder stumm, sondern lebensfroh, neckisch und herzensgut. Er war – wie auch sein Vater vor ihm – ein Alchemist, der nach einer leidgeplagten Jugend von einem großen Alchemisten aufgenommen und unterrichtet wurde. Dieser Mann beeinflusste meinen Vater – so sagte er selbst - in seinem Handeln und Denken so stark, dass es ihn beflügelte, eben jenen Meister in den Schatten stellen zu wollen. Wer es genau war, wollte er mir bei meiner abgeschlossenen Ausbildung erzählen, wozu es jedoch durch einen Unfall mit explosiven Elixieren nie gekommen ist. Sein Tod erschütterte mich und Mutter zutiefst, doch das, was von ihm blieb, war die Zuneigung eines bewundernswürdigen Mannes.

    So nebelig, wie meine elterlichen Hintergrunde erscheinen, so klar sind meine Erinnerungen an jene Tage, an denen ich beschloss, dem Vorbild meines Vaters nachzueifern und mehr von ihm zu lernen.

    Ein grauer, regnerischer Tag war es, an dem mein Vater mich in die Stadt schickte, um einige Kräuter von einem Händler abzuholen. Ich verließ die kleine, bescheidene Hütte, in der wir wohnten und rannte an den dreckigen Häuserwänden entlang, damit deren Dächer mir wenigstens etwas Schutz vor dem unangenehmen Nass von oben gewähren konnten. Das Pflaster der Straße glänzte im Schein der Laternen, die wegen der Trübe des Himmels immer noch erleuchtet waren. An den Seiten bildeten sich kleine Wasserströme, die genauer betrachtet wie ein riesiger Fluss die kleinen Rinnsale, die zwischen den Steinen hervor quillten, verschlang und somit immer größer wurden. In einigen Senken bildeten sich Pfützen, die durch die Tropfen, die auf sie niedergingen, den Anschein erweckten, klein geratene, stürmische Meere darzustellen. Einige Kinder - ich verstehe es heute immer noch nicht - spielten trotz dieses miserablen Wetters auf den Straßen. Sie tobten umher, warfen sich gegenseitig um und sprangen in Pfützen, um sich gegenseitig nass zu machen. Vater hätte mir eine gehörige Standpauke gehalten und mich zur Strafe täglich seine Glaskolben und Phiolen schrubben lassen.
    Ich erreichte nach einigen Minuten leicht durchnässt das Haus des Händlers. Ein kleines Schild prangte über der Türe des unscheinbaren Hauses, welches sich in einer Nebengasse des Marktplatzes befand. Während die fensterlosen Wände eher in einem miserablen Zustand waren und schäbig wirkten, stach die große Tür in einem völligen Kontrast hierzu heraus. Die war aus massivem, kunstvoll verziertem Holz gefertigt, welches im Sonnenschein immer dezent zu schimmern schien. Als ich an jenem Tag dicht vor der Tür stand, konnte ich trotz der drückenden Schwüle den leicht süßlich-würzigen Geruch des Öles wahrnehmen, welches mein Vater zur Pflege der Tür herstellte.
    Es war immer wieder ein Vergnügen, den Mann zu besuchen, der das Geschäft betrieb. Ich klopfte viermal und stemmte mich gegen die Tür, um sie unter lautem Knarren aufzudrücken. Kaum war die Tür einen Spalt breit offen, drang schon flackernder Kerzenschein auf mich ein. Die Dunkelheit in diesem Haus schien immer nach mir zu greifen und mich verschlingen zu wollen, um sich letztendlich als wohlige Dämmrigkeit zu offenbaren. Ich schob mich durch den Spalt und schob die schwere Tür wieder zu. Der Luftzug, der die Kerzen zum Flackern brachte, stoppte. Meine Augen gewöhnten sich schnell an die Umgebung, während vom anderen Ende des Raumes ein Husten ertönte. Ich schaute mich um: der Raum schien größer als bei meinem letzten Besuch. Links war der bescheidene Kamin, in dem ein kleines Feuer brannte. Daneben einige grau-braune Sessel, die wesentlich bequemer waren, als sie aussahen. Fast direkt vor mir begann die Verkaufstheke, die sich nach rechts bis zur Wand zog, nach links hin aber einen Bogen in die Tiefe des Raumes machte und hinter dem Sitzbereich wieder nach links zur Wand abknickte. Hinter der Theke ragten mächtige, dunkelbraune Regale auf, die bis zur Decke reichten und mit allerlei Papier, Fläschchen und Kräuterbündeln bepackt und behangen waren.
    >>Jukal, du schon wieder?<< fragte mich eine warme Stimme.
    >>Grüße, Meister Ralio!<< antwortete ich neckisch. Ich mochte diesen alten Mann wirklich. Auf 'Meister' reagierte er immer verdrossen, da er nicht gern auf sein Alter und seine Erfahrenheit hingewiesen werden wollte. Er war selbst einmal ein gefragter Berater vieler Magier, wenn es um Kräuter und das Mischen von Tränken ging, wurde jedoch nie selbst als Hersteller tätig.
    >>So frech wie eh und je.<< witzelte er. >>Dein Vater sollte dich Achtung vor dem Alter leh...<<
    Ich lachte. Er hatte sich doch wirklich gerade selbst 'alt' genannt. Ralio lachte nun ebenfalls leise, stand aus seinem Sessel auf ging auf mich zu. Sein gelbliches Gewand wallte bei jedem Schritt etwas umher.
    >>Ich habe dich nur einen Mondumlauf lang nicht gesehen und doch kommt es mir vor, als ob du mehrere handbreit gewachsen bist.<< sagte er grinsend, griff mir in die Haare und strich wild mit seiner Hand umher. >>Im Halbdunkel dieses Raumes siehst du deinem Vater wirklich sehr ähnlich.<<
    Auch wenn es mir unangenehm war, so mochte ich es, ihm so vertraut zu sein. Ich durfte schon oftmals über mehrere Tage hinweg für ihn Gehilfe spielen und mir einige Goldstücke verdienen, die ich zumeist sofort für Kleinigkeiten wie Guljakbonbons ausgab. Die Arbeit bei Ralio war sowieso nie hart oder langweilig, zumal ich einiges über das Kaufmannswesen von ihm lernen konnte.
    >>Also: was möchte Jarn dieses Mal?<< sprach er zu mir und trat einen Schritt zurück. Seine grünen Augen musterten mich. >>Du hast keine Tasche dabei. Also geht es um etwas anderes...<< Ralio kniff die Augen zusammen. Ich zog während er sprach eine Notiz dem Hosenbund hervor und überreichte sie ihm. Er überflog die Zeilen, runzelte die Stirn und ging zur Verkaufstheke. Ich weiß noch, wie er sich abstützte und entkräftet seufzte, ehe er sich umdrehte und mich erbost anblickte. >>Jukal!<< rief er herrisch. Ich zuckte erschrocken zusammen. Seine Miene erhellte sich und er lachte kurz. >>Dein Vater hat einige Sachen aufgeschrieben, die du selbst aus den Regalen holen kannst.<< sagte er sanft und lächelte. >>Er möchte sie morgen selbst abholen und heute nur schon bereitgelegt haben.<< Er schritt gemächlich zu den Sesseln und setzte sich. Ein leises Knarzen hallte durch den Raum.
    >>In Ordnung, Meister Ralio.<< sagte ich, schritt an ihm vorüber, drückte die halbhohe Tür der Theke auf, schlüpfte hindurch und fing an, durch die Regalreihen zu gehen. Der Geruch zwischen den Regalen war nach jedem Schritt ein wenig anders. Mal würzig-pfeffrig, mal süßlich nach Honig und leider manchmal auch unangenehm ekelerregend. Ich hatte mich damals noch oft darüber gewundert, wieso Ralio Tierdung in – leider nur halbwegs - abgedichteten Gläsern aufbewahrt hatte.
    Stumm arbeitete ich die Liste, die mein Vater für Ralio angefertigt hatte, ab. Elixier für Elixier, Kraut für Kraut sammelte ich die Ingredienzen ein und legte sie auf einen Tisch hinter den letzten Regalen seines Ladens. Jorugawurzeln, Tairanblätter, Yantiskraut, Orkanphiolen, Elixiere der Vereisung. Ich hörte die schwere Tür in den Rahmen knallen. Beim Anheben einiger Flaschen Leim schallten einige Wortfetzen zu mir, die ich in keinen Zusammenhang bringen konnte. Ich brachte den Leim zu den anderen Einkäufen und schritt gemächlich durch die Regale, um mir den neuen Kunden anzusehen
    >>Dein Gold, alter Mann!<< schrie eine Stimme, die ich nicht zuordnen konnte. Aggressiv. Bösartig.
    Ich erschrak und stoppte. Was ging dort vor sich? Ich begriff innerhalb weniger Augenblicke, dass ich vorsichtig sein musste. Schweiß bildete sich auf meiner Stirn.
    Es klatschte. >>Dein Gold!<< rief der Unbekannte wieder.
    >>Ich... Ich habe nichts!<< sagte Ralio heiser. Ein dumpfer Schlag. Ein Schrei.
    >>Ringe, Geschmeide,  Artefakte?<< fragte der Mann wieder drohend.
    Ich war weit genug vorangeschritten und stellte mich nahe einer Regalwand auf die Zehenspitzen. Mein Blick schweifte durch den halbdunklen Raum. Ich sah sie. Ralio hing halb auf dem Boden liegend und verängstigt da, die Hand des über ihm stehenden Mannes an seinem Kragen. Der Räuber war ein Hüne. Er trug eine dunkle Kutte, dessen weite Kapuze sein Gesicht im Halbdunkel des Raumes komplett verdeckte. Ein kleiner, braun gefleckter Knüppel in seiner Hand deutete ohne Zweifel darauf hin, dass er nicht wenige Menschen bisher damit verletzt hat.
    >>Ich h-habe nichts dergleichen! Nur Kräuter.. o-oder Tränke!<< stotterte Ralio halblaut.
    Der Räuber schlug nochmals auf Ralio ein. Ein Schlag folgte auf den anderen, immer und immer wieder. >>Lügen bringt dir nicht viel!<< brüllte der Unbekannte verächtlich.
    Ich musste irgendetwas tun. Ich musste Ralio helfen. Mir wurde heiß. Meine Hände verkrampften sich, meine Beine wackelten. Ich wollte mich umdrehen und etwas suchen, mit dem ich helfen kann. Einen Blitzwürfel, eine Rauchkugel, irgendetwas hilfreiches. Ich schwankte, stolperte und fiel benommen gegen das Regal neben mir. Klappern. Die Schläge stoppten, mein Herz pochte immer schneller. >>Oh, wir haben also Besuch?<< hörte ich den Hünen sagen. Er klang sogar eher verzückt als verärgert.
    >>Nein!<< schrie Ralio. Noch ein dumpfer Schlag, ein dumpfer Aufprall. Mein Brustkorb zog sich zusammen. Mein ganzer Körper zitterte. Schwere Schritte näherten sich langsam. Solch eine Angst hatte ich noch nie zuvor verspürt. Ich rappelte mich auf und lief geduckt vorwärts. Verstecken konnte ich mich nicht mehr lang, das wurde mir klar. Unter meinen schnellen Schritten ächzten die Bodendielen auf, als ob sie mich auf meine bevorstehende Pein vorbereiten wollten.
    >>Da bist du also...<<
    Es wurde dunkel. Er war genau hinter mir, sein Schatten fiel auf mich. Mein Atem stockte. Ich konnte diesem Mann wirklich nicht entkommen. Ich griff blindlings ins Regal, und warf das, was ich gegriffen hatte, blindlings hinter mich. Ich spürte, wie sich etwas glattes aus meinen Fingern löste und wenige Augenblicke später auf dem Boden aufschlug.
    Etwas platze mit einem lauten Knall. Es wurde noch dunkler. Ein dichter Rauch verteilte sich blitzartig und verschlang mich. Es rauschte laut. Ich musste husten und rannte dabei mit dem Kopf gegen eines der großen Regale.
    >>Gib auf. Du kannst nicht flüchten.<< hörte ich den Unbekannten sagen, während ich meinen schmerzenden Kopf überprüfte. Schweiß lief von meiner Nase hinab zu meinem Mund., während ich mich am Holz entlang tastete. Der Schweiß rann über meine Lippen hinweg in meinen offenen Mund. Ich schluckte. Es war Blut, kein Schweiß. Erst jetzt meldete sich meine heiß gewordene Nase mit einem Stechen zurück, der tief in meine Kopf vordrang. Der metallische Geschmack breitete sich mit einem Anklang von Süße auf meiner Zunge aus. Ich fuhr mit meiner Hand über meine Lippen, um das Blut wegzuwischen und erreichte letztendlich einen viel weniger dicht verrauchten Punkt des Raumes. Ich hörte immer noch nicht. Das Rauschen der Rauchkugel, die ich warf, übertönte alle leiseren Geräusche.
    Ich blickte mich um. Ich bin stur weiter gerannt, in der Hoffnung, eine Waffe zu finden und letztendlich doch nur bei gemahlenen Kräutern gelandet. Ich atmete tief durch und musste husten, kurz bevor das Rauschen der Rauchkugel verebbte. Die stickige Luft setze meinem Körper wirklich zu.
    Endlich hörte ich wieder Schritte. Ich wusste endlich, dass sich der Räuber auf mich zubewegte. Es war in diesem Moment befreiender als die vorherige Ungewissheit, vielleicht direkt in die Arme dieses Monsters zu rennen. Dennoch drückte mein Herz wild gegen meine Brust. Ich war in einer Ecke des Hauses angelangt, aus der es kein Entkommen gab. Panisch schaute ich mich um.
    Gemahlene Kräuter, überall.
    Es war wirklich hoffnungslos. Keines dieser hilfreichen Elixiere, die man werfen konnte. Keine weiteren Rauchkugeln. Nicht einmal einen langen Stock oder ein Messer gab es dort.
    Ich las die Namen auf den Gläsern. Namen wie Olgan, Kurel oder Tairan waren mir nicht neu. Mein Vater hatte mich von Klein auf mit den Kräutern und ihren Wirkungen vertraut machen wollen, doch wirkliches Interesse hatte ich zu seinem Unmut nicht. Ich dachte an all die Dinge, die mir erzählt wurden. Von Heiltränken über belebende Elixiere zu starken Giften konnte man mit ein wenig Wissen alles herstellen, was man begehrt – zumindest laut meinem Vater.
    Ich las gedankenverloren weiter. Kurag, Tolwar – fertig gemahlen und in kleinen Gläsern aufbewahrt. Der Rauch lichtete sich und das Licht einiger Kerzen reflektierte sich an der Vielzahl der Gläser, die in den Regalen standen und stumme Zeugen des Geschehens waren.
    Tairan, Kurag und Tolwar? Ich erinnerte mich an meinen Vater, der mir während des Abendessens erklärte, dass man diese Pflanzen nur behutsam mahlen und vermengen müsse, um ein gefährliches Pulver herstellen zu können, welches unsägliche Schmerzen verursachen und jemanden sogar lähmen könne. Auch wenn ich mir unsicher war, wie ich es genau zu vermengen hatte, blieb mir dennoch keine andere Wahl.
    Wieder hörte ich Schritte. Ein lautes Reiben von aufeinander gedrücktem Holz krallte sich in meinen Ohren fest und vernahm, wie einiges Glas zu Bruch ging. Diese Geräusche waren nah. Mir blieb wohl nicht viel Zeit um meinen Einfall in die Tat umzusetzen: Die drei gemahlenen Kräuter zusammenmischen und hoffen, dass ich mich richtig erinnerte.
    Meine zittrigen Hände legten sich um das erste Glas und dessen Verschluss. Zuvor hatte ich nie Probleme, diese Behältnisse zu öffnen, da der Verschluss wie ein Korken den schmalen Glashals verstopfte. Doch in diesem Moment fühlte sich das langsame Herausgleiten des Korkens an wie eine Ewigkeit. Ich verlor mehrmals den Halt und rutschte vom Verschluss ab, ehe ich das Glas endlich von ihm befreit hatte. Blut tropfte an meinem Kinn herunter. Ich ließ meinen Blick hastig durch die Reihen streifen, um nach einem großen Gefäß Ausschau zu halten – vergebens. Ich öffnete die anderen beiden Behältnisse und sah, wie der unbekannte Schläger systematisch durch die Reihen zog. Er hatte mich in dieser dunklen Ecke wohl nicht bemerkt, würde aber bald hier sein.
    Ich schaute nach oben. Ein Tropfen meines Lebenssaftes löste sich von meinem Kinn. Ich spürte den Tropfen auf meinem Hemd landen. Jetzt wusste ich: mein Plan könnte doch aufgehen! Ich zog mein Hemd aus, legte es auf den Boden und griff mir die Gläser. Der gemahlene Kurag roch selbst durch die blutende Nase streng und muffig, Tolwar hingegen brannte regelrecht und verstärkte das Hämmern in meinem Kopf. Kaum hatte ich das Tairanpulver hinzu geschüttet, hörte ich ein lautes Poltern fast direkt neben mir. Ich blickte nach rechts, sah auf der anderen Seite des Regals ein Bein und erschrak. Er war mir so nah gekommen, ohne dass ich es bemerkt hatte.
    >>Dort bist du also, Kleiner.<< klang es hämisch. Der Knüppel schlug wieder gegen das Holz des Regals.
    Ich rutschte auf den Knien schwungvoll an die Wand heran und klaubte mein Hemd wie einen großen Beutel zusammen. Ich wackelte mit meinem Hemdbündel wild auf und ab, in der Hoffnung, dass ich damit eine ausreichende Durchmischung erreichen würde. Dann stand er vor mir. Er war wirklich riesig. Breit, muskulös, einschüchternd – und das nur einige Schritte von mir entfernt. Ich blickte an ihm auf und drückte mich mit dem Rücken an der Wand hoch. Das Holz schabte meinen blanken Rücken auf; hier und da fühlte ich, die sich kleine Splitter in meine Haut bohrten und tief in das Fleisch vordrangen.
    >>Ganz schön mutig. Aber jetzt wirst du mir sagen, wo dieser alte Mann seine Habseligkeiten versteckt hält.<<
    Seine dicken, wulstigen Lippen formten sich zu einem beängstigendem Lächeln und seine hellen Augen blitzten unter der Kapuze hervor. Er hing den Knüppel an eine Schlaufe an seinem Gürtel, griff mit den Händen ineinander und ließ diese bedrohlich knacken. Meine Knie zitterten immer mehr.
    >>Du solltest jetzt antworten, sonst werden diese Hände dir einige Schmerz...<<
    >>Nein!<< unterbrach ich ihn schreiend, holte tief Luft und schleuderte mein Hemd auf ihn. Ich sah, dass er nur einen Arm hochriss, um mein Wurfgeschoss abzuhalten und sich auf mich zu stürzen. Durch den Aufprall faltete sich das Hemd auf und verteilte die Pulvermischung in einer großen, gelblichen Wolke auf seiner Kopfhöhe. Ich hielt  die Luft an und sprang mehr als das ich lief an ihm vorbei und nach vorn. Ein Husten und Röcheln erklang hinter mir, gefolgt von gequälten Schmerzensschreien, die sich mir in Mark und Bein bohrten. Ich hörte, wie hinter mir etwas schweres auf dem Boden aufschlug und drehte mich um. Im Halbdunkel lag der Hüne und zuckte unkontrolliert, verkrampfte und entspannte sich anschließend schlagartig. Fragen drehten sich in meinem Kopf umher: Hatte ich ihn getötet oder nur betäubt? Wie lange würde die mögliche Betäubung halten?
    Doch ich durfte nicht an so etwas denken und musste unbedingt Hilfe holen. Ich stürmte durch die Reihen zur Verkaufstheke und drückte dessen Tür auf. Ralio lang ächzend auf dem Boden und krümmte sich. Meine Füße setzten sich wie von Geisterhand voreinander, bis ich vor im ankam und auf die Knie fiel. Ich fühlte, wie der Stoff meiner Hose riss und meine Knie aufschlugen.
    >>Jukal!<< krächzte er. Sein Kopf war wie seine Hände blutbeschmiert, seine grünen Augen schienen in die Leere zu starren. >>Hol...Wachen..<< flüsterte er, während seine Hand auf die Tür deutete. Ich sprang auf, rannte zur Tür, stolperte beinahe wieder, packte den Griff und stemmte mein ganzes Gewicht nach hinten, um sie so schnell wie möglich aufzuziehen. Kaum hatte sich ein ausreichend großer Spalt geöffnet, rannte ich auf den regennassen Weg und lief beinahe augenblicklich einer Patrouille der Stadtwache in die Arme. Den aufgeklarten, eisblauen Himmel, der sich über meinem Kopf befand, als die komplette Anspannung von mir abfiel, sehe ich noch heute in seiner unendlichen Schönheit vor mir.

    Letztendlich nahmen sie den Räuber fest. Ich habe erst später erfahren, dass dieser Mann schon lange Zeit gesucht wurde und erst dank mir eingesperrt werden konnte.
    Ralio war lange Zeit verletzt und musste seinen Laden eine Weile lang schließen, um sich vollkommen erholen zu können.
    Mein Vater hingegen war zwar stolz auf mich, weil ich einen guten Freund von ihn gerettet und einen Räuber regelrecht gefangen hatte, rügte mich aber dennoch für meinen verantwortungslosen Umgang mit alchemistischen Zutaten. Er erklärte mir, dass das, was ich benutzt habe, sogenanntes Berispulver war und ich mich selbst wohl in Gefahr begeben hätte, wenn ich zu viel davon eingeatmet hätte.
    Nach diesem Ereignis beschloss ich, mehr über das Zusammenwirken von Kräutern in jeglichen Formen zu erfahren und meinem Vater nun mehr bei seinen Tätigkeiten zu beobachten und zu begleiten. Auch wenn es nur wenige Jahre waren, waren es die schönsten, die ich mit meinem Vater verbringen konnte. Auch wenn ich danach der Lehrling der berühmten Selaya wurde, werde ich doch nie vergessen, wie schnell meine Fähigkeiten dank des Arbeitens mit meinem Vater weiter ausreiften als die der anderen Lehrlinge.
    « Letzte Änderung: 25. September 2014, 22:20:14 von Voltan »

    Offline Voltan

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #6 am: 28. September 2014, 19:20:46 »
    Flüssiges Feuer – das Auf und Ab im Leben des Markus
    aus: Notizen zu 'Erzählungen über berühmte Elteraner Bürger'
    von Nicodemus



    Ich schreibe es selten, doch sind die Arbeiten, zu denen man als Chronist gedrängt wird, meist eingängiger, sich dauernd wiederholender Natur. Besonders bei einem Auftrag wie diesem, einige Geschichten aus dem Leben von berühmten Elteranern zu sammeln, arten jegliche Gesuche, direkt mit den entsprechenden Personen Gespräche zu führen, darin aus, lediglich auf bereits archiviere Briefe oder Bücher derjenigen verwiesen zu werden. Auch wenn Telan über meine regelmäßigen Besuche in seiner – zugegeben gar unangenehm verstaubten – Bibliothek durchaus erfreut ist, so bin ich es durchaus leid, für einige wenige Abschriften und Zusammenfassungen tagelang andere Abschriften lesen zu müssen.
    Für mich waren die letzten Recherchen über Galveen mehr als ermüdend. Eher durch Zufall traf ich auf einen Menschen, der in ganz Elteran bekannt war, über den man aber wohl in keiner Bibliothek dieser Welt etwas finden würde: Markus.
    Ein Feuer loderte in mir auf: Wie könnte man etwas über diesen Mann herausfinden, der kaum ansprechbar durch die Gassen Elterans torkelt, seinen Mageninhalt in Blumenbeeten entleert und des öfteren selbst zu den ungünstigsten Tageszeiten mitten im Pulk des Marktplatzes nächtigt?
    Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Viele Menschen erzählen sich Gerüchte über diesen Mann, dieses Leben inmitten des regen Treibens Elterans, welches doch seinem ganz speziellem Takte folgt. So lag es an mir, durch Elteran zu streifen und einige mehr und einige weniger ehrbare Bürger zu Markus zu befragen.

    Was wusste ich damals selbst über Markus? Nicht viel.
    Ich begegnete ihm vor vielen Jahren das erste Mal in der Taverne 'Zum grünen Drachen'. Er lag auf einem Tisch und schlief. Seine blonden, fettigen Haare klebten in seinem verstaubten Gesicht. Die Ohren waren durch den vielen Alkohol rot angelaufen und bildeten einen makabren Kontrast zu seinen Haaren. Der Mund stand leicht offen und ebnete dem Speichelfluss den Weg auf den Tisch.
    Seitdem bin ich Markus des öfteren über den Weg gelaufen und auch teilweise über ihn gestolpert, wenn er wieder direkt hinter einer Hausecke seinen Rausch ausschlief und ich in Eile war.

    Meine erste Vermutung war, dass Telan etwas über ihn wissen konnte – immerhin gibt es kaum etwas, das er nicht weiß. Allerdings waren die Informationen, die Telan mir aushändigen konnte, arg dürftig.
    >>Markus? Der blonde, dauerhaft betrunkene Markus? Oh, da kann ich Euch nicht viel erzählen.<< sagte er zu mir. >>Ich begegnete Markus nur wenige Male. Meist lief ich ihm auf dem Weg in mein Anwesen über den Weg. Einmal jedoch verschlug es ihn in die Bibliothek, wo er mitten in der Eingangstür zusammenbrach und begann, wirres Zeug von sich zu geben.<< Er wirkte nachdenklich. >>Während immer mehr Besucher der Bibliothek hilfsbereit zu ihm eilten, begann er, brummend und undeutlich etwas über Drachen, Hexen und Seesterne zu erzählen, die sich gegenseitig bekämpften – eine Geschichte die glatt von betrunkenen Seemännern stammen könnte. Ich wies meine Gehilfen an, ihn aus dem Eingangsbereich zu schaffen und ihn auf eine Bank zu legen, wo er verweilen und etwas bequemer Schlafen konnte als auf dem kalten Marmorboden der Bibliothek. Während meine Gehilfen ihn hochhoben verstummte er und schlief ein. Am nächsten Tag war er verschwunden, ohne dass irgendjemand in der Bibliothek etwas davon bemerkte.<<
    Telans Blick ging in die Leere. >>Was das wohl für eine Geschichte war, die er erzählte?<<

    Nach Telans kurzen, nicht allzu zufriedenstellenden Ausführungen begab ich mich auf den Weg zur Taverne. An diesem sonnigen Tage war Markttag in Elteran. Die dicht gedrängt stehenden Leute erschwerten mir das Vorankommen sehr. Ich traf auf einige andere Chronisten, auf unseren Bürgermeister Galveen sowie auf vielerlei Magier, die allesamt mit ihren eigenen Zielen durch die Menschenmassen drängten.
    Nachdem ich an einigen Geschäften vorbeilief, fasste ich den Entschluss, auf dem Wege zur Taverne jemanden zu befragen, der eher ein raues und trinklauniges Wesen besitzt als Telan: dem Goldschmied.
    >>Markus? Oh, den Tavernensitzer meint Ihr!<< Er unterbrach sein Hämmern und legte das nur noch dunkelrot glühende Eisen in den Ofen. >>Dieser Tölpel hat seinen Magen einmal in eine Kiste voller neuer Stäbe entleert. Aber...<<, er lachte, >>er ist doch sehr umgänglich. Während ich in der Taverne vor dem Wirt betrunken zusammensacke, springt dieser Frosch noch immer munter umher und trinkt ein Bier nach dem anderen.<< Er zog das Eisen aus dem Ofen und begann mit rhythmischen Schlägen, dieses mit einem Hammer nach seinen Wünschen zu formen. Funken schlugen in die Luft. >>Er scheint dennoch eine schwere Last mit sich zu tragen. Seine Augen sind glasig und starren in die Leere, wenn er ohne Gesellschaft in der Taverne sitzt.<< Er schob sein erkaltetes Werkstück wieder in den Ofen. >>Außerdem habe ich beobachtet, dass Markus oftmals Tiere, die verletzt in den Gassen liegen oder deren Zustand bemitleidenswert ist, in das Wohnviertel von Elteran bringt, obwohl er doch selbst im Armenviertel zu wohnen scheint. Gerüchten zufolge wohnt dort im Wohnviertel eine befreundete Heilerin. Dort behandelt Markus wohl Hunde, Katzen oder gar Vögel mit ihr.<< Er zog das Eisen wieder aus dem Ofen und schnaufte. >>Mehr kann ich Euch leider nicht über ihn erzählen.<<

    In der Taverne angekommen schaute ich mich in dem aufgeräumten Tavernenvorraum um. Kein Markus war in Sicht. ich setzte mich geschwind an den Tresen und winkte den Wirt herbei.
    >>Einen Krug Wasser für den schönen Mann direkt vor Ihnen, bitte!<< bat ich Ihn.
    >>Schon wieder so einer...<< grummelte er wenig begeistert, zog einen Humpen durch ein großes Fass und stellte es vor mich. Ich legte ihm zehn Goldstücke hin, sah mich um und lehnte mich nach vorne.
    >>Sagt, könnt ihr mit zufällig etwas über den stadtbekannten Trunkenbold Markus berichten? Ich bin der Chronist Nicodemus und versuche, etwas über diesen Mann herauszufinden.<< sagte ich halblaut. Der Wirt stützte sich auf, zog die Goldstücke an sich heran und schweifte mit dem Blick durch die Taverne.
    >>Markus ist einer meiner besten Gäste.<< Ein Lächeln. >>Ich kann Euch leider dennoch nur sehr wenig erzählen. Markus begibt sich zu späten Abendstunden hier her. Meistens trinkt er einige Biere, manchmal Olganschnaps. Tief in der Nacht verlässt er die Taverne. Ich habe lediglich gehört, dass seine Frau vor vielen Jahren starb.<< Der Wirt hob seine breiten, nassen Hände und zeigte zur Tür. >>Außerdem habe ich ihn oftmals einige Streuner vor der Taverne streicheln sehen. Manch verwahrlostes Tier, ob Hund, ob Vogel, nimmt er mit sich.<< Er zuckte mit den Schultern und beugte sich zu mir. >>Wohin weiß keiner. Vielleicht isst er sie, damit genug Gold für Alkohol übrig bleibt.<<
    Auch wenn mich der Gedanke anwiderte, klang es im ersten Moment dennoch möglich, dass Markus so etwas täte. Ich konnte mir immerhin nicht vorstellen, dass dieser Mann, der nur betrunken anzutreffen war, genug Gold hätte, um nicht nur die Gelage zu bezahlen, sondern sich auch noch genug Nahrungsmittel zu leisten.
    >>Ach, eines noch.<< Der Wirt löst sich und schnappte sich einige Humpen, um die nächsten Gäste bedienen zu können. >>Markus hat wohl einen sehr guten Freund, der täglich Stundenlang im Gartenviertel sitzt oder herumspaziert. Detlef heißt er. Gedrungener Körper, blond. Dieser Detlef sieht Markus sogar sehr ähnlich.<<
    Ich trank mein Wasser und eilte aus der Taverne. Der Weg in das Gartenviertel war nicht weit. Dennoch hatte ich jetzt einen Hinweis erhalten, der mich näher bringen konnte.

    Das Gartenviertel wurde seit Galveens Amtseintritt sehr gut gepflegt. Alle Wege führten zu einem zentralen Platz. Galveen ließ diesen vor vielen Jahren umgestalten, um dort Platz für einige Bänke und Tische zu schaffen. Für die älteren Einwohner Elterans war dies ein Segen: An warmen Sommertagen trafen sie sich oft und spielten mit bunten Murmeln Spiele.
    An jenem zentralen Platz angekommen blickte ich mich um. Einige Männer saßen an den Tischen und grübelten über ihren Spielen. Kinder spielten auf den Wegen und feuerten sich bei Wettrennen an. Ich betrachtete die großen Blumenbeete, die wie Gemälde auf den Grasflächen lagen.
    Nach einer Weile fiel mir ein blonder Mann auf, der einer Frau mit braunen, glatten Haaren gegenüber saß. Ich stand auf und schlenderte zu ihnen. Ja, dieser Mann sah Markus wirklich ähnlich.
    >>Entschuldigt die Störung.<< sagte ich, während ich näher trat. Beide drehten ihre Köpfe zu mir. Die Frau musterte mich argwöhnisch. >>Mein Name ist Nicodemus. Ich bin Chronist. Seid ihr Detlef?<<
    >>Das bin ich.<< erwiderte der Blonde. >>Womit kann ich Euch dienlich sein, Chronist?<<
    >>Nun, ich wurde beauftragt, Informationen über stadtbekannte Elteraner zusammenzutragen.<< Ich lächelte ihm dezent zu. >>Ich möchte derzeit etwas über Markus und dessen Leben herausfinden. Der Wirt sagte mir, dass Ihr mir weiterhelfen könntet...<< ließ ich offen.
    Detlef deutete auf die Bank. Ich nahm Platz.
    >>Markus...<< grübelte der Blonde. >>Mein Bruder sollte wirklich die Taverne wechseln, wenn der Wirt schon Leute zu mir schickt.<< Ich stutzte und wirkte wohl sichtlich verwundert.
    >>Ja, Ihr habt es richtig vernommen: Markus ist mein älterer Bruder. Auch wenn man es ihm nicht mehr ansieht, war er doch vor einigen Jahren ein sehr erfolgreicher Händler, bis ein Unfall ihn zum Alkohol brachte...<< Er atmete tief ein. >>Aber wer könnte es ihm verübeln?<< Detlef blickte bedrückt.
    >>Detlef!<< erklang es anklagend neben mir. >>Du solltest ihm eher helfen, die Taverne zu meiden!<< Auch wenn es böse klang, hatten ihre Worte einen fürsorglichen Unterton.
    >>Uschi, ich weiß, dass dir viel an ihm liegt, doch das Feuer vor zehn Wintern und der Verlust von Maris sitzen tief.<< Detlef blickte zu mir. >>Wie ihr vielleicht wisst, gab es vor zehn Wintern ein Feuer im Wohnviertel, bei dem ein großes Haus bis auf die Grundmauern niederbrannte.<< Sein Blick harrte auf mir. >>Markus war Händler für alchemistische Zutaten. Er wohnte nicht nur in diesem Haus, sondern hatte im gesamten unteren Stockwerk seinen Laden. Als er eines morgens eine Kiste mit Elixieren des Feuers bekam, stürzte er auf Höhe der Treppe. Die Kiste war morsch und zerbrach, ebenso wie die Fläschchen darin. Das Feuer verbreitete sich augenblicklich. Mein Bruder verbrannte sich seinen halben Leib, doch er konnte seine Frau Maris nicht mehr retten.<<
    Detlef starrte stumm an mir vorbei. Uschi drehte ihre Kopf zu mir und atmete tief ein.
    >>Nicodemus, wisset, dass Markus immer noch sehr große Goldreserven versteckt hält und damit seine Tavernenbesuche finanziert. Er versucht damit, seine Vergangenheit zu ertränken, doch wird durch das Brennen in seiner Kehle jeden Tag aufs Neue mit den schrecklichen Vorfällen konfrontiert.<< Sie blickte zu Detlef. >>Für mich als Heilerin ist es dennoch ein Erfolg, dass er weniger trinkt, seitdem er mich kennt und mir beinahe täglich Tiere bringt, die am Rande des Todes stehen oder deren Verfassung miserabel ist, um ihnen helfen zu können.<<
    Ohne dass ich nachfragte, schütteten diese beiden ihre Herzen aus.
    >>Verzeiht, dass ich Euch mit meinen Fragen belästigt habe. Ich wusste nicht...<< begann ich, wurde aber von einer Handbewegung Detlefs und seiner Stimme unterbrochen.
    >>Nein, Ihr tragt keine Schuld. Die Kiste voller Elixiere wurde von einem Rivalen meines Bruders gesendet, der wenig später auf mysteriöse Weise verschwand.<<
    Ich stand auf und verabschiedete mich abrupt. Auch wenn ich gewollt hätte: ich konnte damals nicht weiter über Markus reden.

    Ein Mann, der all seine Habseligkeiten und auch seine Frau verloren hat, ist kein Mann, dessen Leben sachlich beschrieben werden kann. Eines ist sicher: auch wenn der Alkohol sein Leben und seine Sinne betäubt, bleibt er doch großherziger Retter von Tieren, denen es in gewisser Weise ähnlich geht wie ihm.
    Markus bleibt für die Bürger, die ihn besser kennen, ein bedeutender Mensch in ihren Leben. So auch für Uschi, die Markus einen Winter nach meinen Erkundigungen heiratete.
    « Letzte Änderung: 03. Oktober 2014, 17:06:34 von Voltan »

    Offline MajinPiccolo

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #7 am: 29. September 2014, 22:18:32 »
    Rimunds Geheimnis

    aus einem Bericht des medizinischen Traktes einer Anstalt nahe Goran



    Das Pergament in euren Händen scheint schon etwas älter zu sein, denn die Ränder sind vergilbt und beginnen sich langsam aber sicher aufzulösen. Der obere und der untere Teil des Schriftstückes scheinen abhanden gekommen zu sein. Warum das Pergament eingeschlossen in einer Schublade in Rimunds Schreibtisch liegt, erscheint euch rätselhaft, doch der Entschluss, es Telan, dem Bibliothekar zu bringen, steht für euch fest... noch mehr nachdem ihr beginnt den Inhalt zu lesen:



    (...)

    Ich kann nur davon abraten, den Patienten in die Freiheit zu entlassen. Wir besitzen in dieser Anstalt eine Vielzahl an Möglichkeiten und Gerätschaften diese Art des Wahnsinns auf Dauer zu heilen. Sollte der Patient wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben, könnte dies zu einem Rückfall, wenn nicht gar einer kompletten Verhaltensänderung führen. Ich möchte mein Bedenken in Bezug auf das zuvor gestellte Gutachten des medizinischen Traktes wie folgt begründen:

    Bereits in früher Kindheit entdeckte Rimund die Magie von Spielen und Rätseln und welche Faszination diese auf ihn ausübten. Da Rimund ein hochintelligentes Kind war, wurde er als Sonderling betrachtet. Seine Eltern waren von Vorurteilen über begabte Sprösslinge geplagt und so erfuhr Rimund als Kind weder Liebe noch Verständnis. Vielmehr erkannte sein Vater die Brillianz seines Sohnes nicht an und bezichtigte ihn beim gemeinsamen Spielen des Betruges, was häufig in einer Tracht Prügel für den Jungen endete.
    Rimund begann anderweitig nach Aufmerksamkeit zu suchen, ständig getrieben von seiner Vorliebe für Rätsel. Immer häufiger fand man ihn bei Lehrern oder Gelehrten, denen er mit seinen Rätseln wahre Kopfnüsse bereitete. Es machte ihm Spass, sich mit gleichwertig intelligenten Menschen zu messen und zu duellieren. Doch diese jugendliche Begeisterung für Rätsel und Spiele weitete sich mit seinem Heranwachsen immer weiter zu einer Obsession aus.

    Seine Intelligenz in Bezug auf Rätsel führte ihn als Erwachsener immer öfter in die Nähe von Magiekundigen. Für ihn selbst waren sie das Sinnbild für Intellekt und eine echte Herausforderung. Er begann damit eigene Rätsel zu erfinden und diese an den Magiern zu testen. Auf diesem Wege wollte er nicht nur zeigen, dass er den überlegeneren Verstand besass und auf diese armen Magieanwender von oben herabschauen konnte, sondern verbesserte seine Spiele und Aufgaben mit jedem Mal, wenn einer der Magier diese löste.
    Zwar entwickelte Rimund mit der Zeit immer schwierigere Rätsel, jedoch wurde er bei jeder Aufgabe, welche gelöst wurde, seinem Gegenüber aggressiv und unhöflich. Als dem Wirt der Taverne in Goran das Ganze wieder einmal zu bunt wurde und Rimund einige Magier aus dessen Schänke vergrault hatte, rief der Tavernenbesitzer die Stadtwache. Diese überstellte, nach einer Nacht im Kerker, bei welcher Rimund mit den Wachen um seine Freiheit spielte und sie noch nebenher um einige Goldmünzen erleichterte, den Patienten letzten Endes an unsere Anstalt.

    Die Verhaltensmuster, welche der Patient besonders zu Beginn seiner Zeit in der Anstalt an den Tag legte, zeigten eine tiefliegende psychotische Störung. Ich möchte dabei speziell an den Vorfall erinnern, als Rimund einen „Notfall“ inszeniert hatte laut jenem sein Bruder, angeblich ein mit Gauklern um die Häuser ziehender Vagabund, der schon früh vor ihrem gemeinsamen Vater aus dem Elternhaus floh, in Schwierigkeiten steckte und für welchen unsere ärztlichen Hilfskräfte eine verzwickte Aufgabe lösen mussten. Dies diente jedoch einzig und allein seinem inneren Zwang eines seiner Rätsel zu testen und Aufmerksamkeit zu erlangen.
    Jene daraufhin begonnene Therapie fokussierte sich meines Erachtens zu sehr darauf aus ihm einen freundlich gestimmten Menschen zu machen, der mit der Gesellschaft im Einklang ist. Dies mag zwar seine Aggressionsschübe einschränken, jedoch sehe ich dadurch nicht das eigentliche Problem seiner zwanghaften Neurosen und der Obsession für Rätsel und Spiele gelöst. Da es sich bei dem Patienten Rimund um einen hochintelligenten Menschen handelt, könnte seine plötzliche Genesung auch nur vorgetäuschter Natur sein um wieder in die Freiheit entlassen und auf die Gesellschaft losgelassen zu werden. Zudem scheint er durch die Anpassung seiner Vorgehensweise, den Rätsellösern für das erfolgreiche Bestehen der Aufgaben Belohnungen auszugeben, noch mehr Aufmerksamkeit für seine kreativen Werke zu erlangen.

    Ich respektiere die Entscheidung der anderen Ärzte und es besteht tatsächlich eine geringe Chance, dass sich der Patient wieder in die Gesellschaft eingliedern könnte um einen Neuanfang zu machen. Meine persönliche Empfehlung lautet dennoch ihn weiterhin unter Beobachtung zu halten und somit möchte ich ein eindeutiges Veto formul...


    Der Bericht endet mitten im Satz und der restliche Teil des Schriftstückes ist von roter Tinte verschmiert. Merkwürdigerweise ist auf der Rückseite des Pergamentes noch etwas mit einer rostigen alten Nadel angeheftet. Es handelt sich dabei um  eine Spielkarte, mit einem Gaukler auf der Vorderseite. Warum diese jedoch mit dem Schriftstück hier versteckt wurde, bleibt euch ein Rätsel.




    geschrieben von MajinPiccolo
    « Letzte Änderung: 30. September 2014, 18:25:21 von MajinPiccolo »




    Offline Penthesilea

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #8 am: 30. September 2014, 15:51:30 »
    Die folgende Geschichte erzählt von Rimunds Jugend und wie es zu der ersten "Schulreform" an der Akademie der magischen Künste zu Elteran kam:

    Rimund

    Rimund entstammt einer angesehenen Elteraner Magierfamilie. Er war das fünfte Kind, ein Nachzügler, und kam, als seine Eltern eigentlich schon längst mit dem Gedanken an Kinder abgeschlossen hatten, zwei Monate zu früh zur Welt. Es grenzte an ein Wunder, dass der Säugling überlebte, und Rimund blieb seine gesamte Jugend über ein schwächliches Kind, das häufig krank war. Lag es daran, dass er frühzeitig begann, sich der Magie der Zahlen und der Logik zu widmen?
    Schon als er mit seinen Altersgenossen die Schule besuchte, faszinierte ihn die Zahlenlehre, und er brachte seine Lehrer und die Eltern schier zur Verzweiflung mit seinen Fragen und Wünschen nach immer mehr und schwierigeren Aufgaben.
    Desgleichen begnügte er sich nicht damit, lesen zu lernen, sondern er liebte es, mit Buchstaben und Wörtern zu spielen.
    Statt Freundschaften zu schließen und mit den anderen Kindern in der Nachbarschaft "Schreinkampf" zu spielen oder der Mutter im Kräutergarten zur Hand zu gehen, verbrachte er die meiste Zeit in seinem kleinen Kämmerchen über Bogen von Pergament und Papier, die er mit langen Reihen von Zahlen, umfangreichen Formeln und Quadraten voller Buchstaben, Ziffern oder fremdartiger Symbole bekritzelte.
    Obwohl Rimunds Eltern sich wegen seines merkwürdigen Verhaltens sorgten, ließen sie ihn gewähren und meldeten ihn, als die Zeit gekommen war, bei Meister Telan zur Magierausbildung an. Telan beobachtete den neuen Schüler zunächst mit Wohlgefallen. Auch Rimund schien aufzuleben, da er sich zwar nicht von seinen Mitschülern, aber immerhin von seinen Lehrern angenommen und bewundert sah. Doch bald schon verscherzte sich der Knabe alle Sympathien, indem er sich weigerte, gemeinsam mit den anderen zum Zwecke der Übung hinauszuziehen und die in Arthoria lebenden gefährlichen Kreaturen mittels seiner Magie zu bekämpfen.  Und als alle seine Mitschüler soweit waren, sich entweder dem Bündnis des Lichts oder der Dunkelheit anzuschließen, trat Rimund vor Meister Telan und beharrte darauf, dem Gleichgewicht dienen zu wollen.
    "Du weißt, dass du dich in diesem Falle niemals einer der Gilden Elterans wirst anschlißen können?", mahnte der weise Lehrer.
    "Das ist mir gleichgültig.  Der Kult um Teraja und Cululum bedeutet mir nichts", entgegnete Rimund trotzig.
    "Gewiss ist dir dann auch bekannt, dass du es schwerer als deine Mitschüler haben wirst, dich mit angemessenen Waffen und Rüstungen zu versorgen. Bei all deinen  Aufgaben wirst du auf dich allein gestellt sein", erklärte der Meister geduldig.
    "An den Kämpfen liegt mir nichts", behauptete Rimund. "Ebenso wenig wie an den Belohnungen."
    Meister Telan nickte nachdenklich. Was er gehört hatte, passte zu dem jungen Mann vor ihm. Er verfügte über einen herausragenden Verstand, während seine Körperkräfte deutlich zu wünschen übrig ließen. Doch wie wollte er sich als Magier vervollkommenen, wenn er sich weigerte, die notwendigen Kämpfe zu bestehen? Selbst er, Telan, der an Wissen die meisten Magier in der Stadt übertraf und in den letzten Jahren das Kämpfen hintenangestellt hatte, hatte in seinen jungen Jahren wie alle anderen die Ausbildung durchlaufen und alle Aufgaben erfüllt. Rimund, wenn er sich weigerte, seine Magie durch praktische Anwendung zu schulen, würde niemals ein anerkannter Magier werden können.  "Höre, Rimund", begann er vorsichtig. "Ich muss dir leider sagen, dass du nicht umhinkommen wirst, zu kämpfen. Ich weiß, deine Stärken liegen auf einem ganz anderen Gebiet, doch wenn du ein Magier sein möchtest..."
    "Dann will ich lieber kein Magier sein!", unterbrach ihn der Junge erregt.
    "Was willst du denn sonst mit deinem Leben beginnen?", wollte Telan interessiert wissen.
    "Ich will ein Gelehrter sein! Ich brauche Aufgaben, die meinen Verstand herausfordern. Ich möchte alles über die Kunst der Mathematik lernen, ich will mich in Logik vervollkommnen und alles über Runen  und andere geheime Zeichen herausfinden. Nur deshalb habe ich mich einverstanden erklärt, ein Magier zu werden. Denn nur als Magier habe ich Zutritt zur Bibliothek und all den wundersamen Folianten, die mir helfen, mein Wissen zu mehren. Die Welt der Zahlen ist ebenfalls voller Magie, Meister Telan. Das müsst Ihr selbst doch am besten wissen."
    "Ich weiß es, Rimund, ich weiß es."
    "Aber alle anderen wissen es offenkundig nicht! Sie sind begierig, ihre magischen Kräfte mit den Kreaturen zu messen, die sie bekämpfen, aber sie haben keinerlei Interesse daran, ihren Geist zu formen. Wie kann man ein guter Magier sein, wenn man allein durch rohe Gewalt danach trachtet, seine Gegner zu besiegen? Einen Magier macht meiner Meinung nach vor allem sein hellwacher und geschärfter Verstand aus. Ihr, Meister Telan, seid ein solch guter Magier. Doch unter meinen Mitschülern werdet Ihr vergeblich danach suchen." Erschrocken schlug sich Rimund die Hand vor den Mund. Wie kam er dazu, dem weisen Meister Vorhaltungen zu machen? "Verzeiht", flüsterte er errötend. "Ich habe mich vergessen."
    "Nun ja."Telan lachte leise. "Ein wenig respektlos hast du schon dahergeredet. Aber du hast auch gewissermaßen Recht. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Ausbildung der angehenden Magier ein wenig zu modifizieren."
    "Meister?" Erstaund starrte Rimund seinen Lehrer an.
    "Wohlan, Rimund. Du hast mich überzeugt. Wenn du kein Magier sein willst, hätte ich vielleicht eine andere Aufgabe für dich. Wenn du also der Meinung bist, die Ausbildung der Magier Arthorias weise  Mängel hinsichtlich der Schärfung ihres Verstandes auf, was hältst du davon, wenn du dich an die Arbeit machst und Aufgaben zu ebendiesem Zwecke für mich ausarbeitest?"
    "Meister..." Andächtig und mit offenem Munde stand Rimund vor Telan. Hatte er richtig gehört?
    "Das sagtest du bereits." Telan bedachte seinen Schüler mit einem spöttischen Lächeln. "Traust du dir diese Aufgabe zu? Ja oder nein?"
    "Ob ich mir das zutraue? Nichts lieber als das! Habt Dank, Meister Telan. Wenn Ihr erlaubt, werde ich sofort damit beginnen."
    "Nun denn, mein Junge. So sei es also. In einigen Tagen möchte ich das Ergebnis deiner Arbeit sehen. Und wenn es mir zusagt, so dürfen sich die künftigen Magiergenerationen ebenso auf Prüfungen ihres Verstandes gefasst machen wie sie Proben ihrer Magie und ihrer Körperkräfte abliefern müssen."
    Rimund bedankte sich noch einmal bei seinem Lehrer, stürmte mit wehender Robe hinaus und verließ sein Studierzimmer nicht eher, als bis er dem Meister nach wenigen Tagen die Aufgaben vorlegte, die er sich ausgedacht hatte.
    Meister Telan war begeistert von Rimunds Ideen, und hinfort muss jeder Magier, der es in Arthoria zu Ruhm und Ansehen bringen will, sein Talent nicht nur in schwierigen Kämpfen und gefahrvollen Missionen unter Beweis stellen, sondern er hat auch Aufgaben zu lösen, die den einen oder anderen durchaus an seine Grenzen zu bringen vermögen. Doch zu Ruhm und Meisterschaft bringen es alle, die sämtliche Aufgaben zufriedenstellend bewältigen.
    Seither haben Arthorias Magier weltweit an Ansehen gewonnen, denn einen Magier, der die strengen Prüfungen der Ausbildung in Elteran durchlaufen hat, bringt so leicht nichts in Verlelgenheit.

    Penthesilea, September 2014


    Wo ein Wille ist, da ist auch ein Problem.

    Offline Alastrobis

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #9 am: 03. Oktober 2014, 15:42:24 »
    Markus der Trunkenbold

    Es ist Frühling, die Sonne scheint, die Menschen grüßen fröhlich den jungen Mann, der breit grinsend mit raumgreifenden Schritten beschwingt der Stadtverwaltung von Elteran entgegen strebt. Manch einer neigt respektvoll den Kopf, doch wird es von dem Eilenden augenscheinlich nicht wahrgenommen. Doch das scheint niemanden zu stören.

    Es ist Winter, ein kalter Wind fegt durch die Gassen, wirbelt Reste von Laub auf. Ein Mann torkelt an einer Häuserwand entlang, stützt sich ab, fällt dennoch auf die schmutzbedeckte Straße. Es gehen einige Personengruppen schnellen Schrittes an ihm vorbei, wenden sich ab. Nach einer Weile kommt ein Paar heran und der Begleiter der Frau hilft dem Liegenden dabei sich wieder aufzurichten. Als die Frau dem schmutzstarrenden Mann ins fahle Gesicht schauen kann, zischt sie ihren Begleiter warnend an und zerrt ihn von dem Hilfesuchenden weg. Noch im Weggehen schaut der Helfer bedauernd zurück und sieht, dass der andere wieder auf dem Gehweg zusammensackt und sich in seinen dünnen Mantel hüllt.

    Eine Gruppe junger Magier hat diese Begebenheit gesehen, als sie aus einer Tavernentür heraustraten. Aus der Gruppe sticht ein Fremdling heraus der sich angeregt mit einer jungen Frau unterhält. Auch er ist offensichtlich ein Magier, die anderen um mehr als Haupteslänge überragend und sehr breitschultrig aber mit feuerroten Haaren, die trotz der Kälte nicht bedeckt sind. Er will sich gerade aus der Gruppe lösen, wohl um seine Hilfe anzubieten, als er einen leichten Griff um seinen Arm spürt, der ihn zurückhält. Er wendet sich um und blickt einem Trinkkumpanen ins Gesicht. Eben hat sich der Hüne noch gut unterhalten und das Funkeln in den Augen seiner Begleiterin als Aufforderung verstanden, doch nun hörte er eindringliches Flüstern: „Lass es, ich erkläre es später!“

    „Du wolltest es mir erläutern! Nun sitze ich hier mit dir statt mit Sabrina. Du weißt schon, dass ich nur deshalb hier bin, weil du mir oft hilfreich eure Sitten erklärt hast. Was soll das jetzt schon wieder? Warum sollte ich zuerst zu dir kommen statt mit Sabrina zum Tanzen zu gehen? Deine Ausrede, dass du mir noch heute abend das Rezeptbuch für das Schlangenleder zurückgeben willst war reichlich schwach. Hat es mit dem alten Mann zu tun, der auf der Straße lag und dem ich nicht helfen sollte? Warum helft ihr nicht, ist es zu viel verlangt jemandem den Arm zu reichen, aufzurichten und nach Hause zu geleiten? Ihr nennt mein Volk gerne rückständig aber bei uns gewähren wir denen Hilfe, die Unterstützung benötigen! Oder hat es mit mir und Sabrina zu tun? Willst du nicht, dass ich ihr näher komme? Willst du dich zwischen uns stellen?“ Aufgeregt mit rotem Gesicht steht der Hüne vor dem anderen Magier. Der ist noch kleiner als die durchschnittlichen Bewohner dieser Gegend und somit fast zwei Köpfe kleiner als der Schimpfende. „Es ist … kompliziert. Und es hat nur am Rande mit Sabrina zu tun“ hört der Schimpfende undeutlich ungefähr auf Brusthöhe. „Ach was kompliziert. Los rede schon.“ Der kleinere geht ein paar Schritte zurück bis er auf eine Bank trifft auf die er sich seufzend niederlässt. „Ich erkläre es dir ,aber reg dich nicht so auf, du machst mir Angst.“
     
    Vor etwa zwei Jahren hat sich hier in Elteran ein fabelhafter Magier niedergelassen. Ihm schien alles zu gelingen, er entdeckte neue Zusammenhänge, seine Sprüche waren unfassbar stark und präzise, er war das was jeder sein wollte und nichts schien ihm wirklich Mühe zu bereiten. Er heiratete, die Frau kam von hier aus gutem Hause, und gebar eine Tochter. Er war sogar auf dem besten Wege in den Rat von Elteran aufgenommen zu werden, alles war so wie immer für ihn, er hatte einfach in jeder Hinsicht unglaubliches Glück. … Nein, unterbrich mich nicht, ich sagte doch schon, dass es kompliziert ist ...
    Du hast unsere Stadtverwaltung gesehen, ein beeindruckendes Gebäude, nicht wahr? Markus, so heißt der, den du heute abend in der Gosse gesehen hast, versprach den übrigen Ratsherren eine Erweiterung des Rathauses. Denn auch wenn es so aussieht, der jetzige Bau genügt nicht mehr den Erfordernissen, die Archive und die Bibliothek sind schon ausgelagert worden, die Amtsstuben dennoch zu klein und zu wenige. So waren alle erfreut davon zu hören, dass es eine Lösung geben könnte.
    Es gibt links und rechts, vorne und hinten keinen Platz für weitere Bauten in der unmittelbaren Umgebung der Stadtverwaltung, höher kann auch nicht gebaut werden und den Keller kann man auch nicht erweitern; die Priester haben festgestellt, dass die Stadtverwaltung auf einem ehemaligen Friedhof erbaut worden ist. Markus´ Lösung war so einfach wie genial – er wollte eine Dimensionserweiterung errichten.
    Nur noch so viel – es ging gründlich daneben. So gründlich, dass ich den Verdacht habe, dass er vorher all sein Glück verbraucht hatte.“
    „Dimensionserweiterung – ihr habt es wirklich geschafft andere Dimensionen zu betreten? Das ist doch fantastisch“
    „Nein, ich sagte doch schon, dass es nicht klappte. Mehr noch, es war eine Katastrophe. Das Folgende habe ich Gerüchten, verschwiegenen Gesprächen, und auch dem Lallen von Markus entnommen. Für den Dimensionsspruch benötigte er Blut – du weißt, dass ich dem sehr aufgeschlossen gegenüberstehe, aber so etwas wäre ich auf jeden Fall vorsichtiger angegangen – er benötigte besonderes Blut. Er hat das Blut seiner Tochter genutzt aber er füllte es nicht in eine Phiole sondern nahm seine Tochter mit in den Schutzkreis, brachte ihr eine Wunde bei und intonierte den Zauber.“
    „Und – ich weiß ja jetzt, dass es in eine Katastrophe mündete, aber was ist passiert?
    „Lass mich ausreden – es ist schwer genug. Markus spricht nicht darüber, was im Schutzkreis passierte bis wir ihn gefunden haben. Denn ich war zufällig einer der ersten, die bei ihm waren, nachdem wir die starke Erschütterung spürten, bei der der Schutzkreis vernichtet wurde. Markus hatte seinen persönlichen Schild aber seine Tochter war den Dimensionskräften vollkommen ausgeliefert. Ich sah nur Rauch und Feuer und Blitze und es roch grauenhaft nach … nein, es roch einfach nur grauenhaft.
    Seitdem versucht Markus seinen Kummer in Wein zu ertränken. Seine eigene Frau hält noch zu ihm, aber die meisten Elteraner wollen mit ihm nichts mehr zu tun haben. Er war bekannt, er war glücklich und er hatte alles um ein Leben wohlgefüllt mit Respekt und Reichtum führen zu können. Doch du solltest nicht versuchen in Gegenwart von anderen Frauen und Männern – vor allem nicht in Gegenwart von Frauen, die du später noch besser kennenlernen möchtest – irgendwie das Thema Markus zu erörtern geschweige denn Markus zu helfen. Du erinnerst dich an Sabrina, die dir heute abend gegenüber saß? Sie ist die Schwägerin von Markus und sie ist nicht gewillt Markus zu vergeben.“
    „Was ist mit der Tochter passiert“
    Der kleinere Magier hebt sein Fuchsgesicht, denn bei der ganzen Erzählung hat er nur auf den Boden zwischen seine Füße geblickt, und schaut den rothaarigen Mann still an.
    « Letzte Änderung: 03. Oktober 2014, 15:49:38 von Alastrobis »
    Was will ich: Arthoria 2.0
    Was brauche ich nicht? Neustart oder zweite Welt, kosmetische Veränderungen in homöopathischer Dosis
    Was kann ich tun? Öhhhh ... Daten auswerten, Statistiken veröffentlichen ... manchmal bin ich auch kreativ.

    Offline Jenna

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #10 am: 03. Oktober 2014, 16:26:38 »
    (Orlin, der Forscher)

    Ein Stückchen Wahrheit

    von einem Forscher, vergilbten Schriftrollen und merkwürdigen Zufällen



    Die Flamme fraß das Wachs auf. Stück für Stück wurde die Kerze kürzer. Ab und zu tropfte es auf den angelaufenen Kerzenhalter, der wohl irgendwann einmal bronzefarben gewesen sein musste. Das Licht flackerte in der kleinen, dunklen Schreibstube, nur durch das verstaubte Fenster fiel ein wenig Tageslicht. Man hörte nichts als das Kratzen einer Feder auf Pergament.
    Der Mann am Schreibpult saß vornüber gebeugt und kritzelte emsig. Wort für Wort, Zeile für Zeile füllte sich langsam der Bogen, und nach einer Weile legte der Mann die Feder beiseite und betrachtete das Geschriebene.
    Neben ihm lagen zwei Briefe. Der eine, der das Siegel des Bürgermeisters trug, war erst vor wenigen Stunden angekommen.

    …,möchte ich Euch bitten, mir unverzüglich eine Abschrift zukommen zu lassen. Dann geht zu Selaya, sie wird wissen, was zu tun ist. Ich danke Euch vielmals für eure Nachricht; ein solches Elixier wird für die Sicherheit unserer Stadt gewiss von großem Nutzen sein.
    Gez. Galveen
    Bürgermeister von Elteran‘

    konnte man auf dem Teil lesen, der nicht von der zweite Nachricht verdeckt wurde.

    ,Seid mir herzlich gegrüßt,
    wenn es Euch passt, sucht mich bitte unverzüglich auf, Ihr wisst ja, wo Ihr mich findet.
    Gez. H.

    hieß es da. Den Rest konnte man nicht lesen, da der Ellbogen des Mannes die Schrift verdeckte.


    Vor einigen Tagen in der morgendlichen Dämmerung, als die Stadt gerade erst am Erwachen war, war er heimgekommen. Heimgekommen, von einer langen, ermüdenden, und nicht einmal erfolgreichen Reise. Selten war er so lange fort gewesen, länger, als er beabsichtigt hatte. Doch als Forscher hatte er sich abgewöhnt, alles genau durch zu planen. Man konnte schließlich nie wissen, was einem gerade über den Weg lief.

    Seine Füße hatten ihn durch die Straßen getragen, bis hin zu seinem Haus. Er kramte nach dem Schlüssel.
    Die Tür knarzte, als er die Klinke herunter drückte und über die Schwelle trat. Kurz blieb er mit seinem Reisesack im Rahmen stecken, aber dann stand er im warmen, gemütlichen Wohnraum. Müde schloss er die Tür, stapfte die Treppe herauf in sein Schlafzimmer und lag schon bald im Bett.
    Während die Sonne immer höher stieg und die Bewohner der Stadt ihren alltäglichen Geschäften nachgingen, fiel Orlin ihn einen tiefen, erholsamen Schlaf und erwachte erst am frühen Abend wieder. Die Herbstsonne schickte ihre warmen Abendstrahlen durch das Fenster, und als er schließlich, nach einem ausgiebigen Bad die Straße überquerte und den lärmigen Schankraum der Elteraner Taverne betrat, fühlte er sich wieder ausgeruht und rundum wohl. Er durchquerte den  Raum, wobei er ein paar Hände schütteln und sich einige Fragen und Kommentare darüber anhören musste, dass er schon fast als verschollen gegolten hatte und wo er denn gewesen sei, und gelangte schließlich zu einem Tisch etwas abseits, in einer Ecke hinter dem prasselnden Kaminfeuer.

    Die alte Dame auf der Bank dahinter hob den Kopf, und als sie ihn erblickte blitzten ihre gutmütigen Augen auf und so schnell es ihre alten Knochen erlaubten erhob sie sich, kam um die Bank herum und nahm seine Hände in ihre. „Orlin. Was für eine Freude, Euch wieder zu sehen.“ Sie setzte sich wieder und winkte ihm, ebenfalls Platz zu nehmen. „Nun, Ihr habt Euch wahrhaftig lange nicht sehen lassen.“ Sie schmunzelte. „Vereinzelt ist mir gar das Gerücht zu Ohren gekommen, Ihr würdet nie wieder kommen. Aber ich bin mir sicher, dass Ihr diese Frage heute schon des Öfteren gehört habt – daher verzeiht bitte meine Neugierde.“

    Orlin und die Antiquitätenhändlerin verband eine langjährige Freundschaft. Als Forscher stieß er bisweilen auf Gegenstände, über die er nichts Genaueres sagen konnte, und dann war er bei Hentaria immer richtig. Andersrum interessierte er sich stets für die Gegenstände, die nicht nur die Einwohner der Stadt, sondern auch die Fremden, die immer wieder in der Taverne Zuflucht suchten, bei ihr eingetauscht hatten – was er wiederum auf die Neugierde schob, die ihn schon immer umgetrieben, und schließlich dazu gebracht hatte, mit dem erforschen abgelegener Landstriche und faszinierender Geschöpfe zu beginnen.

    Orlin winkte dem Wirt und bestellte einen Beerensturm und eine Soragepilzsuppe für sich und einen Kureltee für Hentaria. Während sie auf ihre Bestellung warteten, zog er seinen Reisebeutel zu sich heran und entnahm ihm einen kleinen Lederbeutel, den er ihr reichte. Sie nahm ihn gespannt, zog die Schnur auf und bewunderte die kleinen, blau und violett schimmernden Perlen. „Ein Einsiedler hat sie mir geschenkt“, berichtete Orlin. „Er hatte keinen Verwendungszweck dafür und wusste nicht einmal mehr, wo er sie eigentlich her hatte. Nun, da habe ich sofort an Euch gedacht.“
    Hentaria strahlte. „Ich danke Euch vielmals“, entgegnete sie förmlich. „Zwar sehe ich oft die verschiedensten Perlen, doch diese Art ist auch mir noch nie unter die Augen gekommen.“ Sie verstaute sie sorgfältig in den Tiefen ihrer langen Flickenrobe. Dann blickte sie Orlin ernst an. „Mir scheint, dies ist nicht der einzige Grund für Euren Besuch“, sagte sie. „Ihr macht den Eindruck, als belaste Euch etwas.“ „Nun ja…“ Orlin zupfte nervös am Tischtuch vor ihm herum. Er hatte zwar darauf gebrannt, Hentaria davon zu erzählen, doch nun, in einer vollen Taverne - in der nur zu viele neugierige Ohren darauf warteten, alle möglichen Geheimnisse zu hören, die sie dann in der ganzen Stadt weitertratschen konnten - wollte er sichergehen, dass auch niemand zuhörte. Er schaute sich um und vergewisserte sich, dass alle Umstehenden in ihre Gespräche vertieft waren. Dann wandte er sich wieder an die Antiquitätenhändlerin und beugte sich vor. „Nun ja. Wie ja allgemein bekannt ist, habt Ihr euch in dieser Gegend durch eure Tauschgeschäfte einen Namen gemacht“, begann er. Sie nickte kurz und bedeutete ihm, fortzufahren. „Es ist so…ich vermisse etwas“, fuhr Orlin fort. „Etwas sehr wertvolles, und ich hatte gehofft, dass Ihr mir vielleicht helfen könntet, es wieder zu finden. Auch wenn ich nicht viel Hoffnung habe, dass diese Suche zum Erfolg führen wird.“ Er unterbrach sich, um ein Schluck von seinem Beerensturm zu nehmen. „Darf ich erfahren, um was es sich handelt?“, erkundigte sich Hentaria. Orlin nickte. „Dazu muss ich allerdings etwas ausholen.“

    Und während es draußen immer dunkler wurde, begann er zu erzählen.
    „Wir Ihr wisst, bin ich in der Gegend um Tuley, im Schatten der Berge aufgewachsen. Meine Eltern waren einfache Leute, aber sie machten das Beste daraus, und mich störte es nicht, denn solange ich die Berge erkunden konnte, war ich rundum zufrieden. Mit meinem kleinen Bruder, sein Name ist Gerlon, war ich jeden Tag unterwegs.“ Ein Lächeln stahl sich auf Orlins Gesicht, als er sich an die Abenteuer seiner Kindheit erinnerte. „Wir bauten uns eine Höhle in einer Felsnische, in der wir stundenlang saßen und die Gegend beobachteten, wir streiften durch die Felsschluchten und sammelten die verschiedensten Gegenstände, manchmal machten wir uns auch einen Spaß daraus…“ Er brach ab und räusperte sich. „Verzeihung, ich schweife ab.“ Er blickte zu der alten Dame, die mit großem Interesse seinen Erinnerungen folgte und sah sie lächeln. „Wie dem auch sei…eines Tages, als ich kein Kind mehr war, sondern bereits das Alter der Jugend erreicht hatte, wurde ich übermütig. Auch an diesem Morgen war ich mit Gerlon aufgebrochen. Einige Tage zuvor hatte ich im Bücherschrank meiner Mutter ein altes Heilkundebuch gefunden und jeden Abend darin gelesen. In dem Buch wurde ein altes Laboratorium erwähnt, das, tief im Gebirge von Tuley gelegen, von seltsamen Kreaturen heimgesucht werde. Davon war meine Neugierde natürlich geweckt worden, und den ganzen Tag hielten wir nach jenem Ort Ausschau.“ „Bevor ich Euch falsch verstehe“, unterbrach ihn Hentaria, wie es sonst eigentlich gar nicht ihre Art war. „Verzeiht bitte die Unterbrechung – aber Ihr sprecht doch von Milenius Laboratorium, nicht wahr?“ „Ja“, bestätigte Orlin. „Was ich freilich in diesem Augenblick noch nicht wusste. Jedenfalls…am späten Nachmittag stießen wir auf eine Felshöhle, die man durch einen runden, in den Fels gehauenen Torbogen, betreten konnte. Und natürlich gingen wir hinein – wir hatten ja nicht den ganzen Tag nach diesem Ort gesucht, um dann wieder umzukehren, sobald wir ihn gefunden haben. Und drinnen – nun ja, Ihr wisst ja sicherlich, wie es in diesem verfluchten Laboratorium aussieht. Aber weit und breit war keine einzige Kreatur zu sehen, anders als in jenem Buch meiner Mutter gestanden hatte. In meinem jugendlichen Übermut tat ich nicht das, was das einzig Richtige gewesen wäre – nämlich die Beine in die Hand zu nehmen – sondern drang mit meinem kleinen Bruder tief in die Winkel des Laboratoriums ein. Einige Kessel mit merkwürdigen Flüssigkeiten standen auf Dreibeinen über längst erloschenen Feuern, Phiolen lagen zerbrochen auf dem Boden, einige Kästen mit einem seltsamen Pulver standen auf einem alten, wackligen Holzregal. Ich war fasziniert und begeistert. Gerlon hingegen war die Sache nicht geheuer – das habe ich ihm deutlich angemerkt, aber auch dieser Umstand konnte mich in meiner Begeisterung nicht bremsen. Und dann…“

    Erneut brach Orlin ab. Plötzlich war ihm trotz des warmen Feuers ganz kalt und die Härchen auf seinen Armen stellten sich auf. Er winkte dem Wirt und bestellte sich einen heißen Kakao – ihm war nach süßer Schokolade zumute. Besorgt musterte Hentaria ihn, sagte aber nichts. „Ich griff nach einer Schriftrolle, die neben einem kleinen Kessel lag, um sie mir genauer anzuschauen – und im gleichen Moment erhob sich ein fürchterliches Getöse. Alles wurde durcheinander gewirbelt, und eine grauenhafte Kreatur erhob sich aus den seltsamen Strudeln…es war schaurig. Als wir fliehen wollten, versperrte sie uns den Weg…“ Einen Moment lang starrte Orlin in die Ferne und hing seinen Gedanken nach. Hentaria legte ihm ihre Hand auf den Arm.

    Der Wirt brachte den Kakao, und rasch nahm Orlin ein paar Schlucke, bevor er fortfuhr: „Fragt mich nicht, wie wir da wieder rausgekommen sind, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich plötzlich auf einem Felsplateau unweit unseres Häuschens wiederfand, mit Gerlon an meiner Seite und mit der Spruchrolle noch in der Hand. Wir kehrten in der Dunkelheit nach Hause zurück, und niemand von uns erwähnte dieses Abenteuer auch nur mit einem Wort gegenüber unseren Eltern – aber von diesem Tag an war Gerlon wie ausgewechselt. Er mied mich, kam nicht mehr mit mir nach draußen, und schon bald stellte ich meine Streifzüge ein – auch meine Furcht war nach diesen Ereignissen zu groß.“

    Orlin trank seine Tasse leer und stellte sie auf dem Tisch ab. Das heiße Getränk hatte seine Wirkung nicht verfehlt – ihm ging es wieder ein wenig besser. Er sah sich um. Die Taverne hatte sich fast gänzlich gelehrt, nur auf der anderen Seite des Raumes saßen drei Männer an einem Tisch, auf dem sich die leeren Bierkrüge stapelten. Sie schienen bester Laune zu sein und bekamen von ihrer Unterhaltung offensichtlich nichts mit.

    „Habt Ihr je herausgefunden, was dies für eine Kreatur war?“, fragte Hentaria. „Ich habe schon von den verschiedensten Gestalten gehört, die sich dort herumtreiben sollen, aber keine gleicht auch nur annähernd Eurer Beschreibung.“ Orlin verneinte diese Frage. „Und wie ich dort herauskommen konnte, weiß ich auch nicht“, nahm er die Antwort auf ihre nächste Frage voraus. Dann fuhr er fort: „Ich versuchte, diesen Vorfall zu vergessen, doch schaffte es nicht ganz. Obwohl ich mich bemühte, mit meinem Bruder umzugehen wie immer und die verdammte Schriftrolle, der ich die Schuld für alles gab, ganz hinten in mein Regal stopfte, dachte ich doch unbewusst oft an jenen Tag zurück. Was mich freilich nicht davon abhielt, ganz normal weiter zu leben – schließlich wollte ich so tun, als sei nichts geschehen. Also widmete ich mich in den nächsten Jahren – nachdem ich das Erwachsenenalter erreicht hatte – den Studien über die Natur, ihre Beschaffenheit, ihre seltsamen Anwandlungen, ihre Geschöpfe…nun ja, das wisst Ihr ja. Ich las viel, suchte die verschiedensten Bibliotheken auf, ging oft auf Expeditionen, untersuchte die Geschöpfe und Pflanzen dieser Welt und bereiste weit entfernte Länder. Ich liebe diesen Beruf und würde ihn um nichts in der Welt wieder aufgeben.“ Hentaria hörte die Begeisterung in Orlins Stimme, wie immer, wenn er über seine Tätigkeit als Forscher sprach – der er nunmehr seit über 25 Jahren nachging. „Und tatsächlich gelang es mir schließlich doch, die meiste Zeit nicht mehr an diesen einen Vorfall zu denken – ich tat ihn einfach als blödes Missgeschick ab. Aber trotzdem blieb ein Rest Neugierde, herauszufinden was an diesem Tag geschehen war – und vor allem, was auf jener Rolle stand, deren fremdartige Zeichen ich nie entziffern konnte. Kein Bibliothekar, kein Schriftmeister, niemand konnte mir sagen, was es mit diesen…Zeichen, Runen – ich weiß es nicht – auf sich hat. Selbst in der Bibliothek von Jedar habe ich nichts gefunden.“ Orlin schmunzelte. „Ich weiß, das muss nichts heißen“, sagte er dann. „Niemand wird je von sich behaupten können, alle Geheimnisse dieser Bibliothek zu kennen…“ Er hing einen Moment lang seinen Gedanken nach.

    „Ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben“, begann er dann von neuem. „Bis zu einem Abend vor einigen Monaten. Ich war im Wald unterwegs gewesen, um meine Studien über das Sozialverhalten der Goblins fortzuführen – faszinierende Geschöpfe, nebenbei bemerkt – und auf dem Weg zurück in die Stadt. Kurz vor den Stadttoren traf ich auf einen völlig aufgelösten Magier, der sich ständig panisch umschaute, als hätte er Angst, verfolgt zu werden. Die Wache wollte ihn nicht einlassen, was ich ihr nicht verdenken konnte  – er hatte fürwahr etwas Seltsames an sich. Ich versuchte mit ihm zu sprechen und fragte ihn, was geschehen sei, und zu meiner großen Überraschung  stammelte er etwas von einem Laboratorium, das ihm nicht geheuer sei, und von einem Ungeheuer, das ihn verfolge. Zwar war weit und breit nichts zu sehen, aber ich konnte mir nur zu gut vorstellen, von was für einem Wesen er da sprach. Als er mein Interesse bemerkte, zog er ein Beutelchen, ein paar Fläschchen und eine vergilbte alte Schriftrolle aus seinen Taschen und reichte sie mir. ,Nehmt das‘, sagte er, ,ich will es nicht und werde nie wieder einen Fuß in dieses verfluchte Laboratorium setzen.‘ Ich verstaute die Sachen in meiner Tasche und überredete die Wache, uns beide einzulassen. Der Mann verschwand ohne ein weiteres Wort in den Gassen und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Dort nahm ich die Gegenstände, die er mir gegeben hatte, näher unter die Lupe, aber in dem Beutel befand sich lediglich ein Häufchen mit Heilpulver und die Flaschen waren verstaubt und leer. Und dann betrachtete ich die Schriftrolle und staunte nicht schlecht – sie sah beinahe so aus wie die, die ich seit Jahren aufbewahrt hatte. Und als ich eine Weile mit beiden Rollen rumprobiert hatte, kam ich schließlich hinter die seltsamen Zeichen.“

    Er brach ab, zog seine Tasche zu sich heran und entnahm ihr eine kleine Schriftrolle. Er löste das Band, rollte sie vorsichtig auseinander und zeigte sie Hentaria. „Übereinander gelegt und gegen das Licht gehalten zeigten sich plötzlich Buchstaben, und als ich die Schrift aufmerksam las, stellte ich fest, dass es sich offenbar um ein Rezept handelte.“
    Er reichte Hentaria die Rolle, die sie verwirrt betrachtete und dann umdrehte, um festzustellen, ob auf der Rückseite vielleicht noch etwas stand. „Ich verstehe nicht ganz…“, begann sie verwirrt und gab ihm das Pergament zurück. „Das ist nur die zweite Rolle“, erklärte er. „Das ist es, was ich Euch eigentlich berichten will.“ Sorgfältig verschnürte er die Rolle wieder und verstaute sie in den Tiefen seines Beutels. „Anstatt sofort eine Abschrift anzufertigen, wie ich es eigentlich sonst immer tu, wenn ich auf interessante Schriftrollen stoße, ließ ich sie auf meinem Schreibtisch liegen und ging zu Bett. Und als ich mich am nächsten Morgen in die Bibliothek aufmachte war ich so leichtsinnig, die beiden Rollen einfach in die Außentaschen meines Reisesacks zu stecken. Auf halber Strecke wurde ich plötzlich von hinten angerempelt und fiel zu Boden, und als ich mich wieder aufgerappelt hatte fehlte die erste Rolle.“ Er schwieg einen Moment. „War dies der Grund für Eure lange Abwesenheit?“, fragte Hentaria. „Ihr wart auf der Suche nach der ersten Rolle?“ „So ist es“, bestätigte Orlin. „Ich denke nicht, dass derjenige es gezielt auf diese Rolle abgesehen hat, denn sie sieht einer gewöhnlichen Alttagszauberrolle zum Verwechseln ähnlich – ich vermute eher, dass es sich um einen gewöhnlichen Taschendieb handelte, der eine gute Gelegenheit zum stehlen sah. Und da er wahrscheinlich nichts mit ihrem Inhalt anfangen konnte wird er sie weiterverkauft haben.“ „Eine gewagte Vermutung“, wandte Hentaria ein. „Er könnte sie genauso gut weggeschmissen oder verbrannt haben, wenn sie für ihn keinen Nutzen hatte.“ „Das will ich nicht hoffen“, entgegnete Orlin. „Dennoch habe ich nirgendwo einen Hinweis auf sie finden können. Ich habe fahrende Händler gefragt, auf Marktständen in weit entfernten Städten gesucht, doch niemand konnte sich entsinnen, in letzter Zeit eine solche Rolle gesehen zu haben. Ihr seid also wirklich meine letzte Hoffnung.“

    „Um was für ein Rezept handelte es sich denn?“, erkundigte sich die Antiquitätenhändlerin. „Und warum war es verschlüsselt?“ „Nach allem, was ich gelesen habe, muss es sich um ein Elixier handeln, dass den Trinkenden dazu zwingt, alle Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten“, sagte Orlin leise. „Und damit ist, denke ich, auch die zweite Frage beantwortet – in falschen Händen könnte solch ein Elixier großen Schaden anrichten.“ Er winkte dem Wirt, aber da dieser gerade Gläser spülte und nicht hinschaute stand er auf, ging zur Theke, und kam mit einem Bier für sich und einer zweiten Tasse Kureltee für Hentaria zurück.
    „Milenius selbst muss es angefertigt haben, kurz vor seinem Verschwinden“, fuhr er fort und setzte sich wieder. „Zumindest sprechen die verschnörkelte Handschrift sowie das Datum auf der Spruchrolle dafür.“

    Hentaria nippte an ihrem Tee. „Ich werde mich umhören und nach dem Verbleib der Rolle erkundigen“, versprach sie. „Aber ich kann euch nichts versprechen. Wenn dieser Rolle zu viel Aufmerksamkeit zuteilwird, wäre es nicht verwunderlich, wenn sie nicht mehr aufzufinden ist.“ Sie stellte die Tasse wieder ab. „Und was wollt Ihr mit dem Rezept, falls die erste Rolle wieder auftaucht?“, fragte sie. „Nun ja…richtig eingesetzt könnte es von großem Nutzen sein, nicht wahr?“, entgegnete Orlin zögernd. „Es könnte bei Verhören zum Einsatz kommen und uns mehr über die Pläne von Spionen und Diebesbanden sagen, die ja leider immer noch überall ihr Unwesen treiben. Auch wenn es natürlich nicht allen Schaden wird abwenden können.“ Hentaria nickte anerkennend. Ein paar Minuten lang sagte niemand von ihnen etwas. „Was ist eigentlich aus Eurem Bruder geworden?“, fragte sie dann. Orlin seufzte. „Er hat mir zwar irgendwann verziehen, aber dennoch ist der Kontakt mittlerweile fast abgebrochen – zumindest hat er auf meine letzten Briefe nicht mehr geantwortet. Und wo er im Moment steckt – ich weiß es nicht.“ Hentaria nickte und wieder schwiegen sie.

    Ein Lärm in der anderen Ecke der Taverne ließ sie zusammenzucken. Die drei betrunkenen Männer hatten lallend einige der Bierkrüge vom Tisch gestoßen, und sofort war der Wirt zustelle, kassierte ab und warf die drei heraus. „Ich wollte hier jetzt dichtmachen“, sagte er dann und kam zu ihnen hinüber. „Auch wenn ich Euch natürlich nicht hinaus werfen möchte.“ Orlin nickte, kramte in seiner Tasche und reichte dem Wirt mit der Bemerkung „Stimmt so“ einige Silbermünzen. Der Wirt bedankte sich, räumte die leeren Gläser und Krüge ab und wünschte ihnen eine gute Nacht.
    „Wenn ich etwas höre, werde ich Euch eine Nachricht zukommen lassen“, sagte Hentaria, als sie draußen vor der Taverne standen. „Und ansonsten wisst Ihr ja, wo ich zu finden bin.“ Sie zwinkerte ihm zu, wünschte ihm eine gute Nacht und verschwand dann langsam in einer der zahlreichen Straßen, die von dem Platz wegführten. Orlin gähnte und machte sich dann ebenfalls auf den Weg nach Hause.

    Noch einmal vergewisserte er sich, dass er beim Abschreiben keine Fehler gemacht hatte – die Folgen könnten verheerend sein. Dann zog er einen zweiten Bogen Pergament zu sich heran und begann noch einmal von vorn.

    Eine Stunde später klopfte er an die Rathaustür und wurde auch prompt eingelassen. „Meister Orlin“, sagte der Türwächter und deutete eine Verneigung an. Orlin nickte ihm kurz zu und begab sich dann auf die Suche nach dem Bürgermeister.

    Abermals eine halbe Stunde später stand er zusammen mit Selaya, der Alchemistin in deren Labor. „Es wird eine Weile dauern, aber es scheint alles seine Richtigkeit zu haben“, sagte sie und musterte die Rolle mit dem Rezept kritisch. „Und keine Sorge, ich lasse es nicht in falsche Hände geraten“, versprach sie. „Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.“

    Am Abend saßen Orlin und Hentaria erneut einträchtig zusammen an jenem Tisch in der Taverne, an dem er ihr erst vor ein paar Tagen von den seltsamen Rollen erzählt hatte. „Ich bin Euch zu großem Dank verpflichtet“, sagte Orlin und prostete ihr zu. „Schon merkwürdig, wie eines zum anderen kommen kann…doch erzählt, wie seid Ihr an die Rolle gekommen?“  „Die Wege dieser Welt sind oft unergründlich“, sagte sie und lächelte geheimnisvoll. Orlin starrte einen Moment lang ins Leere. Er wusste, sie würde es ihm nicht sagen – auch eine alte Dame hatte ihre wohlgehüteten Geheimnisse. „Nur eines verstehe ich noch nicht“, sagte sie dann plötzlich. Er blickte sie fragend an. „Was es wohl  mit jener seltsamen Kreatur auf sich hat, die im Laboratorium ihr Unwesen zu treiben scheint?“, überlegte sie nachdenklich. „Jeden Tag suchen wahrhaftig viele Zauberer diesen Ort auf, um gegen die verschiedensten Kreaturen zu kämpfen – aber keiner von ihnen hat je etwas von einer derartigen Kreatur berichtet. Und soweit mir bekannt ist, hat auch noch nie jemand eine Spruchrolle oder eine Rezeptur von diesem Ort mitgebracht.“

    Orlin lächelte nachdenklich. „Dann wird dies das Nächste sein“, entgegnete er, „das es zu erforschen gibt.“
    « Letzte Änderung: 03. Oktober 2014, 16:43:23 von Jenna »

    Offline MajinPiccolo

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #11 am: 04. Oktober 2014, 04:37:39 »
    Markus – Abenteuer eines Trunkenbolds

    Auszug aus: Markus – Chroniken eines Säufers 


    Markus erwachte durch das aufgeregte Gackern einiger Hühner, die eine Bäuerin durch jene hintere Gasse trieb, in welcher er nun lag. Oberkörperfrei und von blauen Flecken übersät, die Hosen zerrissen, so dass man seine weisse Leinenunterwäsche schon sehen konnte und neben ihm eine Laute. Er war das Trinken schon seit seiner Jugend gewohnt, weshalb ihn der Platz, an dem er erwachte, nicht weiter verwunderte. Schon des Öfteren schlief er nach seinen Saufgelagen an dem Ort ein, an dem er sich für einen Augenblick zum Durchatmen niedergelassen hatte. Meistens wachte er trotzdem wieder zu Hause auf, da ihn ein paar freundliche Leute, wenn sie ihn so auffanden, zu seiner Wohnstatt brachten. Doch in einer derartigen Situation wie an jenem Tage befand er sich noch nie zuvor. Wie lange lag er nun hier? Stunden? Tage?

    Sein erster Versuch sich wieder aufzurichten endete mit einem schmerzhaften Aufschrei. Wie es aussah hatte er sich die rechte Schulter ausgekugelt. Langsam gelang es ihm auf die Beine zu kommen. Vor ihm war ein schwerer Karren mit Mehlsäcken, der an eine Häuserwand gelehnt war. Schnell war die Lösung seines Problems gefunden. Er richtete den Karren ein wenig auf und steckte den rechten Arm zwischen die dort entstandene Lücke. Den Karren kurz losgelassen und den Körper ruckartig gedreht, löste er das Problem seiner Schulter mit einem kurzen Schmerzensschrei als hätte er es nie anders gekannt.

    „Oh verdammt... mein Kopf! Was ist geschehen???“, waren die ersten Worte, die er an jenem Tag ohne Aufschrei herausbrachte.
    Vorsichtig tastete er an seiner Hose entlang und glitt dabei mit der Hand in die noch intakte Hosentasche um zwei zusammengeknüllte Blatt Papier herauszuziehen.
    „Was ist das denn? Schriftstücke der örtlichen Wäscherei und des Goldschmieds? Vielleicht sollte ich da einmal vorbeischauen...“, murmelte er vor sich hin und griff dabei zur Laute. „Und woher kommt dieses Instrument?!“
    Kurz darauf machte er sich auf den Weg in Richtung der örtlichen Wäscherei.

    „Guten Morgen, Markus! Schön, dass ihr wieder ganz bei euch seid. Ich habe mich natürlich sofort um euer Hemd gekümmert. Es sieht aus wie neu! Nochmals Dank für die Goldmünzen!“, wurde Markus schon beim Betreten der Wäscherei voller Vorfreude vom Besitzer des Ladens begrüsst.
    „Oh... äh... habt Dank! Wisst ihr zufällig noch, was geschehen war?“, fragte Markus voller Neugierde und zog sich dabei das Hemd über.

    Mit einem kräftigen Ruck öffnete der betrunkene Markus die Tür, welche gegen die Wand knallte, als würde ein tollwütiges Wildschwein gewaltsam Zugang zum Laden suchen. Erschrocken stand der Besitzer der Wäscherei an seinem Tresen, nichtsahnend wer oder was da nun kommen könnte.
    „Hha-hallo?!! Wäz... wässsh... wäschemann?? *rülps* Kjönnt ihrs mein Hemd sauber machen? Sssischt etwasch fleggig.“ Markus torkelte bis zum Tresen vor und zog dabei das Hemd aus, welches von Blut- und Erbrochenem gezeichnet wohl nicht seinen besten Tag hatte. Er verhedderte sich beim Ausziehen in den Ärmeln und stürzte beinahe auf den Tresen des Besitzers, bevor er sich wieder fangen konnte.
    „Die Hose auch?“, deutete der Wäscher auf den Fetzen, den Markus noch am Körper trug.
    „Ii-sch hab den Gasschen... Gjoss-sen... *hicks* Sch-schämpignon bess-iegt. Hab aber eilig. Hiersch 50 Gold!“
    Noch bevor sich der Ladenbesitzer bei Markus bedanken konnte, hatte dieser sich auch schon umgedreht und stolperte gegen die Tür... um sie dann zu öffnen und hinauszugehen.


    Markus kam aus Verlegenheit ein wenig ins Schwitzen.
    „Ach... so war das?“, schaute er lachend zum Besitzer des Ladens. „Könnt ihr mir vielleicht noch sagen, was es mit diesem Gossenchampion auf sich haben könnte?“
    Der Wäschereibesitzer räusperte sich kurz. „Nun, es wird gemunkelt, dass nachts im elenderen Viertel der Stadt einige Strassenkämpfe ohne Magie ausgetragen werden... nur mit blossen Fäusten! Ich vermute stark, dass ihr gestern von dort gekommen seid, dem Zustand eurer Kleidung nach zu urteilen.“
    Mit einem Dank auf den Lippen verliess Markus die Wäscherei und machte sich auf zum Armenviertel um nach weiteren Antworten zu suchen.

    Die Bettler des Viertels waren für gewöhnlich sehr redselig, doch musste man schon ein Goldstück parat haben. Ironischerweise hatte Markus heute anscheinend den Lederbeutel mit Gold woanders hin verlegt, was die Zungen der Bedürftigen nicht unbedingt lockerte.
    „Da ist ja mein Champion! Wie geht es euch? Habt ihr den Weg zurück in des Bürgermeisters Vorgarten gefunden?“, schreckte ein Fremder, dessen fleckig braune Kleidung früher anscheinend in verschiedenen, bunten Farben geleuchtet haben muss, Markus auf. Neben ihm stand ein Koloss von Mann, dem offensichtlich drei Zähne fehlten und, neben dem blühenden Veilchen, eine verkrustete Wunde am Kinn als auffälliges Merkmal diente.
    „Oh, verzeiht mir werter Herr. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Ablauf meines gestrigen Tages erinnern. Könntet ihr mir vielleicht auf die Sprünge helfen?“
    Der Fremde lachte laut auf als Markus ihm dies erzählte, dann fing er an von der Nacht davor zu berichten.

    „Und wieder ist ein Gegner am Boden! Mit Trollkopf sollte sich keiner anlegen, aber wer es wagt und gegen meinen Champion besteht, kassiert einen ganzen Beutel voll Gold. Mindestens 1.000 Goldmünzen haben sich hier durch die heutigen Wetteinsätze gesammelt! Keine Magie, sondern echte Kämpfe mit Körpereinsatz sind hier gefordert! Wer traut sich!“, rief der Fremde, welcher weder sich, noch seine Kleidung gewaschen zu haben schien, in die tobende Menge, die sich im Kreis um die Kämpfer versammelt hatte.
    Plötzlich stolperte jemand durch die Massen in die Mitte des Kreises.
    „H-Hiaa! Brausch ichs Gold für... für... ja für wasss? A-abba dringend! Mein Freund de Büggersmeischter wartet auf mis-ssch! *hicks*“ Markus hob die Fäuste, während er nach links und rechts schwankte.
    „Oho! Ein Freund des Bürgermeisters besucht uns?! Erhalten alle seine Freunde solch modische Hosen, die in Streifen an den Beinen herunterhängen? Na da wollen wir doch einen Abgesandten der Elteraner Bürokratie nicht so lange warten lassen, wie die Bewohner dieses Viertels auf ihre Bescheide und Steuerentlastungen warten müssen!“, der Mann scherzte, doch dann nickte er dem riesigen Kerl namens Trollkopf zu und flüsterte, „Mach es kurz und schmerzvoll!“

    Beide Kämpfer standen nun mittig in dem Kreis, der von der johlenden Menge gebildet wurde. Trollkopf startete mit einer Links-Rechts-Links-Kombination von Schlägen, doch mit einer erstaunlichen Reaktion wich Markus immer wieder nach links oder rechts aus, kurz davor zu stolpern und sich doch wieder fangend. Doch neben Markus schneller Reaktion war die Ansammlung der Leute auch über seine Nehmerqualitäten verwundert. Einige harte Körpertreffer und eine blutige, aufgeplatzte Lippe schienen ihm nichts auszumachen. Er wischte sich kurz das Blut mit dem Hemd ab und machte weiter. Sofort darauf startete Markus selbst einen Angriff. Ein gekonnter linker Haken setzte seinen Gegenüber außer Gefecht. Das Problem war nur, dass er grade einen Zuschauer ausgeschaltet hatte...
    „Euer Gegner ist hinter euch!“, lachte der Ansager lauthals los, sichtlich amüsiert über diesen Markus und seine seltsamen Kampfesfertigkeiten.
    Trollkopf stürmte nun wütend auf Markus los, als dieser bemerkte, dass sein Schuh offen war und sich vornüber beugte. Auf so einen Reflex nicht vorbereitet, rannte der riesige Kerl in Markus Kopf. Durch die Wucht des eigenen Anlaufes schnellte Trollkopfs Oberkörper nach vorne und mit dem Gesicht geradewegs in eine Hauswand.

    „Unglaublich!“, stammelte Trollkopfs Begleiter von seinem Platz am Ring, denn Markus hatte den ganzen Kampf über nur seine linke Schlaghand benutzt. „Wir... Wir haben einen neuen Champion!“
    „Dassch hassu nun davon! Mein betrunken Boxschen musch gjelernt schein! *rülps*“, wankte Markus wieder in Kampfpose vor dem Fremden. Zähneknirschend, aber doch amüsiert übergab dieser daraufhin den Beutel mit Gold an Markus.


    Markus war peinlich berührt, doch dann fragte er sich, wo denn das gewonnene Gold geblieben sein könnte. Der Fremde lachte erneut lauthals und erinnerte Markus daran, dass er doch angeblich von seinem Bürgermeister-Freund kam.
    „Galveen??!!“, schluckte Markus schwer und befürchtete Schlimmes.
    Der Fremde nickte ihm freundlich gestimmt zum Abschied zu, ohne jedoch zu vergessen noch zu erwähnen, dass er jederzeit wieder zu einem Kampf in der Gosse willkommen sei. Markus verabschiedete sich und setzte seinen Weg mit neuem Ziel fort. Nächster Halt: Stadtverwaltung und Galveens Residenz.
       
    Nach einer längeren Wanderung durch die Viertel, erreichte Markus die Stadtverwaltung. Und die umzäunte Residenz von Galveen. Als er grade um eine Ecke bog, bemerkte er an den Spitzen des Eisenzaunes etwas.
    „Ist das nicht...???“,  stammelte er grade so heraus und wurde dabei ziemlich blass im Gesicht. In diesem Augenblick bogen zwei Stadtwachen um die Ecke.
    „Ihr da!“, schrie eine der Wachen und drohte mit einem Griff ans Schwert. „Wollt ihr erneut bei Bürgermeister Galveen randalieren?!“

    „In diesem Zustand und um diese Uhrzeit wird euch kein Einlass gewährt!“, wies die Wache den torkelnden Markus vom Eingang zu Galveens Sitz ab.
    „Isch brauchs abber ein Beamten! Gansch wischtig!“, versuchte Markus sein dringendes Anliegen zu bekräftigen.
    „Kommen sie morgen früh wieder... und nüchtern!“, reagierte der andere der Wachleute schroff und diese Aussage schien auf Markus Wirkung gezeigt zu haben. Er wankte die Strasse hinunter und bog um die Ecke ein, als er den Eisenzaun links von sich genauer betrachtete.
    „Sss wär ja gelacht, wenn isch da nüscht raufkomm!“, lallte er noch, kurz bevor er sich in die Hände spuckte und an den Spitzen des Eisenzaunes hochzog, was jedoch sehr schmerzhaft für seine rechte Schulter war. Als er dabei war auf die andere Seite des Zaunes zu gelangen, blieb er mit seiner Hose an den Spitzen hängen. Das fehlende Gleichgewichtsgefühl führte dazu, daß er stürzte und sich dabei seine Hosen komplett in Fetzen riss.
    „Ssischt abba windig hia! *hicks*“, beschwerte er sich noch, während er sich in Galveens Rosenbeet erleichterte um dann den schweren Aufstieg zum Balkon zu nehmen. Da die Türen bei Galveen nachts zum Lüften gerne einmal offen standen, war der weitere Einstieg kein Problem mehr für ihn.
    „Jalveeeeeen!“, brüllte er durch die große marmorierte Halle in der er stand. „Jalveeeeeen! Isch brausch en Beamten!“ Irgendwie drehte sich alles in Markus Kopf und am Ende übergab er sich in nahezu jeder Ecke der riesigen Halle. Nach etwa sechs erfolglosen und 14 erfolgreichen Versuchen wischte er sich den Mund am Hemd ab.
    „Oh... isch musss *hicks* ersshtmal Gjeschenke holen!“, traf Markus eine spontane Erkenntnis, als Galveen auf wiederholtes Zurufen nicht reagierte.
    In der Zwischenzeit waren Galveens Wachleute durch den Lärm alarmiert. Sie stürmten in die Halle, mussten sich aber zuerst einen sicheren Weg durch die Lachen an Halbverdautem auf dem Marmorboden bahnen. Markus hatte zu diesem Zeitpunkt das Anwesen jedoch schon längst  wieder verlassen.


    „Lasst euch hier bloss nicht noch einmal blicken!“, sprachen die Wachen, als sie sich Markus Entschuldigung angehört und ein Auge zugedrückt hatten.
    „Was ist hier gestern nur passiert?“, fragte sich Markus und hantierte nervös an seiner Hosentasche. Das zweite zusammengeknüllte Schriftstück in der Hand, das er vom Goldschmied hatte, würde ihm vielleicht Antworten liefern...

    „Ah, ich hoffe die Überraschung ist gut angekommen!“, wurde Markus beim Betreten des Geschäftes vom Goldschmied beglückwünscht.
    „Überraschung? Verzeiht, was meint ihr damit?“, antwortete Markus ihm erstaunt.
    „Na die Ringe! 950 Goldstücke habt ihr für beide hingelegt. Einen davon tragt ihr doch an eurem Finger. Ihr wolltet eure Auserwählte noch in jener Nacht das Eheversprechen geben!“, erwiderte der Goldschmied.
    Markus wurde kreidebleich. Nun hatte auch er den Ring an seinem Finger bemerkt und ein kleiner Teil seiner Erinnerungen holte ihn wieder ein.

    „Ssschmied! Hier isch all mein Gold! *hicks* Jebt mir eur bessschten Hochseitssringe! Isch werd Ehe... *rülps*.. menschdingens.“

    Markus wusste nun, wohin ihn sein weiterer Weg führen würde. Nämlich nach Hause! Doch er fürchtete sich ein wenig, wer oder was ihn dort erwarten könnte. Trotz allem musste er da nun durch.

    Verhalten klopfte er an seiner Eingangstür. Schritte kamen immer näher und stoppten letztendlich an der Tür. Als die Türe aufging, war es für Markus im ersten Moment wie ein durch Magier auferlegter Blend-Zauber, doch es war die Schönheit der Frau, die ihm die Tür öffnete, welche ihn so verzückte. Er verlor sich nahezu in ihren endlos blauen Augen, die wie der Ozean in allen Nuancen schimmerten.
    „Ist alles okay mit dir, Liebster? Ich bin es! Melinya! Erinnerst du dich nicht mehr?“, fragte sie ihn doch etwas verwundert. Doch in genau diesem Moment fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

    „Ssschönes Kind! Bringsscht du mia noch eine Flasch von dem Enten... Eltan... *hicks* Elteraner Schaumwein?“, sprach Markus die Kellnerin an.
    „Ich sagte euch doch, nennt mich Melinya, netter Mann!“, zwinkerte sie ihm frech zurück und reichte ihm eine weitere Flasche des teuren Getränkes.
    „Melinya! Du sollst doch nicht mit Kundschaft flirten! Bring mir lieber noch einen neuen Öffner für diese Weinflaschen. Die Öffner sollten irgendwo im obersten Stock auf dem Dachboden liegen.“, kommandierte sie der Wirt der Taverne herum.
    „Ich bin ja schon auf dem Weg...“, reagierte Melinya etwas genervt.
    Währenddessen zahlte Markus seine angefallene Zeche, welche zu des Wirtes Erstaunen nicht besonders hoch ausfiel und machte sich mit der angefangenen Flasche Elteraner Schaumweines auf den Heimweg. Keine drei Schritte aus der Tür getreten, hörte er ein lautes Poltern und einen gellenden Schrei über sich. Etwas flog hinunter und er konnte grade noch schnell genug die Arme ausbreiten, damit sein Schaumwein nicht auf dem Boden landete. Dafür hatte er auf einmal die junge Kellnerin in den Armen und einen unheimlich stechenden Schmerz in der rechten Schulter.
    „Ihr... ihr habt mir das Leben gerettet!“, stammelte Melinya Markus dankbar entgegen und umarmte ihren Retter. Markus betrachtete währenddessen seine Flasche.
    „Isch... bin scho glücklisch, dassu heil geblieben bisch... wie konnt issch nua ohne dich leben!“. Er öffnete leicht den Mund, bereit einen tiefen Schluck aus seiner Flasche zu nehmen, als ihm die Kellnerin einen innigen Kuss gab.
    „Oh Markus... ich bin nun schon so lange heimlich in euch verliebt gewesen. Ihr wisst gar nicht, wie froh ich über eure schönen Worte bin!“ Melinya hüpfte freudig in seinen Armen auf und ab. Dabei verschüttete er etwas von dem Schaumwein.
    „Eeeey!“, raunte er kurz, doch dann kreuzte sich sein Blick mit ihrem und er bemerkte dieses ganz besondere Gefühl in seiner Magengegend. Alles drehte sich... DAS konnte nur wahre Liebe sein!
    „Willsu mei Weib... äähm... mei Frau werden? Lasss uns glei heiraten! *rülps*“, schoss es regelrecht aus ihm heraus.
    „Oh bei Teraja!“, kreischte die junge Kellnerin, „Natürlich will ich eure Frau werden!“
    Vorsichtig setzte Markus seine Zukünftige ab um dann entsetzt festzustellen: „Wir brauchn ein Beamten! Isch hol Gjaaalveen *hicks* her!“

    Einige Stunden später, nachdem Markus durch halb Elteran geirrt war und auch Ringe besorgt hatte, begegnete das Paar genau vor einer Kirche Galveen, wie er grade von einer Reise zurück in Richtung seines Anwesens war. Markus nutzte die Gunst der Stunde und bat den Bürgermeister um seine Unterstützung bei der Trauung. Dieser rümpfte zwar erst die Nase, was wohl eher von der Alkoholwolke die ihm entgegen flog herrührte, traute das paar aber dann doch standesgemäß um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.


    Überglücklich seine Odyssee endlich beendet zu haben und dann noch mit so einer wunderschönen Frau belohnt worden zu sein, lud Markus alle seine Freunde und Verwandten zum Feiern in die Taverne ein.
    Dort angekommen und schon kräftig am Feiern, mischte sich auf einmal der Barde ein und riss Markus wütend die Laute, die dieser die ganze Zeit an einem Band befestigt über der Schulter trug, weg.
    „Ihr wolltet sie euch nur ausleihen! Ich muss hier meinem Geschäfte nachgehen!“, erzürnte sich der Barde und Markus erinnerte sich ein weiteres Mal an etwas.

    „Hallo Barde! Wie wäre es mit einer kleinen Wette? Du leihst mir diesen Abend deine Laute und ich zeige dir, wie der Job richtig gemacht wird.“, scherzte Markus zu später Stunde.
    Was dieser jedoch nicht ahnte war, dass Elteran zu dieser Zeit begonnen hatte die ersten Ansammlungen von Magiern in die Stadt zu lassen. Die Taverne wurde für jene zur großen Anlaufstelle und jeder wollte plötzlich den Barden für zwei Flaschen Guljakwein über seine Heldentaten singen hören. So kam es dazu, dass Markus an diesem Tage den Rausch seines Lebens erfahren sollte.


    Dies alles geschah vor nunmehr sieben Jahren und zur Verwunderung vieler sind Markus und seine Frau Melinya noch immer wie frisch verliebt. Markus scheint vom Glück geküsst zu sein, denn egal in was für Situationen er in seinem angetrunkenen Zustand gerät, sie enden für ihn immer mit einem glücklichen Ende. Seine Frau ist ihm auch heute noch dankbar für ihre Rettung und lässt keinen Zweifel daran, dass Markus für sie ein wahrer Held ist und wie sehr sie ihn doch liebt.



    geschrieben von MajinPiccolo
    « Letzte Änderung: 04. Oktober 2014, 05:24:08 von MajinPiccolo »




    Offline MajinPiccolo

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #12 am: 04. Oktober 2014, 05:39:08 »
    Dieser Beitrag ist als Anhang bzw. kleines Schmankerl zu meinem Beitrag über Orlin gedacht. Leider reichte die maximale Beitragslänge nicht aus um ihn dort direkt anzufügen, somit musste es als separater Beitrag her. Die Entscheidung, ob ihr es mit in den Beitrag aufnehmen möchtet, bleibt euch überlassen. Ich finde es ergänzt ein paar nette Dinge über ihn. Kann aber auch gerne außer Konkurrenz laufen.







    Orlins persönliche Aufzeichnungen

    14. September – Mittagszeit
    Die letzten Wochen tauchen immer mehr Monster im Umland von Elteran auf. Die Bürger sind verängstigt, doch die Hoffnung naht. Im ganzen Reich wurden Ausrufe gemacht, welche jeden fähigen jungen Magier in die Stadt beordern sollen. Die oberen Köpfe des Stadtrates haben gut daran getan sich auf die eigentlichen Stärken unseres Reiches zu konzentrieren und wieder Vertrauen in unsere magischen Talente zu setzen. Muskelkraft und Söldnertum ist zu solchen Zeiten definitiv fehl am Platz. Ich spüre, dass hier eine dunklere Bedrohung dahintersteckt als wir es im Moment wahrnehmen können.
    Es war an der Zeit neue Magieanwender in die Stadt zu rufen! Es kann unmöglich sein, dass jemand wie ich, der seine Zeit mit Forschungen und dem Studieren von Schriftstücken verbringen sollte, als einer der stärksten Anwender des Arkanen der Stadt gilt und Anstürme von Goblins, Wildtieren und anderen Monstern von den Stadtmauern aus koordinieren muss. Darum sollten sich die wahren Helden oder Abenteuerlustigen kümmern. Mich persönlich würde es viel eher interessieren woher diese Kreaturen kommen. Ob die Pforten zur Hölle geöffnet wurden? Grassiert eine Krankheit, welche dieses aggressive Verhalten bei den Kreaturen auslöst? Ich wünschte ich könnte wieder diesen Fragen nachgehen und müsste nicht hier auf der Stadtmauer sitzen und die nahen Wälder beobachten.

    14. September – Abend
    Vor wenigen Augenblicken kam der junge Jukal durch das Stadttor gestürmt. Jukal ist ein verträumter Geselle und will eines Tages Alchemist werden. Aus diesem Grund war er noch draussen auf den Feldern um einige Kräuter zu sammeln. Die Furcht in seinen Augen liess mich seinen Worten glauben. Er berichtete von einem hellen Licht und einem unnatürlichen Surren, welches nur wenige Meter von ihm weg aufgetaucht sei. Er wollte gar nicht erst wissen, was hinter dieser merkwürdigen Erscheinung steckt, sondern nahm die Beine in die Hand. Vielleicht tat er gut daran. Es juckt mich in den Fingern mir diese Sache persönlich anzusehen, doch ich muss hierbleiben. Stattdessen wurden zwei unserer Wachleute aus der nächtlichen Schicht als Patrouille in dieses Gebiet gesandt. Ich hoffe die Kommandeure wissen, was sie tun.

    14. September – Kurz vor Mitternacht
    Ich höre Kampfgeräusche von den Feldern. Helle Lichter erhellen das Firmament des Sternenhimmels. Schreie. Auf einmal herrscht Stille. Ich befürchte das war unsere Patrouille. Diese Nacht werde ich besonders wachsam sein. Etwas sagt mir, dass wir es hier nicht nur mit gewöhnlichen Monstern zu tun haben.

    28. September – Mittag
    Aus allen Ecken Arthorias strömen sie mittlerweile herbei. Oh, ihr Anwender des Arkanen, gesegnet seid ihr! Endlich kann ich mich wieder auf meine Forschungen konzentrieren. Immer mehr Bürger kamen in den letzten Tagen auf mich zu und berichteten von diesen seltsamen Lichtern und Geräuschen. Bedauerlicherweise traute sich keiner eine persönliche Begegnung mit dem Ursprung des Ganzen zu erleben. Ich werde also demnächst selbst meine Sachen packen und einen kleinen Ausflug ins Umland von Elteran wagen. Auf gutes Gelingen!

    20. November – Früher Morgen
    Endlich wieder zu Hause! Mein Ausflug hat mir nicht die erhofften Erkenntnisse gebracht, jedoch konnte ich einige Wochen mit einer Horde wilder Goblins verbringen und ihre Sozialstruktur studieren. Sie waren intelligent genug um mich nicht als Bedrohung zu sehen und zu meinem Erstaunen waren diese kleinen Kerlchen als Stamm zivilisierter, als manche Gruppe Trinker, welche ich aus der Taverne in Elterans Zentrum habe torkeln sehen. Ich beherrsche sogar mittlerweile ein wenig ihre Sprache und sollte meine Erlebnisse sofort in einem Buch verfassen, damit die Bürger Elterans etwas nachsichtiger mit diesem Völkchen umgehen.
    Ich frage mich, ob nicht vielleicht unsere rasch expandierende Bevölkerung einfach nur die Lebensräume dieser Völker bedroht und sie sich deswegen so zur Wehr setzen. Wir müssen lernen andere Kulturen ebenso wie unsere eigene Lebensweise zu respektieren!

    11. Dezember – Nacht
    Wurde soeben mal wieder vom völlig betrunkenen Barden mit einer Ode an die Liebe geweckt. Das ist schon das dritte Mal diese Woche! Wann kapiert er endlich, dass Selaya, meine liebreizende Nachbarin, zwei Häuser weiter wohnt?! Ich muss in Erfahrung bringen, was ihm die ganzen Magier tagsüber in der Taverne so alles zum Trinken ausgeben, damit er von ihren Heldentaten singt. Aber eines ist sicher: Dieser Barde hat eine verdammt trinkfeste Leber!
    Habe mich aufgrund dieses Vorfalles entschlossen morgen der hiesigen Taverne einen Besuch abzustatten, denn auch diese Sache mit der mysteriösen Erscheinung lässt mir die letzten Tage nicht allzuviel Schlaf. Sollte vielleicht auch einige Worte mit Selaya wechseln, dass sie sich ihre Liebsten lieber zukünftig nach ihrer Intelligenz und nicht nach der Trinkfestigkeit aussuchen sollte.

    12. Dezember – Mittagszeit
    Ich war in der Taverne. Ein wahrer Sündenpfuhl. Viele der Magier, die es in die Stadt gezogen hat, haben sich einem der drei Götter Teraja, Heraios oder Curulum angeschlossen, aber im Saufen sind sie alle gleich! Einige hingen fast leblos auf ihren Tischen, andere versuchten sich in Tamoa. Es ist belustigend einem Haufen Magier bei Denkspielen zuzusehen, wenn sie mindestens drei Flaschen Guljakwein intus hatten. Ich habe eine ganze Flasche Guljakwein verschwendet um einige Informationen vom Wirt der Taverne zu bekommen, doch er redete nur etwas von besonders starken Kreaturen, welche die Welt so noch nicht gesehen hat und wo ich sie finden könnte.
    Ein Reinfall, dachte ich, bis ich einigen Magiern am Tisch zuhören konnte, wie sie von etwas Ungewöhnlichem berichteten. Ihre Aussagen stimmten insoweit überein, dass sie alle von einer merkwürdigen goldenen Kugel angegriffen wurden, welche ein helles Strahlen und einen komischen Summton von sich gab. Das musste es sein! Diese goldene Kugel muss die Erscheinung sein hinter welcher ich seit Monaten her bin! Ich spüre, dass ich nah dran bin!

    13. Dezember – Morgen
    Ein Bekannter kam vorbei und bat mich einige Berichte zu prüfen, nach denen es im Galja-Archipel zu merkwürdigen Sichtungen von Kreaturen kam. Womöglich handelt es sich dabei um eine völlig neue und unbekannte Spezies! Ich packe meinen Reisekoffer lieber so schnell wie möglich. So ein Schiffsausflug in den sonnigen Süden ist genau das Richtige zu dieser kalten Jahreszeit.
    Ich werde wahrscheinlich einige Monate weg sein. Ich mache mir am Besten eine Notiz, dass ich nach meiner Rückkehr wieder wegen dieser goldenen Kugel recherchiere. Sonne, Meer und Berge! Ich komme!

    24. Dezember – Abend
    Heute erreichte mich ein Weihnachtsgruss aus Elteran in meiner Unterkunft in Maranôn. Er kommt von Selaya, welche während meiner Abwesenheit mein Haus hütet. Sie wünscht mir alles Gute für meine weitere Reise und schreibt, dass ich ihr fehlen würde. Sie ist immer so unglaublich nett! Ausserdem erwähnt sie, dass sie den Barden vor einigen Tagen total betrunken und orientierungslos in meinem Bett gefunden hätte. Der Kerl hatte sich wohl nachts mit einer Leiter durch ein Fenster in mein Haus geschlichen, in der Hoffnung die liebliche Selaya zu erwischen. Ich muss mal ein ernstes Wort mit diesem Kerl reden!

    12. Januar – Morgen
    Wahnsinn! Meine Hände zittern und ich kann kaum schreiben! Erst entdecke ich dieses wundervolle unberührt scheinende Tal und dann... Drachen!!! Die mächtigsten magischen Wesen ihrer Art und sie leben Seite an Seite an diesem wundervollen Fleckchen Erde! Ich muss mich erst einmal wieder sammeln. Diese Eindrücke sind ganz neu für mich.
    Ich werde eine separate Studie darüber führen und alle Arten in diesem Tal katalogisieren. Das ist ein Fortschritt für uns Menschen wie seit Jahrtausenden nicht mehr! Wir können von einer als ausgestorben geltenden Rasse lernen! Ich muss versuchen mit ihnen in Kontakt zu treten!

    23. November – Mittag
    Fast ein ganzes Jahr ist vergangen. Ich habe meine Berichte über die Drachen so gut wie abgeschlossen. Das Leben hier ist so wunderbar und friedlich. Ich würde meinen Lebensabend hier verbringen, doch es ist an der Zeit nach Elteran zurückzukehren. Womöglich macht sich die ein oder andere Person schon bereits Sorgen über mein langes Fernbleiben weit ab der Heimat. Morgen bereite ich mich auf den Rückweg vor. Meine Berichte über die Drachen werde ich zu einem eigenen grossen Werk bündeln.

    15. Dezember – Abenddämmerung
    Ein Kapitän hat mir in Maranôn einen Platz auf seinem Schiff zugesichert. Ich reise morgen früh mit ihm, seiner Crew und einem Haufen Söldner, welche zur Verstärkung nach Elteran übersetzen wollen, da dort eine Horde gefährlicher Raben die Stadt angegriffen haben soll.
    Ich hoffe Selaya geht es gut. Elterans Wirt wird sich ebenfalls über meine Rückkehr freuen. Ich bringe ihm etwas mit, damit seine Taverne nicht ganz zu einer Suffbude verkommt. Gesellschaftliche Spiele, welche Dandron und Symbol-Sudoku genannt werden. Dadurch sollte sein Laden wieder gesellschaftsfähiger werden.

    17. Dezember – Morgen
    Unfassbare Abscheulichkeiten geschehen hier! Ich schreibe einen Bericht über die Erlebnisse auf dieser geheimnisvollen Insel. Die Seite wird aus meinen Aufzeichnungen entfernt und per Irrlicht sofort nach Elteran geschickt, damit er dort in mehrfacher Ausfertigung als Warnung in Umlauf kommt. Meine weiteren Aufzeichnungen rette ich erst einmal in meine reisefeste Tasche, da wir uns zur Zeit auf einem Mast treibend auf hoher See befinden und der Wellengang stärker ist als erwartet. Hätte ich nur etwas magische Tinte mitgenommen! Die letzten Überlebenden und ich versuchen uns von der Strömung treiben zu lassen und hoffen auf eine befahrene Schiffsroute zu kommen.

    17. Dezember – Abend
    Wir wurden gerettet! Ein Schiff hat uns aufgelesen und zurück nach Maranôn gebracht. Gleich morgen nehme ich das nächste Schiff nach Elteran und hoffe auf etwas besseres Wetter als bei meiner letzten Schiffstour. Hätte ich doch nur einen fliegenden Besen, dann wäre ich schneller in Elteran, aber leider sind dies nur Erzählungen aus Märchen.
    Ich muss nach meiner Ankunft sofort in die Archive der Bibliothek. Elteran hat die grösste und umfangreichste Sammlung an Schriften, da sollte zumindest ein Bericht über diese geheimnisvollen Magier und deren Schriften in den Archiven zu finden sein.

    18. Dezember – Morgen
    Auf dem Weg zum Hafen überraschte mich in einer Seitengasse ein grelles Licht gefolgt von einem Summton. Unglaublich! Es war eine goldenen Sphäre! Mein erster Kontakt mit dieser Erscheinung hätte ohne ausreichende Magiekenntnisse und einen Vorrat an Heiltränken tödlich für mich enden können. Zum Glück konnte ich diese Sphäre zur Strecke bringen, nur um kurz darauf mitzuerleben, wie sie sich selbst wieder zum Laufen bringt und vor meinen Augen verschwindet. Seltsam. Immerhin liess sie einige Bestandteile ihrer Hülle zurück, bei denen es sich um einige Goldnuggets und Splitter von Licht-, Schatten- und Gleichgewichtskristallen handelte. Ich sollte meine Untersuchungen auch in dieser Richtung fortsetzen.

    28. Dezember – Mittag
    Heute bin ich seit über einem Jahr das erste Mal in meinem Anwesen. Es hat sich nichts verändert. Selaya begrüsste mich herzlich. Ich bin müde. Werde mich gleich aufs Ohr legen und erst einmal eine Runde schlafen. Schlaf... das fehlte mir die letzten Nächte. Kein Hin- und Hergeschaukel der Wellen mehr. Einfach nur Ruhe.

    30. Dezember – Nacht
    Die Rova-Zwillinge sind heute endgültig ihrem Wahn und Fanatismus erlegen. Sie haben die Stadt angegriffen und sich selbst mit einem Zauber zu furchterregenden Kreaturen verwandelt. Die Leute hätten auf mich hören sollen, als ich sie warnte, dass es einen grossen Unterschied gibt zwischen der Tatsache an seine Götter zu glauben oder aber in einen fanatischen Wahn zu verfallen und in ihrem Namen handeln zu wollen. Ich war Zeuge als sich alle Magier, egal ob sie dem Gott Heraios, Curulum oder Teraja angehörten, zusammenschlossen und die fanatischen Zwillinge besiegten, die daraufhin einen Regen von Splittern hinterliessen.

    5. Februar – Morgen
    Schhhhhabe geschtern gebechert, den laaaangen lieben Tag. Bin heut morschänn mitm Kopfschmerz aufjewacht und da war dann plöttschlisch das Buch da und jetzt schreibsch ich. Muss aufs Klo un da hämmertsch dauernd wer an meinSchlafschimmertür! Mirsch übel...
    Nachtrag: Ich habe jetzt magische Runen über alle Fenster und Türen meines Hauses gezaubert, so dass mein Anwesen während meiner Abwesenheit versiegelt ist und keiner hineinkommt. Dieser Barde lag heute morgen schon wieder in meinem Bett. Der schöne Bettvorleger aus Maranôn ist jetzt in der Wäsche. Meine Aufzeichnungen sollte ich auch nicht überall offen herumliegen lassen.
    Bin bei meiner letzten Reise in die Wüste Tarun einem Beduinen namens Alagom begegnet. Er wollte alle meine Silberwaren aufkaufen und war auf dem Weg nach Elteran. Ich hab ihm alles was ich hatte für einen guten Preis verkauft. Er schien mir einen netten Eindruck zu machen.

    10. März  – Nachmittag
    Ich ging die letzten Tage entschlossen in Arthorias grösste Bibliothek um in den Archiven nach Schriftstücken oder Hinweisen zu den geheimnisvollen Magiern und ihren Symbolen zu suchen. Vergeblich. Alle neueren Bücher und Schriften enthalten nicht das kleinste Detail darüber, was es mit diesen Magieanwendern auf sich hat. Telan erzählte mir, dass es im Keller noch alte und kaum benutzte Archive geben würde, in welchen ich meine Suche fortsetzen könnte.
    Ich bin gewillt so lange weiterzusuchen, bis ich auf einen Hinweis stosse! Und wenn ich alles dreimal durchlesen muss!

    11. März – Mitternacht
    Die Erde bebt und die Natur verschwört sich gegen uns! Der Tempel von Heraios hat grosse Schäden abbekommen. Während seine Anhänger und Terajas Zöglinge beim Wiederaufbau helfen, behindern einige wenige Anhänger Curulums die Reparaturen, indem sie sich den Helfern in den Weg stellen oder Baumaterial verschwinden lassen.




    Offline Jenna

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #13 am: 04. Oktober 2014, 17:55:41 »
    (Rimund)

    Die etwas andere Biographie

    von einer langjährigen Freundschaft, kuriosen Schreiberlingen und der Anregung der Geisteskraft


    „Ein Interview?“ Der Angesprochene schaute auf. Den Mann vor sich identifizierte er als Schreiberling, er hatte ihn bestimmt schon einige Male in der Bibliothek getroffen…wie war nochmal sein Name? „Ich stelle Euch Fragen und Ihr beantwortet sie“, erklärte der Schreiberling. Der erste Mann seufzte. „Ich weiß sehr wohl, was ein Interview ist“, sagte er und fegte mit einer Handbewegung einen Stapel Blätter von einem Stuhl, dem er dem Anderen anbot. Er setzte sich, zückte eine Feder, eine Rolle Pergament und ein Tintenfass. „Doch bitte erklärt mir den Zweck dieses Interviews“. „Ich werde Eure Biographie schreiben“, prahlte der Schreiber. „Vielleicht habt Ihr ja von jenem Schreibwettbewerb gehört, den der Bürgermeister veranlasst hat – ich werde teilnehmen und gewinnen!“ Er strahlte über das ganze Gesicht und der andere fragte sich im Stillen, wo Telan diesen Menschen wohl aufgegabelt haben mochte. Manchmal hatte er bei der Wahl seiner Schreiber wirklich seltsame Vorlieben. Er nahm sich vor, ihn bald darauf anzusprechen.
    Eigentlich hatte er hier seinen Feierabend genießen wollen, sodass ihn das Aufreten des Schreibers etwas ärgerte. Er versuchte jedoch, sich nichts anmerken zu lassen. Vielleicht konnte es ja ganz unterhaltsam werden. „Nun, einverstanden“, entgegnete er und räusperte sich. „Aber keine kreativen Ausschmückungen, unnötige Übertreibungen und…“ Der Schreiber schaute beleidigt. „Ich bitte Euch“, entgegnete er eingeschnappt, „wofür haltet Ihr mich denn?“ Da er keine Antwort gab, scharrte der Schreiber ungeduldig mit den Füßen. „Darf ich nun beginnen?“, fragte er hochmütig. „Bitte“, antwortete der Mann und der Schreiber zog ein weiteres Blatt Pergament hervor und begann mit seiner ersten Frage.

    Zwei nervenaufreibende Stunden später war er ihn endlich wieder los. Immer wenn er geglaubt hatte, dass er nun zum Ende gekommen sei, hatte der Schreiberling eine neue Frage gestellt – und was für Fragen es gewesen waren! Er hatte nicht das Gefühl gehabt, dass er sich für ihn als Person interessierte; vielmehr hatte er den Eindruck gehabt, dass der junge Schreiber sich einbildete, schnell zu viel Ruhm zu kommen, indem er ein paar Lebensdaten über ihn auf ein Pergament kritzelte und es dann bei Telan abgab.
    Er packte seine Sachen zusammen. Es war schon spät, der Schankraum der Taverne war leer und er glaubte nicht, dass er heute noch Gesellschaft bekommen würde. Er wünschte dem Wirt eine gute Nacht und machte sich dann auf den Weg nach Hause.
    Unterwegs grübelte er weiter über den Schreiber und seine Fragen nach. Gewiss, trotz seines Unmutes hatte er alle Fragen wahrheitsgemäß und ausführlich beantwortet – aber waren ein paar Lebensdaten, ein paar Informationen über seinen Werdegang und ein paar Angaben zu seiner Familie wirklich alles, was ihn als Person beschrieb? Nein, befand er. Zu einer Biographie gehörte weitaus mehr. Das andere mochte vielleicht stimmen, aber es war leer und langweilig und könnte so oder so ähnlich auf jeden seiner Kollegen in dieser Welt zutreffen.

    Bald erreichte er sein kleines, aber gemütliches Häuschen. Obwohl er durch seine Arbeit einiges an Gold einnahm, hatte er nie verstanden, was andere dazu bewegte, sich Villen auf ihr Grundstück bauen zu lassen, in denen bequem zehn Personen leben könnten. Er selbst liebte sein kleines Haus, das an der einen Seite direkt an die Stadtmauer grenzte, und um nichts der Welt hätte er es gegen eine Villa oder gar ein Herrenhaus eingetauscht.
    Am nächsten Morgen, als er aus der Haustür trat, um sich auf den Weg zur Taverne zu machen, sah er eine Brieftaube in seinem Vorgarten auf – und abhüpfen. Kaum, dass sie ihn sah, ließ sie ihm eine Nachricht vor die Füße fallen und entschwirrte dann wieder. Er hob sie auf und entrollte das Pergament. Es trug das Siegel des Bürgermeisters, war aber trotzdem nur mit einer kurzen Nachricht bekritzelt. Er erkannte die unordentliche Handschrift und las.

    Sei mir herzlich gegrüßt,
    ich würde mich freuen, wenn du mir heute Abend bei einem Gläschen Wein Gesellschaft leistest. Es gibt einiges zu besprechen; außerdem ist heute ja ein wichtiger Tag!
    Gez. G.

    Er schmunzelte, steckte das Blatt zusammengefaltet in seine Tasche und setzte seinen Weg in die Taverne fort. Dieses Treffen kam ihm sehr zupass. Seit der Begegnung mit dem Schreiberling am Vortag spielte er mit einer Idee – doch zunächst wollte er unbedingt die Meinung Galveens hören.

    Es wurde ein stressiger und langer Tag, und er war froh, als er gegen Abend seine Sachen zusammenpacken konnte. Er brachte sie rasch nach Hause, zog sich eine frische Robe an (ein übereifriger junger Magier hatte ihm versehentlich seinen Kakao auf die andere gekippt, als er gegen Mittag kurz in der Taverne vorbeigeschaut hatte) und stand einige Minuten später vor der Residenz des Bürgermeisters persönlich. Er klopfte, wurde ohne weitere Fragen eingelassen und schlug den Weg zum Salon ein. Als Bürgermeister war es selbstverständlich, dass Galveen in einer großzügigen Residenz wohnte – ihm selber wäre das allerdings zu pompös gewesen. Aber Galveen sah das alles eben ein bisschen pragmatischer.
    Galveen, der die Türglocke gehört hatte, kam aus dem Salon geeilt und wäre fast in ihn hinein gelaufen. Stattdessen breitete er die Arme aus und bedachte ihn mit einer kräftigen Umarmung. „Du weilst also auch noch unter den Lebenden“, zog er ihn auf und lies ihm den Vortritt. „Hast du schon zu Abend gegessen?“ Der Mann gehörte zu den wenigen Einwohnern Elterans, mit denen der Bürgermeister sich duzte. Aber, so überlegte er, als er ihm gegenüber an der langen Holztafel Platz nahm, alles andere wäre auch seltsam gewesen, so lange, wie sie sich nun kannten. „Nein, ich bin noch nicht dazu gekommen“, entgegnete er wahrheitsgemäß. Galveen schmunzelte. „Ich sag ja immer, du verbringst zu viel Zeit in dieser dunklen, staubigen Bibliothek. Nun, dann greif zu.“
    Während sie aßen, plauderten sie über dies und das, über die neuesten Gerüchte, die in der Stadt umher schwirrten und über die aktuellsten Geschehnisse. Anschließend machten sie es sich mit einer Flasche Elteraner Schaumwein vor dem großen Kamin an der Stirnseite des Salons bequem. „Erzähl, wie geht es mit deinem Projekt voran?“, fragte Galveen nach einigen Minuten. „Wie man hört, arbeitest du im Moment an einer ganz großen Sache?“ Der andere verzog das Gesicht. „Nun ja“, begann er. „So würde ich es nicht nennen. Überdies wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich damit anfangen kann, einige Bürger zum Testen aufzurufen.“ „Und du wirst mir natürlich nicht verraten, um was es sich handelt“, lachte der Bürgermeister. „Natürlich nicht“, entgegnete er ebenfalls lachend. „Nun denn“, sagte Galveen und hob sein Glas. Sie stießen miteinander an.
    „Ich schätze, meine neue Reihe ist nicht das einzige, wegen dem du mich hergebeten hast?“ Er stellte sein Glas wieder auf dem kleinen Beistelltisch ab. Galveen blickte ihn verwirrt an. „Natürlich nicht – hast du schon vergessen, welchen Tag wir heute haben?“ Der andere runzelte die Stirn und überlegte kurz. „Den 15. Tag des elften Mon…oh, natürlich!“ Er fasste sich an die Stirn. „Wo bin ich nur wieder mit meinen Gedanken.“

    Es war eine kalte, sternenklare Nacht. Vor einigen Tagen hatte es den ersten Bodenfrost gegeben, und der erste Schnee würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Mann trug viele Taschen mit sich. Einen ganzen Monat lang war er unterwegs gewesen, doch nun konnte er in der Ferne tatsächlich die Stadtmauern erkennen. Nur noch ein Stück, sagte er sich. Ihm fror, und er hätte viel dafür gegeben, sein Ziel bereits erreicht zu haben. Aber nun, mit der Stadt direkt vor Augen, raffte er sich ein letztes Mal auf.

    Die Wache war in ihrem Torhäuschen eingedöst und schreckte auf, als es energisch klopfte. Einmal, zweimal, dreimal…brummelnd richtete der Soldat seine Dienstmütze, rappelte sich hoch und spähte durch das kleine Fenster im Tor. Den Mann da draußen hatte er noch nie gesehen. Er seufzte. Das bedeutete nur wieder Arbeit.

    Er wollte gerade ein viertes Mal klopfen, als das Tor sich einen Spalt weit öffnete. Ein Wachsoldat, der aus irgendeinem Grund seine Dienstmütze falsch herum trug, spähte hinaus. „Wer seid Ihr und was ist Euer Begehr?“, fragte er brummig und ohne eine Begrüßung. Der Fremde stellte sich vor. „Hergekommen bin ich, um in der Stadt Arbeit zu suchen.“ Die Wache musterte ihn von oben bis unten. „Und wo kommt Ihr her?“, fragte sie dann kurz angebunden. „Ich bin einige Wochen durch die Fernlande gereist“, entgegnete er. Langsam froren ihm die Füße ein und er hoffte, dass dies der Wache als Antwort genügen würde.

    Die Wache betrachtete den Fremden erneut. Gefährlich sah er nicht aus; überdies schien er die Wahrheit zu sagen. Aber halt – die vielen Taschen. „Darf ich fragen, was Ihr da alles mit Euch herum schleppt?“ Der Fremde schüttelte den Kopf. „Mit Verlaub – nein. Ich kann Euch lediglich sagen, dass ich all diese Gegenstände für mein Handwerk benötige.“ „Dann kann ich Euch nicht einlassen, bedaure“, erwiderte der Soldat schnippisch und schlug das Tor wieder zu.

    Der Fremde wurde wütend. Er war doch nicht wochenlang gereist, um sich dann von einer nervigen Wache am Stadttor abwimmeln zu lassen! Erbost klopfte er wieder gegen das Tor. Die Wache streckte noch einmal den Kopf heraus, wahrscheinlich um ihm klar zu machen, dass er die Stadt nicht betreten durfte, aber der andere war schneller. „Ich würde Euch gerne mein Handwerk zeigen“, begann er. „Lasst mich Euch überzeugen – gelingt es mir, so lasst mich eintreten.“

    Die Wache überlegte schnell. Der Fremde würde nicht so einfach verschwinden, das war klar. Dann würde er sich eben ansehen müssen, was auch immer der Fremde ihm vorführen wollte. Hoffentlich kam er ihm nicht mit lächerlichen kleinen Straßenzaubertricks.

    Nach einer Viertelstunde musste der Soldat schließlich einsehen, dass er verloren hatte. Mit einem Seufzen öffnete er das Tor und ließ den Fremden eintreten. In knappen Sätzen erklärte er ihm den Weg zur Taverne. „Meldet Euch morgen früh beim Bürgermeister“, ergänzte er dann noch, schlug das Tor hinter endgültig zu und begab sich wieder in sein Häuschen.

    Nach einigen Stunden Schlaf und einem kargen Frühstück, für das sein letztes Gold draufging, klopfte der Neuankömmling am nächsten Morgen am Rathaus, um sich und sein Handwerk vorzustellen und nach Arbeit zu suchen. Er nannte sein Anliegen, wurde eingelassen und wartete dann, bis der Bürgermeister Zeit für ihn haben würde. Während er auf seiner Bank saß und wartete dachte er darüber nach, welche Möglichkeiten es hier wohl gegen mochte. Konnte er sich vielleicht in der Taverne niederlassen, in der er genächtigt hatte? Oder wäre es vielleicht besser, seine Arbeit auf den Marktplatz zu verlegen, wo gewiss die meisten Magier vorbei kamen? Schließlich wurde er zum Bürgermeister vorgelassen und sah sich einem Mann gegenüber, der ihm hätte fremd sein müssen - der ihm aber doch seltsam bekannt vorkam.

    Galveen hatte sich soeben durch einen Stapelt Formulare zur Finanzierung der Erweiterung der Bibliothek gekämpft und einige Briefe beantwortet. Das Alltagsgeschäft des Bürgermeisters eben. Das Treffen mit den Räten zur Planung der nächsten Veranstaltungen zur Unterhaltung der Bürger hatte verschoben werden müssen. Daher freute er sich nun auf eine wohlverdiente Pause, als es an der Tür klopfte. Er antwortete mit einem „Herein!“ - und hatte plötzlich das Gefühl, in eine andere Zeit zurückversetzt worden zu sein. Einen Moment lang hatten sie sich nur angestarrt, dann lagen sie sich plötzlich in den Armen. Galveen beschloss spontan Feierabend für heute zu machen (obwohl er erst drei Stunden gearbeitet hatte) und den ganzen Nachmittag saßen sie sich gegenüber in der Taverne und redeten und redeten. Es gab so viel zu erzählen. Irgenwann kam noch der Bibliothekar der Stadt hinzu, Telan mit Namen. Und als der Bürgermeister sich am Abend verabschiedete hatte er nicht nur einen neuen Arbeitsplatz sicher - der Bibliothekar und der Bürgermeister waren sich einig, dass genau dies in Elteran noch fehlte - sondern auch eine neue Heimat gefunden.


    „Du hast mich angeschaut, als ständest du plötzlich einer Medusa gegenüber“, erinnerte er sich lachend. Die Glut im Kamin flackerte und rasch beugte Galveen sich vor und legte noch ein Stück Holz nach. „Du meine Güte, ich hatte ja keine Ahnung! Der Bürgermeister höchstpersönlich! Dabei war ich doch nur her gekommen, weil ich diesen wunderbaren Ort voller Magie sehen wollte.“ Galveen schmunzelte. „Aus demselben Grund bin ich einst hergekommen“, erwiderte er. „Und ich hatte plötzlich das Gefühl als sei es erst gestern gewesen, dass wir nebeneinander am Tisch im Salon meines Elternhauses saßen und uns die Vorträge von diesem schrecklichen Rudan anhörten.“
     
    Die beiden hatten ihren Hauslehrer gehasst. Beide aus wohlhabenden Familien stammend und aufgewachsen in einer kleinen Stadt nördlich der Hochebene von Ral hatten ihre Eltern irgendwann beschlossen, dem herumtollen der beiden Jungen ein Ende zu setzen. Tag für Tag waren sie im Wald unterwegs gewesen, hatten Höhlen gebaut und in ihren Vorstellungen die wildesten Abendteuer erlebt. „Du musst an deine Zukunft denken“, zitierte sein Freund seine Mutter. „Was soll nur aus dir werden, wenn du den ganzen Tag im Wald herumstromerst und nichts als Unsinn im Kopf hast!“ Und so war beschlossen worden, einen Lehrer anzuschaffen, der ihn und seinen Freund Galveen, den Nachbarsjungen, unterrichten sollte – denn die gewöhnliche Schule war den Eltern für ihre Kinder nicht gut genug. Jeden Morgen mussten sie sich sein trockenes Gerede über Geschichtsdaten, Formeln und Naturwissenschaften anhören. Zaubersprüche wurden niemals erwähnt; die Eltern beider Jungen waren sich einig, dass sie mit „diesem Zauberergesindel“, wie sie es nannten, nichts zu tun haben wollten. Aber dies alles ging lediglich ein paar Tage halbwegs gut. Die Geduld und die Nerven des Hauslehrers - ein gewisser Rudan, der sich damit brüstete, auch den schwierigsten Kindern seine geballte Ladung Wissen einzubläuen - wurde bald auf die Probe gestellt. Die beiden Jungen dachten gar nicht daran, jeden Tag brav ihre Daten zu büffeln. Sie langweilten sich im Unterricht und hätten ihre Zeit viel lieber auf den Dachböden der alten Villen verbracht, um in verstaubten Folianten alles selber nachzulesen und hie und da auf eine alchemistische Rezeptur oder einen interessanten Zauberspruch zu stoßen. Sie dachten ja gar nicht daran, auf ihre Eltern zu hören, und so ließen sie sich bald alles Mögliche einfallen, um dem Unterricht zu entgehen.

    Seine Mutter, eine jähzornige Frau, war daraufhin zu ihrer Nachbarin gestürmt und hatte sich lauthals beschwert. „Euer Galveen hält meinen Sohn vom lernen ab!“, lautete ihr Vorwurf. Galveens Mutter, über diesen Vorwurf alles andere als erfreut, blaffte zurück, dass sie das aber gar nicht so sehe, und die beiden Frauen keiften sich so lange an, bis keine mehr ein Wort mit der anderen wechseln wollte. Den Jungen wurde der Kontakt verboten – woran sie sich natürlich auch nicht hielten. Sie trafen sich nachmittags im Wald, den sie schon gemeinsam erkundet hatten, als sie gerade laufen gelernt hatten und übten heimlich Zaubersprüche. Aber bald darauf waren seine Eltern mit ihm und seinem Bruder weit weg in den Süden gezogen.

    Da er seinen besten Freund nun verloren hatte, langweilte er sich schrecklich. Die Tage waren lang und öde und er wusste mit seiner Zeit nichts mehr anzufangen – bis er in einem Buch, das er sich heimlich von seinen Eltern „ausgeliehen“ hatte, ein paar zerknitterte Papiere fand. Papiere mit Aufgaben, über deren Lösung er mehrere Tage brütete. Und als er sie dann gelöst hatte, machte er sich auf die Suche nach neuen Rätseln. Von Galveen hatte er bis zu jenem Tag vor nunmehr 10 Jahren nichts mehr gehört. Eine Brieftaube besaßen beide nicht, was bei der Abneigung ihrer Eltern gegen jedwede Art von Zauberei auch nicht weiter verwunderlich war.

    „Ich habe das Gefühl, wir schwelgen jedes Jahr in den gleichen Erinnerungen“, riss Galveen ihn aus seinen Gedanken. „Aber eines muss ich dich noch fragen – mir kam es erst vor ein paar Tagen in den Sinn.“ „Ja?“, fragte sein Gegenüber nach. „Erklär mir mal, wie du an dieser Wache vorbeigekommen bist“, lachte Galveen. „Ich kenne den Wachmann ziemlich gut – er ist ein misstrauischer Kerl, und vor allem wird er nicht gerne beim Schlafen gestört.“ „Ich habe ihm ein Rätsel aufgegeben“, kam prompt die Antwort. „Er konnte es nicht lösen.“ „Was ihn in seiner Ehre ziemlich gekränkt haben wird“, stellte Galveen trocken fest. „Wo er sich doch für solch einen klugen Kopf hält.“ „Apropos kluger Kopf…“ Das erinnerte ihn an etwas. Während Galveen ihm noch ein Glas Wein einschenkte erzählte Rimund von seiner gestrigen Begegnung mit dem Schreiber aus der Bibliothek, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, seine einzig wahre Biographie zu schreiben. Galveen amüsierte sich köstlich. „Telan hat bei der Wahl seiner Schreiber bisweilen wirklich seltsame Vorlieben“, erklärte er dann. „Ich sollte ihn vielleicht einmal darauf ansprechen! Und schließlich habe ich diesen Wettbewerb ja nicht ins Leben gerufen, damit ein ungestümer Taugenichts ein paar Eckdaten über dein Leben auf ein Blatt Pergament schmiert!“

    „Ich fand seine Fragen entsetzlich“, kam die Antwort prompt. „Entsetzlich langweilig…das könnte so oder so auf jeden beliebigen Menschen zutreffen, der seine Begeisterung für Rätsel entdeckt hat.“ „Dann nimm es doch einfach selbst in die Hand“, schlug Galveen vor und Rimund strahlte. „Genau das war auch meine Idee“, entgegnete er. „Die Bürger sollten mehr erfahren als mein Geburtsdatum und die Tatsache, dass ich viel umhergereist bin, bei den verschiedensten Rätselmeistern dieses Handwerk erlernt, und mir nebenbei noch die Grundkenntnisse der Magie angeeignet habe.“ Er war zwar nie ein Meister der großen Worte gewesen – das überließ er lieber Telan und seinen Schreibern – aber immerhin ging es hier um ihn selbst. Um sein Leben und um das, was er selber daraus gemacht hatte.

    Den ganzen restlichen Abend überlegten sie hin und her und her und hin und kamen sich dabei wieder vor wie die beiden Jungen, die einst gemeinsam Pläne geschmiedet hatten, um dem Unterricht ihres Hauslehrers zu entkommen. „Ich werde meine Biographie selbst verfassen, ohne meinen Namen zu nennen“, entschied Rimund schließlich. „Ich werde jeden, der sie liest rätseln lassen, werde Hinweise verstecken und mit Vermutungen spielen.“ Galveen prostete ihm ein letztes Mal zu. „Du machst deinem Namen wahrhaftig alle Ehre!“

    Ein großes Dankeschön gebührt Euch, lieber Leser, dass Ihr mein bescheidenes Werk bis zum Ende verfolgt habt. Auch wenn es gewiss für eine Biographie ungewöhnlich sein mag, meinen Namen bis zum Schluss nicht preis zu geben, hoffe ich, Euch beim Lesen unterhalten zu haben. Wenn Euch je der Sinn nach weiteren Rätseln steht, sei es zur Unterhaltung oder zum Anregen Eurer Geisteskraft, so bin ich in der Elteraner Bibliothek, der Taverne oder im Rathaus zu finden.


     

    « Letzte Änderung: 05. Oktober 2014, 10:36:03 von Jenna »

    Offline Philos

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    Antw:Forenwettbewerb: Elterans Berühmtheiten (Teil 1)
    « Antwort #14 am: 05. Oktober 2014, 10:37:33 »
    Beitrag zu Hentaria
    ___________________________________

    Von der alten Frau Hentaria
    Gesammelt und aufgeschrieben von Philos,
    Magier und Kämpfer des Curulum,
    Zu Elteran


    Wohl bin und war ich schon in manch verwunschenem Gebiet unterwegs; auch habe ich schon viele Sagas vernommen, manche gar selbst gedichtet und unter das Volk zu deren Erheiterung und manchmal auch Empörung gebracht. Von den Minotauren in ihren Höhlen habe ich gehört, den gehörnten, brutalen Bestien, die gnadenlos jeden niedermetzeln, der sich in ihr Reich hineinwagt; von dem schrecklichen Monster Medusa, das Haar voller Schlangen und ein Gesicht so göttlich schön, dass man in ihren Augen vergehen möchte, und wahrlich, man erstarrt zu Stein bei ihrem Anblick; von den Kentauren, den Pferde-Mensch-Wesen, meisterliche Bogenschützen und voller Eifersucht und Rache gegenüber jedem, der ihre Jagdreviere streitig macht.

    Von all diesen Wesen habe ich gehört, und all diesen Wesen bin ich begegnet. Und dass ich dies zu berichten weiß, zeugt davon, dass ich als Sieger aus unseren Begegnungen hervorgegangen bin, um Weisheit und Beute reicher: Den Minotauren schlug ich ihre Hörner ab, und ihrem obersten Anführer entrang ich sein Zepter; ich widerstand dem Zauber der Medusa, bezwang sie, woraufhin sie selbst zu Stein wurde, und nahm mir einen der versteinerten Schlangenköpfe aus ihrem Haar als Trophäe mit; und ich rannte mit den Kentauren um die Wette, wich ihren Pfeilen aus und traf sie selbst mit meinen Zaubern, um ihre meisterlichen Bögen und ihre Kräutersicheln an mich zu nehmen.

    Dies waren Trophäen, nichts weiter als Andenken an eine glorreiche Zeit meiner Vergangenheit. Groß war deshalb meine Überraschung, als ich in der Taverne zu Elteran einer alten Frau begegnete, die sich Hentaria nennt. Ihre Haut war runzelig wie die einer alten Kartoffel, doch ihre Kleidung und ihr Schmuck zeugte von einem bescheidenen Vermögen. Sie hatte von meinen Geschichten und rühmlichen Taten gehört, und sie war erpicht darauf, mir meine Trophäen abzuschwatzen. »Nein«, sagte ich also, »nicht geben werde ich dir meine Kostbarkeiten, denn sie sind Zeichen meines Muts, meiner Kraft, meiner Verwegenheit; sie zeugen von meinen großen Taten.«

    Die alte Frau lächelte nur, und sie meinte: »So wäre ein Tausch angebracht, verehrter Held«, und sie deutete auf den Tisch, an den wir uns gesetzt hatten. Und so wahr ich ein Krieger des Curulum bin, vor meinen Augen erschienen wundersame Gegenstände, wie ich sie noch nie gesehen hatte: metallene Würfel, von Blitzen überzogen; magische, faustgroße Kugeln, gedacht zum Verstärken der eigenen Zauber; ein Dreiecksteil von Boruh, ein höchst seltenes Artefakt, dem nicht leicht beizukommen ist; und noch vieles, vieles mehr.

    Sie machte mir Angebote über Angebote, und ich nahm alle an, die ich bewerkstelligen konnte. Und Hentaria sagte mir, sie würde häufiger in der Taverne verkehren, und stets mit neuer Ware auf mich und andere Abenteurer warten.

    So saßen wir denn nach getanem Tausch beisammen und unterhielten uns angeregt. Ich versuchte aus ihr hervorzulocken, woher sie diese wundersamen Gegenstände hatte; denn sie versicherte mir, dass sie meinen Bedarf immer decken würde, vorausgesetzt, ich hätte jene Gegenstände zur Hand, die sie benötigte. Ich bin nicht verlegen zuzugeben, dass die Gier Besitz von mir ergriff bei diesem Schatz, der sich mir darbot, und ich wollte selbst Herr dieses Reichtums werden, über den die alte Frau verfügte.

    So begann sie ihre Geschichte: »Ich lebe schon so lange, dass ich selbst nicht weiß, wie alt ich bin. Doch in meiner Jugend war ich ebenso abenteuerlustig wie Ihr und euresgleichen. Ich reiste durch die Welt, ich entdeckte ferne Länder und fremde Kulturen; ich reiste über das Meer und fand neue Strände und neue Schätze.«

    Ab diesem Moment wusste ich bereits nicht mehr, ob ich lachen oder weinen sollte; diese alte Frau tischte mir Märchen von Ländern jenseits des Ozeans auf, obwohl doch jedermann weiß, dass es nichts auf der anderen Seite dieser riesigen Wassermassen gibt. Schiffe sind schon aufgebrochen, um nie wieder gesehen zu werden; und jene, die nach Wochen und Monaten zurückkehrten, berichteten nur von Wasser, noch mehr Wasser und immerzu Wasser, bis an den Horizont und soweit das Auge reicht.

    »Fremde Menschen traf ich dort«, erzählte Hentaria weiter, »und Menschen mit außerordentlichen Fähigkeiten. Sie nutzten eine Art von Magie, die wir nicht kennen; und sie webten Stoffe, verarbeiteten Metalle und erschufen Gürtel und Kleider, wie es hier niemand kann. Und ich lebte unter ihnen, ich lernte von ihnen, und als ich fühlte, dass ich nichts mehr lernen konnte, verabschiedete ich mich von ihnen und kehrte zurück in mein geliebtes Elteran. Das war vor einem Jahr.«

    So saßen wir schweigend und sahen uns an, ich mit meiner Ungläubigkeit im Gesicht geschrieben, und sie mit einem verschmitzten Lächeln und tiefer werdenden Falten um die keck dreinblickenden Augen. Und ich sagte: »Werte Hentaria, obgleich ihr Dinge besitzt, die ich noch nie gesehen habe, glaube ich euch kein Wort!«

    Da antwortete sie nur: »Wenn du meine Schätze begehrst, werter Philos, und nicht meine Wahrheit, dann weiß ich dir nicht zu helfen.«

    Da lachte ich, und all meine Gier war verflogen; denn ich konnte ahnen, wie mächtig die alte Hentaria war, alleine schon deshalb, weil sie ihre Güter mit einem Wisch mit der Hand verschwinden und wieder erscheinen lassen konnte. Und ist es nicht gesagt, dass in jeder Lüge ein Funken Wahrheit versteckt ist? Ich verabschiedete mich also von der alten Dame, und ich versprach, wieder zu ihr zu kommen, wenn ich neue Ware haben würde; und ich versprach, ihr Geschäft in die Welt zu tragen, auf dass andere Magier auf ihre formidable Ware aufmerksam würden, und dieses Versprechen erfülle ich mit dieser Schrift.

    Bis heute weiß niemand, woher die alte Dame Hetaria kommt und wohin sie geht, wenn sie nicht in der Taverne anzutreffen ist; niemand, mit dem ich jemals sprach, weiß, wo sie wohnt, ob sie Kinder hat oder ob sie überhaupt aus Elteran stammt. Sie ist wie ein sanfter, leiser Windhauch, den man erst bemerkt, wenn er das Haar umspielt und den Duft der Jahreszeit in die Nase trägt. Und ebenso wie ein sanfter Windhauch trägt sie das Versprechen von gewaltiger Macht in sich, und wie einen brodelnden Sturm sollte man sie nicht ärgern, denn nur Curulum weiß, ob dann nicht aus dem Windhauch eine gewaltige Böe wird, die einen fortträgt und seine Gier auf ewig verfluchen lässt.