Autor Thema: Der Schatten  (Gelesen 2028 mal)

CreX

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Der Schatten
« am: 13. Dezember 2007, 19:25:29 »
Der Schatten

Die Wache vor dem Stadttor war müde geworden und seinem Kollegen ging es da nicht besser.
Beide wünschten sich das ihre Ablösung endlich kam und das heute Nacht nichts mehr passieren würde. Sie wollten einfach nur nach Hause und schlafen.
Als der Ältere eingenickt war, bemerkte der jüngere das sich etwas auf dem Weg vor ihnen bewegte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Es kam mit beinahe rasender Geschwindigkeit auf sie zu und schien von einem Ort zum anderen springen. Es tauchte auf und verschwand wieder. Viel zu schnell als das er irgendwas genaueres von dieser Gestalt hätte erkennen können. Da er nicht wusste ob ihm seine Sinne gerade nur einen Streich spielten, immerhin war er müde und erschöpft, oder ob da wirklich etwas war, wartete er eine Weile. Als sich nichts mehr tat hielt er es nicht für nötig seinen alten Freund zu wecken und wollte sich auch, immer noch auf sein Bett freuend, wieder hinsetzen und ausruhen.
Als er sich aus reiner Sicherheit noch mal umdrehte und nach hinten Blickte überkam ihn ein Schreck wie er ihn in seinem Leben nur selten hatte.
Da stand etwas genau vor ihm. Es sah zwischen zeitig wie etwas menschliches aus, konnte es aber nicht erkennen weil es immer wieder verschwamm. Es sah aus als würden sich einige Teile dieses Wesen in nachtschwarzem Rauch auflösen. Immer nur für Bruchteile von Sekunden. Als die Wolken des Nachthimmels dem Mond eine Lücke zum durchscheinen gewährten, konnte die Wache das Wesen etwas besser erkennen. Es war ein, wie er schon dachte, menschenähnliches Wesen. Es war mit einem Umhang und einer Kapuze bekleidet während noch etwas auf dem Rücken geschnallt war. Man konnte nicht erkennen ob es nun ein Schwert, eine andere Waffe oder etwas vollkommen harmloses war. Er weckte seinen Freund während sich die Kreatur immer weiter in langsamen Schritten auf sie zu bewegte. Der alte blinzelte auf und blickte in die Dunkelheit. Als er die Gestalt erblickte schreckte er nicht wie sein jüngerer Freund es erwartet hatte auf, sondern blieb seltsam ruhig und stand langsam auf. Der jüngere schrie mit zittender Stimme und vorgehaltener Hellebarde:

„Halt Fremder! Ihr habt hier nichts zu suchen! Verschwindet wieder dorthin wo ihr hergekommen seid!“
Die Gestalt machte nicht einmal ansatzweise irgendwelche Gesten die darauf hätten schließen lassen das sie dem Befehl folge leisten würde.
 „Ich sagte halt“
Immer noch unbeeindruckt von dem Geschrei der Wache setzte die Gestalt ihren Weg Richtung Stadttor weiter fort.
Der jüngere Wächter verlor sowohl seine Geduld als auch seine Nerven und stürmte mit der Hellebarde auch die Gestalt zu in der Hoffnung sie zu treffen und somit dem Spuk ein Ende zu bereiten. Als die Spitze der Waffe des Wächters kurz vor ihrem Ziel war, lösten sich Teile der Kreatur in schwarzem Rauch auf und erschienen binnen Bruchteilen von Sekunden einige Zentimeter neben der Waffe wieder. Aufgrund der Wucht die die Wache in diesen Angriff setzte und Aufgrund der Tatsache das er sich auf einen Treffer gefasst gemacht hatte verlor er sein Gleichgewicht und fiel zu Boden. Die Kreatur setzte ihren Weg ungestört vor und blieb, anders als von der immer noch auf dem Boden liegenden Wache erwartet, vor dem Alten stehen.
Eine Hand schob sich aus dem Umhang der Kreatur heraus und zog die Kapuze vom Kopf. Im Schein der Fackel die der Alte in seiner Hand trug konnte man das Gesicht eines Mannes erkennen. Er blickte ernst, weder freundlich noch unfreundlich und recht emotionslos. Der Alte musterte den recht jung aussehenden Mann und fragte ihn:
„Ihr seid ein Schatten, richtig? Oder zumindest teilweise. Ich habe so jemanden wie euch noch nie gesehen. Einerseits verschmelzt ihr mit der Nacht wie ein Schatten und seht Gleichzeitig wie ein Mensch aus. Aber es ist ohnehin eher unwichtig was ihr seid. Mir geht es nur darum Wer ihr seid und was ihr hier wollt.“
Der meißt recht ernst blickende Mann rang sich ein kleines lächeln ab und antwortete dem Alten und recht Weise scheinenden Mann:

„Mein Name ist CreX! Ich komme aus dem Tal der Schatten und ja ich bin durchaus zumindest teilweise ein Schatten. Ich ersuche euch mir Einlass in die Stadt zu gewähren.“

„Ihr Schatten seid doch ein so mächtiges Volk. Was wollt ihr in denn dann in dieser Stadt. Die Schatten auf die ich in meinem Leben getroffen bin waren nicht sehr redselig und auch nicht gerade freundlich wenn ihr versteht was ich meine!“

„Nun Alter Mann, wenn ich wirklich so mächtig wäre wie einige der Schatten würde ich nicht um Einlass beten um hier zu lernen und zu leben. Außerdem bin ich kein richtiger Schatten, ich bin auch zum Teil Mensch was mich zumindest teilweise zu einem von euch macht. Gewährt ihr mir nun Einlass oder nicht?“

„Wartet bitte hier“

Der Alte, jetzt doch etwas verwundert über diese seltsame Gestalt, gab dem jüngeren, immer noch auf dem Boden liegenden ein Handzeichen das er in die Stadt gehen solle.
Der jüngere stand daraufhin auf und ging, etwas verwirrt von der derzeitigen Situation, etwas genervt von der Tatsache das das keine ruhige Nacht geworden ist, durch das Tor in die Stadt hinein und verschwand dort in der Dunkelheit.
Die Gestalt setzte sich mit verschränkten Beinen auf den Boden, legte den jetzt als Stab zu identifizierenden Gegenstand vor sich auf den Boden und begann in einem Buch zu lesen.
Der Alte beobachtete ihn noch eine Weile recht genau, lies den Blick dann aber zwischen zeitig von ihm ab da er ihn nicht mehr für eine wirklich ernsthafte Bedrohung hielt.
Er setzte sich wieder auf seinen Stuhl zurück und wartete auf die Ankunft seines Freundes und auf die Nachricht die er bei sich tragen würde...

CreX

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Re: Der Schatten
« Antwort #1 am: 30. Dezember 2007, 16:34:05 »
Der Alte wurde wach als er eine Bewegung bemerkte. Es war der Fremde, der aufgestanden war und sich nun Richtung Wald bewegte.
"Wo wollt ihr hin?"

"Ich habe seit Tagen nichts mehr zu essen gehabt und gehe deshalb jagen. Außerdem ist es ein kleiner Zeitvertreib da euer aufbrausender junger Freund anscheinend etwas länger benötigt"

Der Alte sah den Fremden im Dickicht des Waldes verschwinden und lehnte sich daraufhin wieder zurück und wartete immer noch auf seine Ablösung. Er würde den Fremden rufen sobald sein Freund wieder da wäre, doch bis es so weit war, konnte er noch ein wenig ruhen...

CreX

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Re: Der Schatten
« Antwort #2 am: 06. Januar 2008, 03:00:04 »
Mit einem erlegten Wildschwein auf dem Rücken tauchte der Schatten wieder aus dem Wald auf. Er verbaute einige Äste, Sträucher und Steine in einer kleinen Feuerstelle und hielt, aufgespiesst aus einigen langen Ästen, Stücke des Schweinefleischs darüber. Der kleine Feuerball den er erzeugte entflammte die Äste und Sträucher und er wartete auf den Moment an dem das Fleisch endlich durch war.
Während des wartens fiel ihm eine Silhuette auf, die die Stadtmauern hinaufkletterte. Er grinste kurz und überlegte sich wer es sein könnte. Als er die Personen die er heute Nacht vor dem Tor schon alle gesehen hatte vor seinem geistigen Auge durchging, fiel ihm der Assassine ein. Er dachte sich das er der einzige sei der zu so etwas in der Lage war und wahrscheinlich auch der ungeduldigste.

Er wandte sich wieder seinem Fleisch zu in aß das erste fertige Stück während er weiterhin leicht vergnügt dem Assassinen zuschaute und sich fragte ob er ihn davor warnen sollte das direkt neben seinem gespannten Seil eine Wache auf der Mauer stand. Wenn ihm das Glück gewogen war würde der Mond verdeckt bleiben, wenn nicht hätte er ein Problem.

CreX nahm sich das zweite Stück Fleisch und setzte sich an einen Baum. Er nahm sich einen kleinen Kieselstein und schleuderte ihn aus dem sitzen heraus in die Richtung des noch immer kletternden Assassinen.
"Mal sehen ob der Stein ihn trifft." sagte er sich und schaute dem Stein hinterher...

CreX

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Re: Der Schatten
« Antwort #3 am: 06. Januar 2008, 23:49:17 »
Die Silhuette war von den Mauerwänden verschwunden und es ertönte kein Alarm was CreX darauf schließen ließ das der Assassine erfolgt gehabt haben muss. So langsam machte sich auch in ihm der gedanke breit sich irgendwie in die Stadt hinein zu schmuggeln.
Er würde noch zurück zur Feuerstelle gehen, den Rest seines Wildschweins verspeisen und dann noch ein wenig warten. Er war zwar eine geduldige Person, sah aber nicht ein weshalb er länger als nötig vor den Toren Stadt bleiben sollte.
Bis zur nächsten Nacht würde er noch warten und sollte er bis dahin noch immer nicht hinein gelassen worden sein, würde er sich einen anderen Weg in die Stadt suchen. Den Weg den der Assassine nahm konnte er vergessen, er war zwar gelenkig, schnell und hatte eine gegenüber einem normalen Menschen enorme Sprungkraft, aber diese hohen Mauern zu erklimmen bedurften einem Klettergeschick das er nicht besaß.
So kauerte er an seinem Baum und aß tief in Gedanken versunken die Reste seines Mahls.

CreX

  • Gast
Re: Der Schatten
« Antwort #4 am: 07. Januar 2008, 22:51:03 »
Scheie hallten durch die Nacht und CreX schaute sich um woher sie kamen, einer seiner Mitbewerber war wohl sehr ungeduldig geworden und versuchte mit lautem geschrei an den Wachen vorbei zu kommen. Es war ein ziemlich arroganter Magier und er sah wie sich alle um das derzeitige Geschehen kümmerten.
Er sah das die Wachen abgelenkt waren, als dann eine Schlägerei losbrach fielen einige der Fackeln die das Tor erhellten zu Boden. Einige Teile des Stadttores waren nun stockfinster, unmöglich für einen Menschen dort noch etwas richtig zu erkennen. Aber er hat selber beinahe sein ganzes Leben in Dunkelheit verbracht, er konnte alles erkennen, die aufstehende Wache die in Richtung Licht Blickte, die umgekippte und erloschende Kohlenpfanne und zu guter letzt den Alten, der immer noch unbeirrt von dem Lärm sein Nickerchen hielt. Seine Schicht war anscheinend vorbei.

CreX stand auf und sprintete in die Dunkelheit,er verschmolz mit den Nebelschwaden der Nacht wie er es schon immer machte und sprang, immer von den Bäumen abstoßend, über Wachen hinüber, über den Schein der restlichen Fackeln, kaum Sichtbar für alle anderen, wie ein dunkler Flecken Nebel. Kurz manifestierte er sich wieder größtenteils, aber nur um einen weiteren Satz durch das Tor zu machen und während des Flugs wieder beinahe zu verschwinden.

Hinter dem Tor angekommenplante er sein näheres Vorgehen. Er würde erst einmal im Armenviertel untertauchen und sich erst nach einer Weile wieder blicken lassen. Dann wenn Gras über die Sache gewachsen war, dann wenn die Flut an Neuankömmlingen die örtlichen Beamten überfordern würde, dann wenn niemand mehr merkt das er eigentlich nicht von hier stammt...
« Letzte Änderung: 08. Januar 2008, 19:34:21 von CreX »

CreX

  • Gast
Re: Der Schatten
« Antwort #5 am: 10. Januar 2008, 01:06:01 »
Immer noch erschöpft von dem "Einbruch" in die Stadt irrte CreX noch in der Hoffnung ein gemütliches Plätzchen zu finden umher.
Plötzlich rief eine Stimme seinen Namen...
Er erschreckte, drehte sich um und sah eine Stadtwache...
Tausende Gedanken schossen ihm durch den Kopf...
Sie hatten ihn erwischt und würden ihn nun wieder aus der Stadt werfen. Hier würde er kein ruhiges Leben mehr führen können. Er wusste nicht wo er sonst hin sollte, dort wo er herkam hatten sie ihn Verstoßen. Für die anderen Schatten war er nur ein schwächlicher Halbling, für die Menschen in den anderen Städten ein unnormales böses Etwas das vernichtet werden musste. Er hatte sich lange Zeit in den Ruinen der Stadt Jedar versteckt, immer in acht keinem Omnicron über den Weg zu laufen.
Das Wissen das er sich dort in den alten verstaubten Büchern die er außerhalb der Bibliothek gefunden hatte angeeignet hatte, hatte ihm das Leben gerettet.
Er hat vieles über Pflanzen und Tiere gelernt, darüber wie sie sich vehalten oder wo sie wuchsen, wie man sie am besten zubereiten konnte und all solche Dinge. So konnte er wenigstens für sein Essen sorgen.
Irgendwann aber waren die Bücher die an die er herankam ohne sich in die nähe eines Omnicrons zu begeben alle gelesen. Er wollte auch nicht mehr alleine in den Ruinen herum streunen. Er wollte endlich irgendwo akzeptiert werden, als das was er war, nicht als Schwächling, aber auch nicht als irgendein Monster.
Nur diese Chance schien jetzt verspielt.

Als er langsam wieder aus seiner Gedankenwelt auftauchte, realisierte er das er der Alte vom Tor war der grinsend vor ihm stand.
CreX senkte den Kopf ein wenig und erwartete das schlimmste...

Der Alte grinste ihn daraufhin an:
"Haben sie dich auch endlich mal reingelassen? Wurde aber auch mal Zeit! Willkommen in der Stadt Elteran!"

Er klopfte dem immer noch etwas geschockten CreX auf die Schulter und verschwand in eines der Häuser.

CreX selber allerdings brauchte noch eine ganze Weile bis er endlich verstand was da gerade passiert war. Als es endlich so weit war, fing er unweigerlich an zu grinsen.
Er setzte sich unter eines der überstehenden Dachenden eines Hauses und schlief guten Gewissens ein, sich Morgen eine neue Exsistenz aufzubauen.