Autor Thema: Erinnerungen an bessere Zeiten - Die dicke Wirtsfrau  (Gelesen 1860 mal)

Zuzu

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Erinnerungen an bessere Zeiten - Die dicke Wirtsfrau
« am: 02. Juni 2010, 20:53:57 »
Früher war La'neo ein hübsches Mädchen gewesen. Für die Jungen, die sie kannten, war sie die hübsche Braune aus Maranon gewesen.
Aber jetzt war sie aufgedunsen, ein Klatschmaul und verdiente ihr Geld mit Kellnerei und Prostitution.
Und da kam es eines Tages dazu, dass sich eine im Makrokosmos so unwahrscheinliche Begegnung ereignete, dass es bald lächerlich wurde. Denn die dicke Wirtsfrau traf den Wiederkehrer, obschon sie sich nicht bewusst war, dass jener junger Mann, der scheinbar von der Ohnmacht beseelt und nicht wach durch die Gassen im Armenviertel wanderte, ebenjener war.
Das eine derart unwichtige Figur einer derart wichtigen Figur im Laufe der großen Zeit über den Weg lief, war ungeplant.
Mit leeren Augen blickte er umher und machte den Pennern und Veteranen Angst. Die dicke Wirtsfrau hatte ebenfalls Angst, als der junge Mann auf ihr Gasthaus zulief. Die Hausierer und Bettler wichen hinweg und wendeten die Blicke ab.
La'neo fauchte mit ihrer fettleibigen Stimme, der Hurensohn solle verschwinden, aber der Ruf verhallte scheinbar ungehört.
Schweißtropfen rannen La'neo am Rücken herunter und nässten ihr Unterlaken.
Sie wollte schon zur Tür hinausgehen und den bedrohlichen Fremdem mit einer Harke verprügeln. Sie stand schon hinter der Tür und wollte aufmachen, als sie einen Seufzer des Staunens vernahm. Sie legte die Harke weg und sah durch den Türspalt nach draußen. Bettler und Penner tummelten sich um den niedergefallenen jungen Mann.
Er war einfach umgekippt und Liegen geblieben.
Nun quoll das schlechte Gewissen aus der dicken Frau und sie scheuchte die Penner beiseite um den Fremden aufzuheben und in ihre Gaststätte zu tragen, wo ihr noch älterer, staksiger Bruder ihn versorgen sollte.
« Letzte Änderung: 06. Juni 2010, 17:38:47 von Zuzu »

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Re: Erinnerungen an bessere Zeiten - Die dicke Wirtsfrau
« Antwort #1 am: 06. Juni 2010, 15:59:36 »
Mogriam war ein mehr schlechter als rechter Arzt. Man würde ihn an einer von Elterans Hochakademien hängen, würde er ein Skallpell in die Hand nehmen und ernsthaft an einem Patienten herumschneiden wollen. Und so wollte er zuerst auch anfangen, als seine dicke Schwester ihm einen fremden Jungen vor die Füße warf. Aber dann konnte er sein rostiges Messer nicht finden und so hörte er vorerst den Brustkorb des Jungen ab und vernahm keinen Herzschlag.
Sofort legte er den Fremden auf sein Behandlunsgbett und reanimierte ihn. Es dauerte wenige Sekunden, bis Mogriams Patient mit starkem Husten und Desorientierung wieder zur Besinnung kam.
"Wer bist du?", fragte die unwichtige Figur Mogriam.
"Ich weiß nicht..."
"Hast du Schmerzen?"
"Nein. Ich bin müde. Lass mich schlafen..."
"Nun, dann musst du bezahlen..."
"Ja, sicher...", sagte der Fremde und entschlief, ohne dass Mogriam ihn wieder aufwecken konnte. Selig atmete er vor sich hin und schlief traumlos. Mogriam kettete ihn an und verließ den Raum.
« Letzte Änderung: 06. Juni 2010, 17:42:52 von Zuzu »

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Re: Erinnerungen an bessere Zeiten - Die dicke Wirtsfrau
« Antwort #2 am: 06. Juni 2010, 16:23:50 »
Mit klarem Bewusstsein wachte er auf. Er sah an eine dunkelbraune, hölzerne und vermooste Decke.
Angst klärte seinen Verstand. Er wollte sich bewegen, aber seine linke Hand war angekettet.
Bei dem Versuch, sich an irgendetwas zu erinnern bekam er Kopfschmerzen und kurze Sequenzen und Bruchstücke von Erinnerungen zischten schmerzhaft an seinem inneren Auge vorbei. Er übergab sich und fiel vom Bett. Dabei drehte er sich so ungünstig, dass sein gefesselter Arm ausgekugelt wurde. Stechende Schmerzen durchzuckten seine rechte Körperhälfte und er bäumte sich so ruckartig auf, dass die Fesseln vom morschen Holz rissen. Er war frei. Ohne nachzudenken und ähnlich ohnmächtig, wie er sich durch das Armenviertel geschleppt hatte, sprang durch das einzige Fenster. Als er auf dem Boden einschlug, kugelte sich der Arm wieder ein und die rostige Fessel sprang vom Handgelenk.
Er hatte ein Deja-vu.
Zitat
Eine einzelne Scherbe, aus dem Himmel herabschwebend
Ein Schnitt, ein roter Faden im Antlitz
Staub und Licht
Kurz danach fiel das zerbrochene Glas auf seinen Körper und sein Gesicht und verpasste ihm eine große Narbe unter dem linken Auge. Seine Lippe wurde dabei aufgetrennt.
Die Schmerzen ignorierend stand er auf und rannte fremdbeseelt durch die Gassen, bis er sich in einer dunkeln Nische fallen ließ und wieder einschlief.

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Die Chronisten der Wüstenei - Zu Eltherân und Norderlanden
« Antwort #3 am: 06. Juni 2010, 19:53:15 »
Der Wiederkehrer wachte des Nachts wieder auf. Ihn plagte der Hunger und so ging er los, bei vollem Bewusstsein, und sog die Eindrücke der Stadt Eltherân auf, denn nichts war dort, wo er Erinnerungen und solches hatte, und so füllte er es.

Er wanderte durch enge Gassen, über denen sich die Häuser mit ihren Dächern gegenseitig hin und her schoben, wo, widerwärtige Tiere seinen Weg kreuzten und wo Obdachlose auf hartem Stein schliefen. Er durchschritt Exkremente und Müll. Das Armeviertel stank nach Verwesung und stach nach Armut. Schlechte Erinnerungen für erste Erinnerungen, dachte sich der Wiederkehrer. Schlechte Gedanken für erste Gedanken, dachte er sich danach.
Wieder knurrte sein Magen, und der Wiederkehrer überwand sich, etwas zu essen, das Nahrhaftem glich. Er wusste, dass dieses etwas aus Fleisch bestand. Wie die Teile eines Dandrons, von dem der Wiederkehrer auch wusste, setzte sich eine Realität in seinem Gedächtnispalast zusammen. Mehr und mehr assoziierte er Dinge miteinander und mehr und mehr wurde er sich dessen bewusst, was sich um ihn befand, als hätte er einst in dieser Realität existiert. Aber diese Gedanken waren schlechte Gedanken für die dritten Gedanken, dachte sich der Wiederkehrer.
Wie er so durch Eltherân wanderte, dessen Name eine ähnliche aber weniger schmerzhafte Folge von Bildern an sienem inneren Auge vorbeilaufen ließ, kam er langsam aus dem Armenviertel heraus und näherte sich einem großen vererkerten Gebäude mit uralten Mauern und etlichen Fenstern.
Bei einem dieser farbigen Fenster in Bodennähe hatte man neueres, farbloses und trübes Glas eingesetzt.
Der Wiederkehrer sah plötzlich vor seinem inneren Auge, wie ein Magier durch das Fenster flog. Die Sequenz riss ab, als der Magier aufstand und das Gesicht auf die Stelle richten wollte, wo der Wiederkehrer jetzt stand.
Der Hunger verschwand und ein schauriges Gefühl der Erregung trat an seine Stelle.
Der Wiederkehrer wollte in die Bibliothek.

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Re: Erinnerungen an bessere Zeiten - Die dicke Wirtsfrau
« Antwort #4 am: 06. Juni 2010, 19:58:39 »