Autor Thema: Und so beginnt es...  (Gelesen 1370 mal)

Offline Kerredis

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Und so beginnt es...
« am: 01. Mai 2007, 21:52:10 »
(Ich bin durchaus ein Freund von gemeinsamen Threads. Wer sich also beteiligen möchte, nur zu. Und nein, ich weiß auch noch nicht, wie es weitergeht  ;)


„Matriarchin.“

Ich starrte auf die Pläne, kalkulierte die Möglichkeiten. Erst vor 2 Wochen hatte ich den Besitz übernommen. Inzwischen wurden Erze und Kristalle abgebaut, Kräuter gezüchtet, liefen die Übersetzungen der alten Schriftrollen, genauer gesagt: sie liefen schneller als ich bauen konnte.

„Matriarchin!“

Unter dem Tisch stieß Rugi mich mit dem Fuß an. Ich sah auf. Nevin, der korenthische Architekt sah mich abschätzend an. Es dauerte eine Weile, bis ich mich mit dem Titel identifizierte. Dem Schleierprotokoll sei Dank, blieb den Anderen mein Gesicht und meine Unsicherheit verborgen. Mochte Nevin ruhig glauben, ich würde ihn schmoren lassen, ich würde ihn sicherlich nicht aufklären.

„Verzeiht, ich war etwas gerührt ob der Zuversicht, mit der Ihr unsere Unternehmungen betrachtet. Ich hatte nicht erwartet, dass Ihr beabsichtigt, gleich alle 3 Minen dieses Besitzes auszubauen.“

Nevin hüstelte höflich. „Ich bitte um Entschuldigung, aber dies sind die Kosten für eine Mine.“

„Oh!“ Ich ließ meine Überraschung im Raum stehen. Nevins Mundwinkel zogen sich auseinander. „Wenn Ihr Qualität wollt, Matriarchin, so hat das seinen Preis.“ Ich seufzte. „Ihr arbeitet mit caladanischen Handwerkern, nicht wahr?“ Nevin blickte auf, lauernd. „In der Tat, Matriarchin. Es gibt niemanden, der sich mit deren Geschick messen kann.“ Ich seufzte nochmals, versuchte meiner Stimme einen resignierten Ausdruck zu verleihen. „Ihr habt Recht. Das Geschick unserer Handwerker ist wirklich legendär. Es ist durchaus verständlich, dass sie hohe Löhne erwarten.“

Rugi schnaubte leicht. Es entsprach den Tatsachen. Niemand konnte mit der Qualität caladanischer Handwerksarbeit mithalten, ebenso eindeutig war es, dass die Korenther die besten Architekten hervorbrachten, die diese Welt bevölkerten. Was uns jedoch nicht davon abgehalten hatte, ein wenig nachzuforschen.
Es war einfach gewesen herauszufinden, wie viel Nevin seinen Leuten bezahlte, die Preise für Baumaterialien waren ebenfalls kein Geheimnis. Wenn meine neue Mine nur die Hälfte der Gewinnspanne einfuhr, die Nevin für sich veranschlagt hatte, würde ich mir binnen Tagen ganze Berge kaufen können.

„Ich könnte mit den Arbeitern reden, sie überzeugen, ihre Gehaltsvorstellungen zu überdenken. Würde dies helfen?“ Nevins Grinsen wurde offensichtlich. Er breite gönnerhaft die Hände aus. „Ich denke schon.“ Er würde mir vermutlich 10% anbieten und sich absolut gerissen fühlen. Ich erhob mich. „Nun, dann werde ich mit den Arbeitern sprechen, wenn sie in 2 Monaten vom Ledor zurückgekehrt sind.“

Nevin erstarrte. „Ledor?“

„Oh ja, dieses Jahr ist Ledor.“ Meine Stimme klang beiläufig, als ich die Pläne an Rugi übergab.

„Ich habe noch nie davon gehört…“

„Entschuldigt Euch nicht. Ledor findet nur alle 83 Jahre statt, kein Wunder, dass nur wenige Außenstehende davon wissen. Es ist ein alter Brauch zu Ehren unserer Götter Venarion und Ona. Ihr wisst, der Gott des Handwerks und seine Schwester, die Göttin des Handelsglücks. Es ist Sitte, den Göttern zu danken und seine Werkzeuge oder Gewichte segnen zu lassen. Es ist eine sehr bewegende Woche, die wir mit unseren religiösen Führern verbringen. Es ist wirklich sehr spirituell…“ Ich wandte mich Nevin direkt zu. „Ist es nicht bedauerlich, dass manche denken, wir Caladaner hätten kein religiöses Leben? Oh, Ihr benutzt Standardverträge für Eure Arbeiter, nicht wahr?“

„Ja, wie-….“ Hinter Nevins Stirn begann es zu arbeiten. So langsam schien es Nevin zu dämmern, daß er seinen Gegenüber falsch eingeschätzt hatte. Ich lächelte hinter meinem Schleier in mich hinein. Korenther waren so wunderbar berechenbar. Ihr Volk war sehr religiös und hatte große Achtung vor religiösen Pflichten, gleich welchem Gott gegenüber. Andererseits legten sie als Bauherren auch immensen Wert auf Einhaltung der Fristen. Aus diesem Grund wurden Caladaner als Arbeiter stets bevorzugt. Zum einen hochgradig geschickt hatte mein Volk nur wenig religiöse Feiertage.

„Nun, es ist für uns Caladaner obligat, den Ledor mit unseren Führern zu begehen. Diese Tradition ist Jahrtausende alt. Sie werden auf ihrem Recht bestehen, ihre Pflicht gegenüber ihren Göttern zu erfüllen und nach Hause zu reisen.“

Nevin wurde bleich. Die Vorstellung, dass seine caldanischen Arbeiter sich in ihren kleinen, langsamen Karren auf die lange Reise nach Caladan und zurück machen und seine diversen Baustellen im Stich lassen würden, schien ihm Übelkeit zu bereiten. Ich hatte nicht die Absicht, ihm mitzuteilen, dass ich als Matriarchin ebenso gut diese Zeremonien durchführen konnte. Dass sich seine Arbeiter dahingehend bereits an mich gewand hatten, würde ich ihm wohl auch noch ein Weilchen vorenthalten. Rugi starrte angestrengt auf die Wand hinter mir.

„Nun ja,“ Ich hielt Nevin meine Hand hin. „Ich bin Euch zutiefst dankbar, dass Ihr den Traditionen meines Volkes soviel Respekt entgegen bringt. Ich bin sicher, Eure anderen Klienten wissen dies ebenso zu würdigen.“

Nevins Fähigkeit, seine Gesichtsfarbe zu ändern, beeindruckte mich stark. Ich hatte selten ein solches Rot gesehen. Verständlich. Einige von Nevins Kunden stammten aus Kriegervölkern, die ihre Bauvorhaben genauso akribisch planten wie eine Schlacht. Ich kannte einige dieser Verträge. Die Strafen für Verspätungen konnten eine Höhe erreichen, bei der der Kunde sein Projekt komplett über solche Strafen finanzieren konnte.
Nevins Kiefer begannen zu mahlen, aber er war ein fairer Gegner. Langsam zog er den Stuhl wieder zu sich herum und setzte sich.

Als wir uns 2 Stunden später erneut verabschiedeten, hatte sich zu einer Mine noch ein Labor und ein weites Gartenstück dazugesellt. Rugi klopfte mir auf die Schultern. „Nicht schlecht, kleine Schwester, gar nicht schlecht. Ich hatte beinahe geglaubt, der Arme bekommt einen Herzschlag.“

Ich schlug den Schleier zurück. „Tja, unterschätze niemals die Fähigkeit anderer, dich zu unterschätzen. Aber dies war nur der Anfang…“

« Letzte Änderung: 01. Mai 2007, 21:57:24 von Kerredis »
Quäl Dich nicht,
laß mich das für Dich tun.

Kollyn

  • Gast
Re: Und so beginnt es...
« Antwort #1 am: 28. August 2007, 18:23:48 »
Bitte entschuldigt, aber ich bin neu hier, und als ich die Bibliothek betrat kam ich nicht umhin das Ende Ihres Gespräches zu hören. ich bin Magierlehrling und auf der Suche nach Arbeit und Wohnung, ich möchte euch bitte mir dieses in eurem neuen Labor zu gewähren. Ich weiß das es noch nicht fertig ist, aber ich scheu auch körperliche Arbeit nicht, und würde beim Bau helfen so gut ich kann.

« Letzte Änderung: 29. August 2007, 21:08:30 von Kollyn »