Autor Thema: Schutz der Dunkelheit  (Gelesen 1088 mal)

SirSAL

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Schutz der Dunkelheit
« am: 16. September 2008, 17:05:35 »
Unsicher, aber denn noch klar den Wunsch nach Ruhe und etwas Essbarem vor Augen, schleiche ich durch die Schatten der Gebäude, welche den holpriegen Weg säumen.
Mondlicht und Kälte sind meine Begleiter und sie treiben mich immer tiefer in die Stadt, vorbei an beeindruckenden Gebäuden, kleinen, geschlossenen Marktbuden, zu einer Stätte, die selbst tief in der Nacht nicht schläft.
Das helle Licht der Fackeln und die Menschenmasse, ihr Gelächter und Geschrei, lassen mich abseits, vor der Taverne inne halten. Die Wärme, welche dieserOrt ausgestrahlt, wirkt einladent und der Geruch von gebratenem Fleich und Bier lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen, zieht mich gerade zu in seinen Bann.
Essen, trinken, Gesellschaft, wie sehr sehne ich mich danach. Langsam nähere ich mich einem Fenster, versuche einen Blick hinein zu werfen, doch im Schein des Lichtes wird mir bewusst, wie verdreckt meine Kleidung ist.
Der Versuch, sie zu reinigen endet mit Stichen in meinen blau angelaufenen Händen, die das Gefühl langsam verlässt.
"So nicht", murmel ich vor mir hin und ziehe mich zurück in die Dunkelheit der Schatten.
Die Angst, von einem Stadtbewohner entdeckt zu werden, drängt mich fort von der Taverne und den Häusern.
Ich beginne, ungeachtet der Schmerzen, die dies mit sich bringt, zu rennen. Immer weiter, vorbei an einer Ansammlung von Bäumen, bis sich die, kaum mehr als solche zu bezeichnenden Strassen zwischen Holzhaufen und Schuttbergen verlaufen.
Ausser Atem stütze ich mich an eine Bretterwand und versuche, mich zu orientieren.
Wohin hat mich die Panik verschlagen? Bin ich noch in der Stadt?
Nach einigen schweren, tiefen Atemzügen blicke ich auf und nachdem sich meine Augen an die, von Mondlicht zerschnittene Dunkelheit gewöhnt haben, sehe ich mehr, als die Berge an Unrat und Dreck.
Vor mir verstreut stehen, besser noch liegen, vereinzelnt ein paar verfallene Schuppen, zeltgleich zusammen gestellte Bretter. Nachdem mein Atem ruhiger geworden ist, dringt leises Rascheln und entferntes Schnarchen an mein Ohr. Kann es sein? Spielen mir meine Sinne einen Streich oder gibt es wirklich Leben in diesem Abfall?
Langsam und vorsichtig schleppe ich mich näher an ein knurrendes etwas. Zwischen den Brettern versteckt liegt ein magerer Hund, zu schwach oder müde, um zu reagieren, obwohl ich deutlich das Mondlich sehe, welches sich in den mich anblickenden Augen wieder spiegelt. Als ich nahe genug heran gekrochen bin, ihn zu berühren, kauert er sich  zusammen und zieht sich so noch weiter unter die Bretter zurück, die er sich als Schutz vor Wind und Regen gesucht hat. Als würde er mich einladen, nehme ich Platz an seiner Seite und streiche vorsichtig über sein Fell. Ein zittern durchfährt seinen Körper, aber er lässt es geschehen.
Freude durchfährt mich, ein Lebewesen gefunden zu haben, welches mich von der Last des alleine seins befreit und so beginne ich zu reden und dem Vierbeiner, wie auch mir selber die fraglichen Umstände meines Daseins aufzuzählen.
Mit den Zeit, sinke ich tiefer auf das Lager, der Hund kricht zu mir heran und Gedankenlabyrinte, sowie das Gefühl der geteilten Körperwärme zweier Lebewesen lassen mich hinüber gleiten, in die Welt der Träume.