Autor Thema: Die Waagschale der Heraios  (Gelesen 1855 mal)

Offline Arnesson

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Die Waagschale der Heraios
« am: 29. Juli 2009, 11:56:08 »
Die Waagschale der Heraios
Aus: Märchen und Sagen aus Elteran und Umgebung


Die Expedition lief anders, als der dicke Wälzer über dieses Gebiet hatte erwarten lassen. Tagelang schlug sich die kleine Gruppe aus Elteran, die von ihrer Anführerin ausschließlich aus Anhängern des Lichtordens zusammengestellt worden war, nun durch den Wald, der nun immer lichter wurde. Schlingpflanzen wurden nun von Dornenranken abgelöst, die beharrlich immer wieder in ihre Beinkleider bissen und die Haut darunter schmerzhaft aufrissen.
Auraja fluchte leise aber hörbar, als wieder einmal ein gefühltes Doppeldutzend Dornen sich in ihr Fleisch gruben. Als sie Rian, eine ihrer Gefährtinnen ansah, biss sie aber die Zähne zusammen. Sie widerstand der Versuchung, sich über den Unterschenkel zu reiben, um den Schmerz zu lindern und tat so als studiere sie die Karte.
Laut der alten Karte, die sie durch Zufall in der kleinen Bibliothek ihrer Gildenhalle gefunden hatte, sollten sie schon bald am Ziel ihrer Reise angekommen sein. Der Fluss Rindori war hier am Ende das Waldes schon deutlich schmaler als am Elteraner Delta und die Vegetation war nun auch die eines lichteren Waldes wie sie schmerzhaft festgestellt hatte.
Nur wenige Menschen waren bis zur Quelle des Stromes vorgedrungen. Die wenigen Berichte die noch zu finden waren hatte die junge Magierin in den vergangenen Wochen zur Vorbereitung der Expedition in der Großen Bibliothek von Arthoria recherchiert. In einem alten Buch hatte sie eine Passage gefunden, in dem von einem Zauber die Rede war, der Reisenden zur Quelle des Rindori etwas offenbaren sollte. Sie hatte den Zauber studiert und war sich beim ersten Test so sicher, dass sie ihn beherrschte, doch als sie ihn angewandte geschah nichts. Die Junge Frau vermutete, dass dies nur an ihrem Ziel Auswirkungen haben sollte.
Gedankenverloren, den Blick auf der Karte, stolperte sie über eine Wurzel. Mit dem Armen rudernd und einen hellen Schrei auf den Lippen, stürzte sie nach vorn. Kurz bevor sie merkte, das ihre Bemühungen das Gleichgewicht zu halten hoffnungslos waren und sie wohl sehr bald mit dem Kinn auf dem rauen Boden aufschlagen würde, spürte sie einen Ruck um ihre Schultern und um ihre Brust. Ihr Schrei erstarb. Sie schlug die Augen auf, die sie im freien Fall kurz vor dem Unausweichlichen Aufschlag schützend geschlossen hatte. Sie bemerkte, dass sie in der Luft, nur gehalten von den Trägern ihres Rucksacks, hing. Sie wand den Kopf und sah den unteren Teil einer langen roten Robe, die sie sehr wohl kannte. Grade als sie zornig etwas sagen wollte, wurde sie schnell wieder auf die Füße gezogen, was ihr wiederum ein überraschtes "huch!" entlockte.
"Passt auf, wo ihr hintretet", sprach sie eine etwas dunkle, aber melodisch klingende Männerstimme an. Die Magierin hörte den leicht belustigten Unterton des Mannes und drehte ihren zornesroten Kopf in seine Richtung.
"Ich danke euch, Arne“, fauchte sie und verbiss sich jeden weiteren Kommentar. Wortlos lief sie weiter, nun auf ihre Füße achtend. "Wie bin ich bloß dazu gekommen, diesen hochmütigen Kerl mitzunehmen?" fragte sie sich in Gedanken selbst.

In Gedanken versunken dachte sie über ihre erste Begegnung mit dem seltsamen Magier namens Arne nach.
Sie hatte nicht gewusst, dass der Mann, als er gerade in einer Nische der weitläufigen Bibliothek über einem Buch gebrütet hatte, spitze Ohren bekam als sie den ergrauten Bibliothekar nach besagtem altem Buch fragte. Blitzschnell war er in den Gang in dem es sich befand gelaufen, nahm es heraus und tat so als würde er es lesen. Als Auraja den Gang betrat und die leere stelle im Regal fand, stellte er sich ihr vor und fragte wissend nach ihrem Interesse an dem Buch. Zögerlich hatte sie einige Details preis gegeben. Er habe angeblich von etwas ähnlichem gehört und bot sich an, sie bei weiteren Nachforschungen zu unterstützen.

Von all dem nichts wissend, grübelte die junge Frau nun über die seltsamen Umstände ihrer Zusammenkunft nach. "Da vorne dringt Licht durch das Unterholz", rief Rian, die ein Stück vorausgegangen war. Nach einer Weile standen sie im Licht des hellen Tages, das nicht durch das Blätterdach hellgrün gefärbt wurde und blickten auf eine nahe Hügelkette. "Das da muss das Quelltal sein" meinte Cali, einer ihrer Begleiter. Die
schlanke Gestalt von Auraja trat mit einem langen Messer um sich schlagend aus dem Unterholz und blickte in die Ferne. Arne tat neben Sie. "Da sind wir. Bis heute Abend sollten wir es erreicht haben", stelle er mit einem Blick auf die vor ihnen liegende Ebene fest. Sie sah zu seinem etwas eingefallen wirkenden Gesicht hoch und musste wegen des plötzlich so grellen Sonnenlichtes blinzeln. "Worauf warten wir dann noch?" fuhr sie ihn an und lief auf die Hügel zu. Arne schmunzelte, verschränkte die Hände hinter seinem Rücken und ging ihr gemächlich nach.
Am frühen Abend erreichten sie einen kleinen Pass zwischen zwei Hügeln und blickten auf das Tal hinab. Es war steinig und von flachem Bewuchs. Hier und da einige Blumen nahe dem schmalen Fluss.
"Was meint ihr", fragte Rian, "wollen wir den Zauber testen?"
Auraja sah sie an. "Warum nicht. Gleich hier und jetzt". Einwände anderer nicht abwartend, begann sie den Zauber zu weben. An der Spitze ihres Stabes, der die Energie fokussierte, bildete sich ein hell schimmernder Ring der plötzlich und schnell wie eine Welle über das Tal fegte.
Alle sahen auf das Tal hinab.
"Es ist nichts geschehen", sagte Aurajas Vertraute Rian. "Seht doch da unten bewegt sich was", Sie zeigte auf einen Punkt in der Ferne. "Kann das ein Tier sein?"
Alle spähten in das Tal, als hinter ihnen ein heulender Ton zu vernehmen war. Alle drehten sich blitzschnell um.
Sie erblickten ein schemenartiges Wesen. Ständig wechselte es seine Form. Es kam auf sie zu. Jetzt sag es aus, wie der Kopf einer uralten Frau.
Arne erwachte als erster aus seiner Starre und flüsterte "Lauft!".
Einige drehten sich um und rannten.
Auch Arne drehte sich gerade hastig um als Auraja mit
Entschlossenheit in ihren Augen den Stab hob und sich spannte. Ein Feuerball schoss aus ihrem Stab. Er ging einfach durch das Wesen durch und traf krachend auf einen Felsen, wo er einen schwarzen Fleck hinterließ. Der Magier packte die kleine Frau einfach am Arm,
riss sie herum und zog sie erbarmungslos mit sich. Als sie mehrfach stolperte, warf er sie sich einfach über die Schulter. Laut protestierend, wand sich Auraja. Doch als sie, über seiner Schulter liegend, sah, das der Schemen sie verfolgte, überwog die Furcht ihren Ärger über seine Dreistigkeit.
Arne rannte den anderen nach. "Hier ist eine Höhle" rief es aus einer Felsspalte zu seiner Rechten. Er rannte darauf zu. Als er sie erreichte, fiel ihm eine Rune, die der Heraios geweiht war auf, die in den Eingang gemeißelt war. Er rannte hindurch und ließ Auraja herunter die ihn kurz wütend anfunkelte, sich dann aber schnell zum Eingang umsah. Nichts geschah. Das gespenstische Wesen kam ihnen wohl nicht nach.
Nach einem Augenblick der Anspannung, brachte Arne seinen Stab mit einem knappen, melodischen Laut zum leuchten. Sie standen in einer kleinen Höhle. Tropfsteine ragten von der Decke und verbanden sich teilweise mit denen auf dem Boden. In der Mitte war eine breite Platte aus dem Fels gehauen, die von vier Stalaktiten an jeder Ecke flankiert wurde.
"Was ist das?", fragte Auraja verwundert. "Scheint eine Art Altar zu sein." Rian trat näher an den Stein heran. "Hier ist eine Kreisrunde Vertiefung in der Ecke. An den Seiten ist jeweils
auch eine."
Sie traten nun alle an den Schrein heran.
"Sie sind ja voller Sand!" Auraja fegte mit der Hand den Sand aus der mittleren Vertiefung und pustete den Rest weg. "Das Loch ist nicht sehr tief", sagte sie mit einem Blick auf den flachen Boden der Vertiefung, als der Sand wieder aus allen Richtungen in es
zurückgezogen wurde. Sie erschrak.
"Was?"
"Es scheint magischer Natur zu sein", bemerkte Arne und trat naher. "Ich habe da so einen Verdacht." Er ging zum Mittleren und malte etwas mit dem Zeigefinger hinein.
"Heraios Zeichen", bemerkte Auraja. Doch nichts geschah.
"Nun, es bleibt so wie es ist", meinte Arne trocken. Und sah abwechselnd auf die anderen beiden Vertiefungen. "Habt ihr das Buch den ganz gelesen, werte Magierin?"
"Natürlich." Sagte sie leicht verärgert. "Aber da stand nur noch etwas von einem Artefakt das das Gute und das Böse in der Welt beherrschen kann. Irgendeine Legende."
Arne schmunzelte. "Und was stand da noch?“
"Nur etwas über jemanden, eine Frau, die kommen würde es zu erhalten. Irgendeine seltsame Geschickte über Heraios, der Göttin des Gleichgewichts wie man sie in den Tempeln hört. Wenn das so ist, ist die Lösung ja ganz einfach." Sie trat an die rechte Seite des Altars, die in der Mystik die gute Seite darstellte und malte das Zeichen Terajas, der Göttin des Lichts in den Sand. Als nichts geschah, ging sie zur anderen Seite. Sie zögerte kurz und malte das
Zeichen des Schattengottes Curulum in den Sand. Nach einem kurzen Moment verschwand es aber wieder und eine glatte Sandfläche zierte die Mulde im Altar.
"Was soll das nun wieder?" Sie wiederholte es mit dem gleichen Ergebnis. Schweigend blickte sie auf die Mulde.
"Habt ihr nicht gelesen, das die Symbole Terajas und Curulums nur von den jeweiligen Anhängern wirksam gezeichnet werden können?" sagte Arne mit gespieltem Bedauern.
Sie funkelte ihn an" Und wo sollen wir bitte einen her bekommen? Habt ihr etwa einen unter eurer Robe?"
Es blitze kurz belustigt in seinen Augen. "Vielleicht." Er trat an ihre Seite und seine Finger malten das Zeichen des Dunklen Gottes in den Sand.
Sie blickte ihn an. "Ihr seid ... und ich dachte …"
"Was dachtet ihr?" schnitt er ihr das Wort ab. "Das ich einer der Euren bin? Habe ich das etwa behauptet?"
Sie richtete ihren Stab auf ihn. "IHR" schrie sie, als der Boden vibrierte. Der Sand in der mittleren Vertiefung rieselte nach unten und gab ein Loch frei.
Arne hob die Hände und lächelte. Auraja trat zu dem Loch, zögerte, überwand sich dann aber und fasste hinein.
Sie förderte einen silbergrau glänzenden Stein zu Tage.
"Was ist das?" fragte sie überrascht.
"Das meine Liebe, ist ein Edelstein des Gleichgewichts. Ich wusste, ihr seid die Richtige."
"Die Richtige? Die Richtige für was?" Sie schaute ihn verstört an.
"Das wisst ihr doch schon. Zumindest ahnt ihr es. Ihr seid diejenige, die de Edelstein finden sollte. Die Frau aus der Legende. Eine geweihte Heraios. Ihr sollt das Gleichgewicht
zwischen Licht und Dunkelheit wahren. Wer meint Ihr, hat euch die Aufzeichnungen in eurer Gilde finden lasen?"
"Ihr habt..." Aurajas Augen wurden groß.
Arne fuhr fort. "Dieser Tage ist dies eine besondere Herausforderung. Curulums Anhänger sind mächtig geworden, obwohl sie im Verborgenen leben und in der Minderheit sind. Bald ist der Tag gekommen, an dem Ihr den Stein einsetzen müsst. Kehrt mit mir nach Elteran zurück und lasst ihn uns gemeinsam untersuchen."
"Ich soll die Frau… Moment. Ihr seid offensichtlich ein Diener Curumlums. Warum solltet ihr das Gleichgewicht wiederherstellen wollen?"
"Ich bin schon lange mein eigener Herr. Ich habe den dunklen zu lange und vielleicht auch zu nachhaltig unterstützt. Nun ... " er zögerte. "Nun zahle ich den Preis. Vertraut mir. Arbeitet mit mir zusammen und..."
"Ich soll Euch vertrauen? Ihr habt mich hereingelegt."
"Hereingelegt? Ich habe Euch nur einen Stoß in die richtige Richtung gegeben. Ihr seid nun die Hüterin des Gleichgewichts. Ich werde Euch mit euren Aufgaben Vertraut machen, sobald wir wieder in der Stadt sind. Heraios möge Eure Wege ebnen."
Arne ging an ihrem immer noch erhobenen Stab vorbei in Richtung Höhlenausgang.

© Text und Idee: Arnesson 07/2009
Lebenslange Lizenz, Inspiration und Muse: Auraja
« Letzte Änderung: 29. Juli 2009, 21:53:51 von Arnesson »
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Auraja

  • Gast
Re: Die Waagschale der Heraios
« Antwort #1 am: 29. Juli 2009, 17:29:38 »
*bedankt sich für die geschichte und die stelle als muse*  :)