Autor Thema: Der wartende Geisterbeschwörer  (Gelesen 1388 mal)

Offline Kiriru

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Der wartende Geisterbeschwörer
« am: 13. Juni 2008, 22:59:40 »
Das ungeduldige, rhythmische Klopfen von Salerius Fingern auf einem Holztisch in der Ecke der Taverne schienen den Wirt langsam aber sicher aus der Fassung zu bringen. Nachdem dieser mehrere böse Blicke vergeblich in Richtung des Gastes geschickt hatte, stapfte er nun mit dem bestellten Getränk zum Tisch des Gastes, und setze dieses lautstark ab. Erschrocken fuhr Salerius aus seinen Gedanken und fragte sich nichts ahnend, warum der Wirt so gereizt war. "Wahrscheinlich nur ein schlechter Tag. Heute ist wenig los hier.", dachte er und verlor sich gleich wieder in seiner eigenen Welt.

Fast zwei geschlagene Stunden wartete Salerius schon auf einen guten Freund, der sich mit ihm in der Taverne treffen wollte. Er war sogar noch in seiner dunklen, langen Robe, die ihn als Geisterbeschwörer kennzeichnete, in die Taverne geeilt, da ihn zuvor noch ein "dringender Auftrag" erreicht hatte, durch den er einiges an Verspätung in Kauf nehmen musste. Doch seine Eile war ganz umsonst gewesen, da die Person, auf die er wartete sich wohl wieder einmal irgendwo verloren hatte und wahrscheinlich an diesem Tag auch nicht mehr auftauchen würde.

"Dieser Taugenichts. Wenn ich den zu fassen kriege, bekommt er vielleicht was zu hören...", seufzte Salerius kurz und nippte an seinem frischen Getränk. "Wenigstens hatte ich so etwas Zeit um nachzudenken, anstatt mich wieder in Büchern zu verlieren...", fügte er noch in Gedanken hinzu und fing gleich wieder mit seinem Klopfkonzert an den Möbeln der Taverne an.

Offline Kerredis

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Re: Der wartende Geisterbeschwörer
« Antwort #1 am: 14. Juni 2008, 13:35:18 »
„Das ist nun schon die fünfte…“ beschwerte sich Rugi, als wir den Gastraum betraten. Ich feixte unter meinem Kapuzenumhang in mich hinein.
Der Abend hatte recht vielversprechend begonnen. Nach einigen Diskussionen hatten wir uns dafür entschieden Nadji daheim zu lassen und statt unserer normalen Roben lange dunkle Kapuzenmäntel zu tragen, unter denen sich unsere Gesichter und ein paar Messer problemlos verbergen ließen.

Ohne Probleme waren wir so zum Hafenviertel gekommen und hatten uns auf die Suche gemacht. In der ersten Taverne suchten wir erfolglos.
Die zweite Spelunke stellte Rugi auf eine harte Geduldsprobe, als einer der Gäste sie vermutlich mit einer Angestellten verwechselte und in eine recht private Stelle kniff. Rugi hatte sich ansatzlos herumgedreht und ihm einen derben Kinnhaken versetzt, der ihn rücklings gegen seine Saufkumpane warf. In seiner Männerehre gekränkt wurde der Geschlagene mit Hilfe seiner Freunde auf die Füße gestellt und lautstark genötigt uns Weibsbildern zu zeigen, wer der Herr im Hause sei. Gerade als sich eine handfeste Keilerei daraus entwickeln wollte, schob uns ein resoluter Wirt hinaus. Rugi fluchte die nächsten Meter vor sich hin, ich kämpfte mit den Lachtränen.
„Dieser …“ Es war schwierig, den Begriff, den Rugi benutzte zu übersetzen; aber er war bildhaft.
„Er wollte bestimmt nur nett sein, vermutlich wollte er Dir damit ein Kompliment machen. Die anderen Mädchen hat er doch zum Beispiel gar nicht angesehen.“ Rugi schmollte noch die nächsten beiden Straßenblöcke.

Die dritte Kneipe war ähnlich geartet wie die zuvor, nur war ich dieses Mal das Objekt der Begierde. Als ich eine sich nähernde Hand ein zweites Mal wegschubste, wurde mir ein Vorschlag unterbreitet, für dessen Umsetzung man meines Wissens nach die Hilfe seiner älteren Brüder in Anspruch nehmen sollte und der einige der Schankmägde rau auflachen lies. Ich strahlte den Mann an. „Oh ja,…“ antwortete ich mit seidenweicher Stimme. „jeden Donnerstag. Es ist außerordentlich entspannend. Ihr solltet es auch einmal versuchen.“ Die Runde grölte vor Lachen und wir nutzten die Gelegenheit für den Abgang, bevor dem armen Mann klar wurde, dass dieser Witz auf seine Rechnung gegangen war.
Danach schlugen wir die Kapuzen nicht mehr zurück und wandten uns direkt an den Wirt, der uns aber auch in der vierten Schänke nicht weiterhelfen konnte. Und nun standen wir hier. Ich wollte gerade den Wirt fragen, da zog mich Rugi am Arm und deutete auf einen Tisch in der Ecke. „Scheint so, als seien wir doch noch fündig geworden…“
Ich musterte die Gestalt in der dunklen Robe. „Tatsächlich, ich hoffe nur, dass er uns helfen wird.“ Langsam gingen wir auf den Tisch zu und blieben wartend davor stehen, bis der Mann schließlich aufsah. 
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Offline Kiriru

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Re: Der wartende Geisterbeschwörer
« Antwort #2 am: 15. Juli 2008, 23:59:46 »
"Eine interessante Gruppe die hier vor mir steht...", dachte Salerius und fragte: "Möchtet ihr etwas bestimmtes von mir, oder übt ihr nur euren strengen Blick in meiner Gegenwart?"

Offline Kerredis

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Re: Der wartende Geisterbeschwörer
« Antwort #3 am: 13. März 2009, 11:03:03 »
Wir setzten uns. Rugi wandte sich um und musterte die Menge, die sich nicht für unser Gespräch zu interessieren schien.

„Wir gedenken, Eure Dienste in Anspruch zu nehmen.“
Schweigen.
„… und gut dafür zu bezahlen.“
Er schwieg noch immer. Scheinbar hatte er genau das erwartet.
Ich schlug meine Kapuze ein winziges Stück zurück, gerade weit genug um ihm einen Blick auf mein Gesicht zu gewähren.
„Wir leben im ehemaligen Anwesen der Shindar.“
Ein unmerkliches Nicken bedeutete mir fortzufahren.
„Die vorherigen Besitzer scheinen Schwierigkeiten zu haben, sich von ihrem alten Heim zu trennen.“ Rugis Umhang raschelte leise, die Braue meines Gegenübers hob sich leicht.

„Man scheint uns einiges erzählen zu wollen, doch bedauerlicherweise gibt es Verständigungsschwierigkeiten.“
„Und hier werde ich wohl ins Spiel kommen.“ Er klang amüsiert. Ich nickte.
„Wir würden Eure Unterstützung sehr begrüßen. Was immer Ihr benötigen werdet, wird zur Verfügung gestellt.“
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